Milliardengeschäfte mit China

Ali Candemir
Nicht sehr lange ist es her, dass China die USA als wichtigster Handelspartner Deutschlands ablöste. Etwa ebenso lange ist vergangen, seitdem China die Bundesrepublik als Exportweltmeister beerbte. Im letzten Jahr erreichte das chinesisch-deutsche Handelsvolumen erstmals die 140 Milliarden Euro Grenze. Chinas wirtschaftlicher Aufstieg in den letzten 15 Jahren ist beispiellos. Zwischen 1990 und 2007 steigerte China seinen Anteil an Welt – Bruttoinlandprodukts von 1,7 auf 10,8 Prozent. Chinas Geldreserven werden auf rund 1200 Milliarden US-Dollar geschätzt. Diese Reserven werden genutzt, um weltweit Rohstoffe aufzukaufen. Neuerdings ging China dazu über, in europäische Staatsanleihen zu investieren, auch in solchen Ländern, deren Wirtschaft derzeit schwächelt. „Wir haben Vertrauen in die europäische Wirtschaft und den Euro“, so der chinesiche Ministerpräsident Wen während seiner Europareise.
Regierungskonsultation in Berlin
Wen Jiabao war in Anwesenheit von 13 Ministern und einer 300-köpfigen Delegation nach Deutschland gereist. Die Bundesregierung nutzt Regierungskonsultation nur mit ausgewählten Partnern wie Russland, Polen und Frankreich. China führte diese Gespräche ausschließlich mit Deutschland. Im Rahmen der Beratungen wurden 22 Abkommen und 14 Wirtschaftsvereinbarungen unterzeichnet. Dabei ging es etwa um die Zusammenarbeit in der Landwirtschaft, der Forschung oder bei den erneuerbaren Energien. In den nächsten fünf Jahren soll das Handelsvolumen auf bis zu 260 Milliarden Euro ansteigen. Wobei insbesondere chinesische Investitionen in Deutschland zunehmen sollen. Die deutsche Industrie hat die Bedeutung Chinas längst erkannt und investiert jetzt schon deutlich mehr als China in Deutschland. Allen voran die Automobilindustrie, deren größter Absatzmarkt China ist, hat in den vergangenen Jahren mehrere Produktionsstandorte in China errichtet. Der deutsche Maschinenbau konnte seine bedeutende Rolle nur dank dem chinesischen Interesse aufrecht erhalten.
Strategische Partnerschaft
Es gebe im Handel mit China „ eine norme Chance auch für die deutsche Wirtschaft“, sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle. In dem riesigen Land entstünden neue Mittelschichten, die großes Interesse an deutschen Qualitätsprodukten haben. „Wir wollen mit China eine strategische Partnerschaft nicht nur begründen, sondern auch ausbauen und vertiefen“, so Westerwelle. Doch die Partnerschaft scheint vorerst nur auf wirtschaftlicher Basis möglich. Politisch gibt es noch einige Differenzen. Doch diese waren während der Regierungskonsultationen nebensächlich. Gespräche über Menschenrechtsverlet-zungen in China und eine gemeinsame Resolution gegen Syrien lehnte China als „Einmischung in innere Angelegenheiten“ ab. Was denn auch, wen scheren schon Menschenrechte, solange der Yuan (chinesische Währung) rollt?