Erfolgreiche Tarifverhandlung oder die Arbeiter im Zaum halten?

Bahar Güngör

Bei den Tarifverhandlungen zwischen VW und der IG-Metall kam es zu einem Kompromiss der Tarifpartner in der dritten Verhandlungsrunde. 3,2 Prozent mehr Geld sollen die rund 100.000 VW- Mitarbeiter der sechs westdeutschen Werke und Finanzsparte ab dem 1. Mai bekommen. Der neu ausgehandelte Tarifvertrag mit 16 Monaten Laufzeit, sieht ebenfalls eine Einmalzahlung in Höhe von einem Prozent des Jahresgrundgehaltes vor, mindestens aber 500 Euro. Azubis erhalten die Einmalleistung in Höhe von mindestens 200 Euro. „Wow!“ sollte man denken, zur Zeiten der Krise diese Lohnerhöhungen, ein glatter Sieg? Ursprünglich forderte die Gewerkschaft jedoch sechs Prozent mehr Lohn für 12 Monate. Gerechtfertigt wäre es ja, denn als es hieß, für weniger Geld in Kurzarbeit zu gehen, Überstunden zu machen oder Sonderschichten zu arbeiten, waren es diese Arbeiter, die tagtäglich den Gewinn erarbeitet haben.

Im Jahr 2010 erzielte der Konzern VW einen Absatzrekord von über sieben Millionen Autos. Hoher Gewinn wurde also bereits gemacht und noch höhere werden erwartet. Europas größter Autobauer profitiert von der starken Nachfrage besonders in China und den USA.

Zu einer Einigung in den Tarifverhandlungen kamen die Partner ziemlich zügig. Taktisch sehr klug, um eventuellen Unruhen in den Betrieben vorzubeugen. Auch wenn es keine Warnstreiks gab, ist von gewissen Unruhen in der Belegschaft die Rede. Mit dieser Entwicklung wurde dem aber schnell entgegengewirkt. Auch das Vorziehen der Lohnerhöhung um acht Monate passt dazu. Für mögliche Streiks oder Warnstreiks sollte somit keine Zeit gelassen werden.

„Die Arbeiter sollen nun auch ein Stück vom Kuchen abkriegen“ heißt es, es wirkt jedoch eher wie ein Beherrschen oder Zügeln der möglichen Bewegung. Denn diese passt so gar nicht in die Pläne des Konzerns. VW will bis spätestens 2018 mehr als 10 Millionen Autos weltweit verkaufen und somit von Platz drei an die Spitze der größten Autobauer der Welt vorrücken.

Diese als fair titulierte Tarifverhandlung soll unerwünschtes Lautwerden der Arbeiter vermeiden, um den Aufschwung in der Autobranche so gut wie möglich nutzen zu können. VW kommt dies nur gelegen, wenn bedacht wird, dass zähe Verhandlungen oder Arbeitskämpfe den Aufschwung beeinträchtigen können. Unruhen kann der Konzern gar nicht gebrauchen, die Nachfrage ist derzeit so hoch, dass die Fabriken kaum noch mit der Produktion nachkommen.

VW-Chef Martin Winterkorn sagt zu seiner „Strategie 2018“: „Wir wollen die besten und zufriedensten Mitarbeiter.“ So sieht es also aus beim VW. Alles rosarot oder doch eher ein Versuch die Arbeiter mundtot zu machen.