Alles Koscher? / Der Ungläubige

n Bahar Güngör

Eigentlich sind Mahmud und seine Familie gar nicht so anders, als ihre Nachbarn. Sie leben in einem, der westlichen Welt nicht fremden kleinbürgerlichen Vorort. Der Regisseur Josh Appignanesi hat es geschafft das „Fremde“, das Muslimische, in alltägliche Situationen einzubinden und diese Bilder zu zeigen. Da sieht der Zuschauer beispielsweise zwei tratschende Frauen joggen, wobei eine von ihnen eine Burka trägt und komplett verschleiert ist. Wie ähnlich sich die Menschen sind – trotz verschiedener Kulturen, Religionen und Herkunft – zeigt „Alles Koscher“, im Original „Der Ungläubige“ (The Infidel) in verschiedenen Szenen. Dieser Film zeigt, dass die Identität in sozialen Verortungen und der Umgebung liegt.
Mahmud Nasir, gespielt von dem englisch-iranischen Komiker Omid Djalili, ist ein Londoner Pakistani, der es nicht sehr streng mit seiner Religion nimmt. Er ist ein liebender Ehemann und aufopfernder Vater. Als sein Sohn (Amit Shah) ihm von seiner Liebe zu der Stieftochter des Hasspredigers Arshad al-Masri (Igal Naor) berichtet, verspricht er seinem Sohn der vorbildlichste und beste Moslem zu sein, wenn sie den hohen Besuch des Fundamentalisten erwarten.
„Na gut, ich versprech’s, okay? Ich verspreche, dass wenn Fundamentalist Fettie-Fatwah-Fresser in mein Haus kommt, dann… – Dad! Dad! Tu das nicht! – War nur ein Scherz! Ich verspreche, wenn Uzmas Stiefvater vorbei kommt, dann bin ich der beste Moslem, der ich überhaupt sein kann.“ (Filmzitat)
Wenn es denn nur das wäre. Nach dem Tod seiner Mutter findet Mahmud seine Geburtsurkunde und somit die Tatsache, dass er adoptiert wurde. Auf der Suche nach seinen Wurzeln konfrontiert ihn sein Geburtsname mit einer für ihn schrecklichen Wahrheit. Der Name Solly Shimshillewitz weist ihn als einen gebürtigen Juden aus. Um seinen im Sterben liegenden Vater sehen zu können, muss er sich wie ein richtiger Jude benehmen. Hier bekommt Mahmud Hilfe von dem kettenrauchenden und alkoholliebenden Taxifahrer Lenny (Richard Schiff). Er lehrt Mahmud alles, was das Jiddische betrifft.
Mahmud muss also ein guter Jude, um seinen leiblichen Vater sehen zu können, als auch ein guter Moslem, um seinem Sohn die Heirat zu ermöglichen, zugleich sein. In seiner Not kommt noch hinzu, dass seine Frau (Archie Panjabi) das häufige Fehlen ihres Mannes, als eine Affäre deutet.
Als Mahmud eine pro-palästinensische Demonstration besucht und danach auf einer Bar Mitzwa tanzt, fängt die Lage an, zu eskalieren.
Gefangen in dieser Identitätskrise, nicht nur der Religionen wegen, bringt „Alles Koscher“ das Publikum oftmals zum Lachen. Sympathisch ist die Geschichte auch, weil sie sich nicht in gängige Klischees – beispielsweise vom bösen, fanatischen Islam – einreiht, sondern mit leiser Ironie jeden »-ismus« als hohl und verlogen entlarvt.