Tag der Arbeit – Tag des Kampfes

Ali Candemir

Nachdem 1899 vom Internati-onalen Arbeiterkongresses in Paris der 1. Mai zum „Weltfeiertag der Arbeit“ ernannt wurde, folgten weltweit mehrere Millionen Arbeiter dem Beschluss und gingen mit der Forderung nach einem 8-Stunden Tag und gegen die un-menschlichen Arbeitsbedingungen auf die Straßen. Am 1. Mai 1886 hatten Tausende amerikanische Arbeiter für dieses Ziel gekämpft. In Chicago kam es hierbei zu blutigen Auseinandersetzungen mit der Polizei, mit mehreren Toten. Sieben Arbeiterführer wurden in folgenden Prozessen zum Tode verurteilt. Dementsprechend vorsichtig war die Arbeiterschaft, allen voran die Sozialdemokratische Partei und Gewerkschaften in Deutschland bei den Demonstrationen zum 1. Mai 1890. Etwa Hunderttausend, größtenteils in Berlin und Hamburg, legten die Arbeit nieder. Doch viele Unternehmer antworteten mit Entlassungen und schwarzen Listen. Wer auf solch eine Liste kam, hatte es schwer, wieder eine Anstellung zu erhalten. Doch dem Gedanken des „Tag der Arbeit“ tat dies keinen Abbruch. Schon 1918, mit dem Ende des Kaiserreichs, wurde der 1. Mai zum nationalen Feiertag in Deutschland erklärt und die Gewerkschaften als offizielle Vertretung der Arbeiterschaft anerkannt. Darüber hinaus wurde auch das Ziel des 8-Stundentags erreicht. Die aufkeimende Wirtschaftkrise und die be-ginnende Massenarbeitslosigkeit lieferten die Themen für den 1. Mai in den 1920ern. Als der Polizeipräsident von Berlin, 1929 ein Verbot der Maidemonstrationen erwirkte, setzte sich die KPD über das Verbot hinweg. Die Polizei griff mit aller Härte gegen die Demonstranten durch, welche nicht gewillt waren, auf ihr gutes Recht zu verzichten.  Über 200 Demonstranten starben. Dieser Tag ging als „Blutmai“ in die Geschichte ein. 1933 wurde der 1. Mai  durch die faschistische NSDAP zum „Nationalen Feiertag des deutschen Volkes“ ausgerufen. Schon am Folgetag wurden die freien Gewerkschaften von der SA und SS zerschlagen. Der 1. Mai war nun mehr ein Propagandainstrument der Nazis. Er hatte seinen kämpferischen Charakter verloren und stand im direkten Gegensatz zum Gedanken des internationalen Tages der Arbeit. Der erste freie „Tag der Arbeit“ wurde erst wieder 1946 gefeiert.
Und heute?
Die Reallöhne sinken. Mit der Liberalisierung des Arbeitsmarkts 2002 und den dadurch möglich ge-wordenen Leiharbeitsverhältnis-sen sind nun 860 000 Menschen meist unter Niedriglöhnen in diesem Sektor beschäftigt. Aber nicht nur auf dem Arbeitsmarkt machen sich diese Veränderungen bemerkbar. Auch das Gesundheitssystem und Sozialsystem, einst Aushängeschilder Deutschlands, wurden nach und nach abgebaut. Die Einführung von Hartz IV und der Praxisgebühren sind nur zwei Beispiele. Ebenso hat das Bildungssystem, welches ohnehin stark selektiv war, dank Studiengebühren großen Bevölkerungsgruppen den Weg zu einer akademischen Bildung verwehrt. Die Armut steigt noch immer. Der vielbesagte Aufschwung ist unter den Arbeitern kaum zu spüren. Das deutsche Kapital allerdings hat die größten Gewinne aus der letzten Krise geschlagen. 2010 steigerten die 30 Dax-Unternehmen ihre Gewinne um 117 % auf insgesamt 59 Mrd. Euro. Für das Jahr 2011 erwarten sie Gewinne in Höhe von knapp 73 Mrd. Euro. Das Sprachrohr des Kapitals, „Das Handelsblatt”, stellte fest, dass die deutschen Unternehmen zu den weltweit größten Profiteuren gehören. Die Boni der Manager stiegen um ein Drittel. Doch damit nicht genug. In zahlreichen Kriegen, werden ganz offen und unverhohlen wirtschaftliche und politische Interessen verfolgt. Das sind nicht die Interessen der Arbeiterschaft.  In vielen Ländern gehen die Menschen auf die Barrikaden, um dieser Ungerechtigkeit ein Ende zu setzen. In Griechenland, Portugal, Spanien, Großbritannien, Belgien und anderen Ländern in Europa protestieren Beschäftigte dagegen, dass sie für die Krise zahlen sollen. All diese Einschränkungen und Beschneidung zuvor erkämpfter Rechte zeigen deutlich: Auch am 1. Mai muss sich die Arbeiterbewegung gegen diese Angriffe stellen!