Tanzen verbindet

Auf dem Festival in Essen nahmen viele Ortsgruppen der DIDF auf der Bühne Platz und sorgten für Stimmung. Viel Applaus bekam auch die Folkloregruppe aus Nürnberg, die mit ihren Tänzen aus verschiedenen Regionen der Türkei ihren Auftritt gelungen über die Bühne brachte. Wir haben ein kurzes Gespräch mit zwei Mitgliedern aus der Gruppe geführt, Suat Altunay (18, Nürnberg) und Deniz Bahadir (16, Nürnberg).

Wir haben euch eben auf der Bühne erlebt und mussten die ganze Zeit mittanzen. Seit wann besteht eure Gruppe eigentlich und müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden, um in der Gruppe mittanzen zu können?
D.B.: Nein, so was gibt es bei uns nicht. Es kann jeder, der das Tanzen mag bei uns mitmachen.
S.A.: Ja, wirklich jeder kann bei uns mittanzen. Deshalb haben wir auch zwei getrennte Gruppen, wobei wir auch öfters zusammenarbeiten. Eine Gruppe besteht für etwas Jüngere und in der anderen sind Jugendliche ab 15 Jahre. Aber wie gesagt, wir haben auch öfters gemeinsame Auftritte. Übrigens bestehen wir als Gruppe nun seit drei Jahren.

Wie oft probt ihr?
DB: Wir proben einmal in der Woche, also jeden Sonntag. Wir fangen um elf Uhr mit den Jüngeren an und diese Probe dauert bis dreizehn Uhr. Ab dann geht es mit den Älteren weiter.

Wir haben eben bei eurem Auftritt gesehen, dass ihr verschiedene Tanzrichtungen vorgeführt habt. Nahezu alle Regionen der Türkei waren in euren Tänzen vertreten. Wie sucht ihr eure Tänze aus?
SA: Am Anfang war es unser Lehrer, der die Tänze vorgeschlagen hat. Von ihm hatten wir auch anfangs die Tänze gelernt. Danach war es uns aber auch wichtig, dass auch Mitglieder der Folkloregruppe selbst Tänze und Choreografien aufstellen. Mit der Zeit haben wir auch gemerkt, dass wir eine kunterbunte Gruppe sind. Wir haben aus allen Regionen Freunde, die auch dementsprechend diese Tänze gut beherrschen. So haben wir uns gegenseitig die verschiedenen Richtungen beigebracht. Ich habe zum Beispiel eine Bauchtanzgruppe geleitet. Alle anderen haben aber auch mitgewirkt, sodass wir immer gemeinsam entschieden haben, wie wir die Tänze aufstellen.

Also ist euer Folklorelehrer eher für die technische und tänzerische Ausbildung von der Gruppe zuständig.
SA: Genau, die eigentliche Folkloretechnik bringt uns unser Lehrer immer bei. Wenn es aber um das Aussuchen der Tänze geht, entscheiden wir alle gemeinsam.

Wir sehen euch öfters auf den Veranstaltungen der DIDF. Habt ihr auch außerdem Möglichkeiten, in anderen Kreisen aufzutreten?
DB: Eigentlich treten wir sehr oft und fast überall auf. Das einzig Wichtige für uns ist, dass bei den Organisationen der Veranstaltungen keine rassistischen Hintergründe mitwirken dürfen. In Nürnberg haben wir zum Beispiel öfters Feste, an denen wir auch als Gruppe teilnehmen und auftreten. Zwar sind es meistens kulturelle Veranstaltungen, doch ab und zu tanzen wir auch auf Hochzeiten als Gruppe. Am liebsten sind wir aber auf DIDF-Veranstaltungen, weil auch viele Freunde von uns immer dabei sind und wir fast jeden kennen.

Ihr habt eine recht große Anzahl an Mittänzern. Beteiligen sich denn auch alle Mitglieder vor Ort im Verein aktiv an der politischen Arbeit?
DB: Ja, im Grunde genommen alle.
SA: Es gibt natürlich welche, die seit Anfang an dabei sind und sich dementsprechend auch politisch sehr engagieren. Genauso sind welche dabei, die sich eher weniger dafür interessieren. Aber in diesem Punkt unterscheiden wir auch gar nicht wirklich.

Während den Proben und Auftritten verbringt ihr sehr viel Zeit miteinander. Wie ist das Gemeinschaftsgefühl allgemein in der Gruppe?
SA: Manchmal entstehen leider kleinere Probleme, da es eine wirklich große Gruppe ist. Es kann schon mal vorkommen, dass sich kleine Gruppierungen bilden. Aber diese Probleme haben wir bis jetzt eigentlich immer schnell aus der Welt geschaffen. Aber im Großen und Ganzen versteht sich jeder mit jedem und es herrscht auf jeden Fall gutes ein Gemeinschaftsgefühl.

Habt ihr auch außerhalb der „Tanzzeiten“ Kontakt zueinander?
DB: Auf jeden Fall. Fast alle sind untereinander gut befreundet, welches sich auch sehr positiv auf unsere Tänze auswirkt. Es kommt auch öfters vor, dass wir uns im Verein für einen Kinoabend oder ähnliches treffen.

Hinter diesen ganzen Auftritten steckt richtig viel Arbeit und Mühe. Was bringt euch eigentlich dazu,  wirklich jeden Sonntag zu den Kursen zu gehen und zu tanzen?
DB: Mir persönlich bereitet das Tanzen einen riesigen Spaß und es verbindet die Menschen einfach. Einige kommen aus einer anderen Stadt, einige glauben an etwas anderes, einige haben völlig gegensätzliche politische Einstellungen, aber das Tanzen verbindet einfach alle miteinander. Jeder muss die gleichen Schritte ausführen und die gleichen Bewegungen machen – es unterscheidet einfach keinen vom anderen.

SA: Ich muss zugeben, am Anfang wollte ich überhaupt nicht in den Kurs. Meine Mutter hatte mich dazu überreden müssen. Jetzt kann ich mir ein Leben ohne Folklore gar nicht vorstellen. Weil es einfach super Spaß macht und vom alltäglichen Schulstress ablenkt. Aber am wichtigsten finde ich, dass wir dort nicht nur tanzen, sondern auch jüngeren Mitgliedern Verantwortungen übergeben. So können diese sich auch persönlich weiterentwickeln und lernen wirklich, organisiert zu arbeiten.