MEIN BRIEF AN PIPPA

Die Regisseurin Bingöl Elmas hat die Reise des Friedens an Stelle von Pippa Bacca, die in der Türkei vorzeitig beendet wurde, fortgesetzt und über diese einen Dokumentarfilm namens „Mein Brief an Pippa“ gedreht.
Die Uraufführung des Films „Mein Brief an Pippa“, der bei nationalen und internationalen Filmfestivals gezeigt wird, fand bei dem 9. AFM International Independent Film Festival statt.
Die geplante Friedensreise der Italienischen Künstlerin Pipa Bacca, die vor 2 Jahren in einem weißen Brautkleid in Mailand begann und in Israel enden sollte, wurde mit ihrer brutalen Ermordung in Gebze beendet.
Die Regisseurin Bingöl Elmas nahm die Reise jedoch in einem schwarzen Brautkleid, da wieder auf, wo sie für ihre Vorgängerin endete, wieder auf und setze sie bis zur syrischen Grenze fort. Bingöl Elmas trampte im Sinne von Bacca alleine in LKWs und Kleinbussen durch die Türkei und verfolgte die Spuren des Friedens, des Vertrauens an die Menschen und des Daseins als Frau. Diese Spuren und Erlebnisse ihrer Reise hielt sie mit ihrer eigenen Kamera fest.
„Der Film setzt sich mit den Ursachen des Todes von Pippa und dem Patriarchat, sowie der Realität der Frau in der Türkei auseinander“, so die reisende Regisseurin. Der Film handelt von der Existenz und dem Dasein der Frau auf einer Autobahn und davon, sich als Frau in einem Lastwagen fort zu bewegen, ohne belästigt oder vergewaltigt zu werden.
Unter der Leitung von Tuğrul Artunkal wird „Mein Brief an Pippa“ mit Unterstützung des Europäischen Kulturkanals ARTE und als Teil der commun Projekte vom französischen Produzenten Patrice Barrat unter dem Namen „The Other Türkei“ realisiert. Die Shooting Crew bestand aus 5 Personen, die die Regisseurin begleiteten.
Bingöl Elmas wird sich auch in Köln mit vielen Zuschauern treffen. Veranstaltet von der Frauengruppe des Demokratischen Arbeiter und Jugendzentrums Köln wird der Film in Cinenova Arthouse-Center in Köln-Ehrenfeld am 30.Mai um 19 Uhr gezeigt. Vor Ort wird auch die Regisseurin sein, die über ihre Erfahrungen berichten wird. (NEUES LEBEN)

Wer war eigentlich Pippa Bacca

Bekannt unter dem Namen Pippa Bacca, kam die italienische Aktionskünstelerin als Giuseppina Pasqualino die Marineo 1974 in Mailand auf die Welt. Auch ihre letzte Reise sollte eine Aktionskunst werden, die für den Frieden der Völker warb. Doch diese wurde frühzeitig durch einen Mord beendet.
Ihre letzte Reise
„Das ist das einzige Kleid, das wir mitnehmen“, hatte Pippa Bacca auf der Webseite zu ihrem selbstgenähten weißen Brautkleid, welches sie auf der Reise anzog, geschrieben. Sie wollten dieses Kleid „mit all den Flecken, die es während der Reise annimmt“ als ein Zeichen des Friedens bis zum Ende ihrer Reise nicht ausziehen.  Pippa Bacca war nicht die einzige „Braut für den den Frieden“. Ihre Freundin Silvia Morro, die ebenfalls Künstlerin war, begab sich mit auf die Friedensreise, die am 8. März 2008 in Mailand begann. Geplant war in Mailand anzufangen und durch insgesamt 11 Länder in Richtung Naher Osten zu reisen. Per Anhalter reisten sie durch Slowenien, Kroatien, Bosnien, Serbien und Bulgarien. Es war extra diese Art der Fortbewegung ausgesucht. Sie wolle zeigen, „dass die Menschen Vertrauen verdienen.“, sagte die Mutter der Künstlerin über ihre mutige Tochter. Die Freundinnen trennten sich am 20. März in Istanbul, um sich in einigen Wochen in Libanon wieder zu treffen. Doch am 31. März 2008 wurde Pippa in Gebze, eine Stadt, die am Stadtrand von Istanbul liegt, gesehen. Später wurde ihre unbekleidete Leiche in einem Waldgebiet in Gebze aufgefunden. Doch schnell konnte der Mörder gefunden werden. Der 38-jährige Familienvater verriet sich selber, weil er das Handy der Künstlerin mit deiner eigenen Karte einschaltete. Anschließend wurde die Kamera der Friedensbraut, mit der sie die ganze Reise dokumentierte, in seinem Haus gefunden.
Wir sind alle Italiener
Bewusste hatten sie diese Route ausgesucht. Denn sie wollten in Gegenden, wo der Hass das Zusammenleben der Menschen zerstört, für den Frieden werben. Als Frau wollten sie zeigen, dass man den Menschen Vertrauen schenken muss. Doch in der Türkei wurde diese Reise für immer unterbrochen. Anfangs sorgte der Vorfall für Empörung. „Sie trampte sicher durch den Balkan, um dann in unserem Land ermordet zu werden. (…) „Sie hat ihr Leben verloren, weil sie nicht zögerte, den Türken zu vertrauen“, schrieb die türkische Zeitung Radikal. Auch Erdogan konnte seine Krokodilstränen nicht zurückhalten und verachtete diesen „abscheulichen blutrünstigen Akt“. Plötzlich wechselte die türkischen Nation wieder einmal ihre Nationalität, so wie bei Hrant Dink, und hatten italienische Schlagzeilen. Doch was von der ganzen Empörung zurückgeblieben ist, ist der Tod der Künstlerin. Anstatt einen Schritt nach vorne zu machen, machte die AKP-Regierung im Zuge der EU-Anpassung 2004 einen Schritt nach hinten, vor allem im Sinne der Frau. Denn seit dem gilt, wenn der Vergewaltiger sich bereit erklärt, das Opfer zu heiraten, wird ihm eine Straffreiheit ermöglicht.
Immer noch beinhalten Gesetze Nebensätze wie „ungerechtfertigte Provokation“, die solche Verbrachen entschuldigen. Deshalb gehen die Frauenvereine gegen die Mentalität in den Köpfen der Richter der Regierung vor.
„Wir konnten sie nicht beschützen“
Nach ihrem Mord trafen sich viele Künstler aus der Türkei, aber auch die Weggefährtin Silvia Moro, im Galataviertel in Istanbul und unterstrichen „die primitive patriarchalische Dunkelheit eine Systems, welches zulässt, dass täglich Frauen von Männern getötet werden. „Wir konnten sie nicht schützen“, war ihre Entschuldigung bei der Familie von der Friedensbraut. (NEUES LEBEN)