Auslandsaufenthalte immer beliebter

Die Schulzeit naht sich bei vielen nun dem Ende zu oder ist für manche, zum Beispiel für die Abiturienten in NRW, schon Vergangenheit. Bei der Frage „Was nun?“ entscheidet sich ein kleiner Teil für einen längeren Aufenthalt im Ausland, beziehungsweise zu einem  „Auslandsjahr“.  Schade ist dabei, dass es dabei meist nur um Karrierezwecke geht und eine beeindruckende Ausgestaltung des Lebenslaufs. Neue Kulturen kennen lernen wird dabei zur Nebensache. Wir haben bei Maike (19) aus Köln nachgefragt, die nach dem abgeschlossenen Abitur bald selbst so ein Auslandsjahr in Australien absolvieren wird.

Warum genau hast du dich dazu entschieden ein sogenanntes „Auslandsjahr“ zu verbringen?
Ein Auslandsjahr bedeutet für mich die pure Unabhängigkeit. Ich möchte neue Sachen erleben und erfahren. Also meinen „Horizont erweitern“, wie man das so schön sagt! Dass ich mich gerade für Australien entschieden habe, hat praktische Gründe: Das Programm „Work and Travel“ soll dort sehr populär sein und viele wählen dadurch Australien als Reiseziel. Also man hat dort schon Erfahrung. Ich habe mich auch sehr für Asien interessiert aber mich dann doch nicht getraut. Und Amerika hat mich irgendwie nicht interessiert. Von Australien hört man generell sehr wenig und das hat mich neugierig gemacht. Außerdem möchte ich die wunderschöne Natur dort erkunden und die Menschen sollen sehr freundlich sein!

Dient dein Auslandsjahr eher einem „Karrierezweck“ oder ist es die Kultur, die dich an einem unbekannten Land interessiert?
Um ehrlich zu sein, ist an beidem was dran. Das Interesse für die fremde Kultur und die Mentalität der Menschen ist besonders groß. Diese werde ich dann erst kennenlernen, wenn ich dort bin. Der erste Punkt ist aber natürlich auch wichtig. Die englische Sprache ist ja heute sehr wichtig im Berufsleben und dort werde ist diese lernen. Auslandsjahre sollen auch bei Unternehmen sehr gut ankommen. Doch trotzdem mache ich es hauptsächlich für mich selbst! Die Unabhängigkeit, die ich gewinnen werde, ist mein Hauptgrund. Die Sache mit dem „Karrierezweck“ ist zweitrangig! Es ist nur eine gute Antwort darauf, wenn Leute sagen: „das Jahr fehlt dir dann doch komplett!“ Es ist also eher kein Grund, sondern ein Argument gegenüber Menschen, die dem skeptisch gegenüberstehen.

Viele Abiturienten verspüren nach dem Abschluss einen bestimmten Druck durch die hohe Konkurrenz und den geringen Plätzen, einen Studienplatz zu finden und entscheiden sich erst gar nicht für eine „Auszeit“. Was denkst du darüber?
Mir ist es wichtig, wenn ich studiere, auch mich für das Richtige zu entscheiden. Es ist eine Entscheidung, die dein gesamtes Leben beeinflusst und ich fühle mich noch nicht bereit, eine solche Entscheidung zu treffen. In einem Jahr werde ich bereiter sein, als ich es jetzt bin und mich auch unabhängiger und generell selbstsicherer fühlen!

Denkst du, dass es als Frau schwieriger ist, sich zu einem Jahr in einem völlig unbekannten Land zu entscheiden?
Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen Mann und Frau. Als Frau muss man leider in unserer Gesellschaft generell mehr auf sich Acht geben! Aber ich denke, dies ist nicht nur im Ausland der Fall. Was einem dort passiert, kann einem genauso in Deutschland auch passieren!

Was hältst du von Organisationen wie „Work and Travel“? Denkst du, dass es Alternativen zu solchen Organisationen gibt?

Ich bin in meinem Auslandsjahr völlig ohne eine Organisation unterwegs! Ich will, wie schon gesagt, unabhängig sein und etwas alleine schaffen! In so einer Organisation geben sie dir  komplett alles vor: besorgen dir das Visum, Handykarte, Bankkonto, dein Hotel.  Das aufregende ist aber doch gerade, dass du nicht weißt, was in einer Woche ist! Die Organisationen werben zwar damit, dass man komplett unabhängig ist und sie nur den Start erleichtern wollen, aber das stimmt nicht. Ich habe Bekannte, die es momentan auch alleine versuchen und sie sind alle klar gekommen, ohne so viel Geld für eine Organisation zu zahlen.