Gegen Leiharbeit und Hungerlöhne

Mehr als jeder fünfte abhängig Beschäftigte ist in Leiharbeit, Teilzeit oder lediglich befristet angestellt: In Zahlen ausgedrückt sind über 7,7 Millionen Menschen betroffen. Ihr Lohn kann ihre Existenz nicht sichern und Rechte wie Kündigungsschutz oder Betriebsratswahlrecht sind erst gar nicht vorhanden. Prekäre Beschäftigungsverhältnisse betreffen häufig Frauen. 2008 waren 34,4 Prozent der Frauen und 12 Prozent der Männer betroffen. Vor allem Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahren sind in den letzten zehn Jahren zunehmend stärker in prekäre Arbeitsverhältnisse gedrängt worden: Insgesamt 37,3 Prozent der Beschäftigten dieser Altersgruppe sind prekär beschäftigt. Menschen mit Migrationshintergrund stehen auf dem Arbeitsmarkt insgesamt schlechter da, als die deutsche Bevölkerung: Sie haben eine geringere Beschäftigungsquote, werden häufiger geringfügig beschäftigt, sind doppelt so oft von Arbeitslosigkeit betroffen und beziehen dreimal so oft Sozialhilfe.

Alle sogenannten Arbeitsmarkt„reformen“ der vergangenen 10 Jahre sorgten Schritt für Schritt dafür, dass immer mehr Beschäftigte von ihrer eigenen Arbeit nicht mehr leben können und auf staatliche Hilfen angewiesen sind. Man möchte als junger Mensch nicht daran denken, wie es sein wird, wenn man das Rentenalter erreicht. Wie soll die Rente denn auch reichen, wenn im Laufe eines ganzen Lebens trotz Arbeit nicht genug in die Kassen eingezahlt werden konnten? Und hat man doch eine feste Stelle mit „guter“ Bezahlung gefunden, stellt man fest: Das Geld reicht trotzdem nicht aus: Verteuerung, Inflation, erhöhte Steuern oder Anhebung von Krankenversicherungsbeiträgen. Ein Reallohnverlust ist zu verzeichnen.

Systematisch wurde die „Arbeit der Zukunft“ auf ein Minimum an Sicherheit für die Beschäftigten reduziert. Politik und Wirtschaft Hand in Hand haben durch ihre neuen Regelungen die Interessen der werktätigen Bevölkerung nach hinten gestellt. Und es scheint auch kein Ende zu nehmen, denn reguläre Normalbeschäftigung ist so selten geworden, wie edler, schwarzer Trüffel. Lieber gründen die Konzerne ganz legal konzerneigene Leiharbeitsfirmen, deren Beschäftigten weit unter dem Lohnniveau von Normalbeschäftigten liegen. Wo das enden soll, weiß niemand, aber viele trauen sich auch nicht, diese Frage laut zu stellen, denn die Antwort könnte wie aus der Pistole kommen: „Draußen sind Millionen bereit, für weit weniger zu arbeiten!“ Mit dieser Erpressung kann man Menschen zu Hungerlöhnen zwingen. Auch wenn sich der Lebensstandard im Vergleich zu einigen Jahrhunderten zuvor wesentlich verbessert hat, verpönen diese Arbeitsmarkt„reformen“ die werktätige Bevölkerung und dienen lediglich den Unternehmern, das Mark aus den Knochen ihrer Beschäftigten zu saugen. Und sicher ist, sie werden nicht freiwillig damit aufhören!