Musik – ein verbindendes Element

Beim diesjährigen „Fest der Solidarität und Freundschaft“ zum 50. Jubiläum der Arbeitsmigration aus der Türkei der DIDF war auch die Gruppe ewo2- das kleine elektronische Weltorchester aus Mannheim dabei. Die Band besteht aus Christiane Schmied, verantwortlich für die Elektronik, Hans Reffert, an der E-Gitarre, Laurent Leroi, am Akkordeon und Bernd Köhler, der Liedermacher.

Wie und wann ist eure Gruppe   entstanden?
Diese Formation hat sich um ein Projekt vor 10 oder 12 Jahren gegründet. Wir haben damals ein Programm zu dem russischen Revolutionsdichter Wladimir Majakowski gemacht. Majakowski war in der Oktoberrevolution aktiv und hat sich aber 1930 das Leben genommen.  Seitdem machen wir immer wieder unterschiedliche Programme und unser jetziges Programm heißt avanti popolo, also aus dem italienischen Arbeiterlied. Unser Hintergrund ist, dass wir demokratische, historische und auch aktuelle Arbeiterlieder neu aufarbeiten und versuchen sie auf eine neue Art und Weise mehr Menschen nahe zu bringen. Wir denken das ist nötig, denn man kann solche Lieder nicht immer nur auf klassische Art und Weise singen, sondern wir lassen auch Rock- und Weltmusikelemente einfließen. Das haben wir heute auch versucht zu zeigen.
Da schließt sich dann die nächste Frage auch an, und zwar nach der Zusam-mensetzung der Lieder heute.
Wir haben überlegt, dass wir hier gerade Lieder mit Migrationsthematik spielen wollen. Deshalb hat Hans auch dieses amerikanische Lied über einen Migranten gespielt. Außerdem hatten wir auch noch ein französisches Lied dazu, dass uns sehr wichtig ist, denn dieses Jahr feiern wir den 140. Jahrestag der Pariser Kommune, das war nicht nur ein Versuch, sondern eine reale Gegenregierung zur Macht in Paris. Das ist leider nicht so bekannt, denn das war eine der ersten sozialistischen Bewegungen und wurde blutig niedergeschlagen und deshalb singen wir darüber auch ein sehr nostalgisches Lied, als Erinnerung an diese Zeit, in der die Leute wirklich mitbestimmt haben.


Was könnt oder möchtet ihr denn zu der Migrationspolitik allgemein sagen?

In Frankreich zum Beispiel ist das keine Migrations- sondern Sarkozy-Politik, das ist ganz rechte Politik da drüben. Sarkozy hat dann auch eine Migrantin als Ministerin eingestellt, sozusagen als Frauenbeauftragte, aber die ist auch nicht lange geblieben, die hatte so eine Alibi-Funktion. Hier ist es so, dass es meiner Meinung nach (Bernd) noch lange dauern wird, bis es so weit ist, wie bei den Polen, die damals ins Ruhrgebiet gekommen sind. Heute wird ein polnischer Name auch als deutscher Name verstanden, wohingegen ein türkischer Name oder türkisches Aussehen immer noch als ausländisch verstanden wird. Das wird, denke ich, noch mehrere Generationen brauchen, bis sich da etwas verändert. Ich (Hans) erlebe Migration bei meinem Sohn. Der hat seit vielen Jahren einen türkischen Freund und er ist da mit einer Selbstverständlichkeit reingewachsen. In seiner Klasse sind auch viele türkische Mädchen, die auf dem Gymnasium landen und nach oben streben. Die setzen sich dann auch durch und das gibt mir Hoffnung, dass sich unsere Gesellschaft langfristig gesehen selbstverständlicher verändert, aber da kommt es auch darauf an, dass man seine Kinder so erzieht, dass ein Miteinander entstehen kann.
Möchtet ihr auch noch etwas zu der heutigen Veranstaltung sagen?
Wir waren total begeistert, dass die Jugendlichen alle bei bella ciao mitgesungen haben. Die Reden waren etwas zu lang, also man sollte der Musik mehr Platz geben, denn Musik ist ein viel stärkeres verbindendes Element. Die DIDF ist aber ein munterer Haufen, es ist auch eine erfolgreiche Geschichte, so etwas zu organisieren. Wir finden es schade, dass wir kein türkisches oder kurdisches Lied in unserem Programm haben, also sucht uns doch mal einen historischen Titel heraus und wir bearbeiten den und führen den das nächste Mal auf.