Jugend aktiv für seine Zukunft

Seyda Kurt

Dass die junge Generation heutzutage sich nicht  für Gesellschaftsprobleme und Politik interessiert mag Einer als Vorurteil, ein Anderer als Fakt sehen. Die DGB-Jugend möchte im Jahr 2011 sich genau dieser Aussage entgegenstellen – mit aktiver Beteiligung, Selbstinitiative und Mitbestimmung der Schüler, Azubis und  Studierenden.

Wo setzt die Gewerkschaftsjugend an?

Schon die Bildungsstreiks des vergangenen Jahres, an denen etwa eine viertel Million Jugendliche für kostenlose und gleichberechtigte Bildung, bessere Ausbildungschancen und mehr Mitbestimmung auf die Straße gingen, haben gezeigt, dass die  Jugend bereit ist für ihre Rechte zu kämpfen und eine Basis der gesellschaftlichen Veränderung zu geben. Viele Parteien reagierten auf die Forderungen der Jugendlichen und machten Bildung zu ihrem Hauptthema des Wahlkampfes bei den Landtagswahlen. Doch leider wurden die Wahlversprechen, wie zum Beispiel in NRW, nur teilweise oder gar nicht umgesetzt.  Unter anderem als Reaktion darauf startet die DGB-Jugend ab Februar 2011 die Initiative  „Wie willst du leben?“. „Eine Generation ist in Bewegung“, so der DGB-Bundesjugendsekretär René Rudolf – denn immer mehr Jugendliche (mehr als 60 Prozent der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24) setzen auf Zusammenarbeit mit Gewerkschaften und Betriebsräten und ein solides Vertrauen in diese Einrichtungen. Grund dafür sei die steigende Unzufriedenheit mit dem Wirtschaftssystem und den politischen Entscheidungsträgern, die weiterhin für schlechte Ausbildungschancen, Leiharbeit, prekäre Arbeitsbedingungen und schlechte Bildung verantwortlich sind.

Wie sieht die Initiative „Wie willst du leben?“ aus?

Ziel der Initiative ist es jungen Menschen eine Plattform zu geben, “um ihre Meinungen, Ängste und Utopien zu artikulieren und in den Fokus der öffentlichen Auseinandersetzung zu rücken, gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln und diese stark zu machen“.
Im Zentrum der Initiative stehen verschiedene Befragungen von jungen Menschen zu den großen Themen Arbeit, Bildung und Freiheit durch persönliche Befragungen in der Fußgängerzone oder auch Online-Plattformen im Internet, damit so viele Jugendliche wie möglich teilnehmen und mitreden können. Die Ergebnisse der Befragungen bilden somit die Basis für öffentliche Diskussionen in verschieden lokalen Einrichtungen, Betrieben  und Universitäten. Um die Forderungen der Jugend auch im politischen und gesellschaftlichen Geschehen einzubringen, setzt die Initiative unter anderem auf verschiedene Veranstaltungen,  Demonstrationen, Straßenaktionen und Medienpräsenz. Verschiedene repräsentative Studien und Reporte zum Thema  Bildung und  Ausbildung sollen die schlechte, gegenwärtige Lage für Azubis, Schüler und  Studierende untermauern, wie auch die Kampagne „Hände weg vom Jugendarbeitsschutzgesetz“, die den Druck auf die Bundesregierung und ihre Politik zu Gunsten der Wirtschaftslobby erhöhen soll.

Mit dieser Dynamik soll auch auf die Landtagswahlen in sieben Bundesländern zugearbeitet werden. Denn die Jugend ist nicht mehr bereit „den Preis für eine jugendfeindliche und einseitige Politik der letzten Jahre“ zu bezahlen, so Rudolf.

Was an dieser Initiative der DGB-Jugend so besonders ist?

Die Gewerkschaftsjugend begibt sich bei ihren Aktionen nicht in den Widerspruch, die die Politik der Bundesregierung prägt: Politik über Betroffene zu betreiben, ohne diese mit aktiv einzubinden. Durch die Befragung über das recht persönlich formulierte Thema „Wie willst du leben?“ können Jugendliche mit völlig verschiedenen Interessen und verschiedener Herkunft ihre Forderungen direkt äußern. So fühlen sie sich tatsächlich ernst genommen und können sich mit den Forderungen der Gewerkschaft besser identifizieren. Das Gefühl von Zusammengehörigkeit wird sich festigen, wenn Jugendliche feststellen, dass andere dieselben Probleme und Ängste wie sie teilen, auch wenn man völlig verschieden ist.