Faschistische Morde in Norwegen: Das Massaker des Tempelritters

Bei dem faschistischen Anschlag in Norwegen wurden 80-100 Menschen ermordet. Er zielte auf politisch Aktive und die Organisierung der fortschrittlichen und demokratischen Jugend im Besonderen.
Am 22. Juli war Norwegen Schauplatz des schlimmsten terroristischen Angriffes in den nordischen Ländern seit dem 2. Weltkrieg, wahrscheinlich sogar des schlimmsten systematischen Massakers an Jugendlichen in der neueren Geschichte.
Die Zahl der Toten wird bis jetzt auf rund 80 Menschen geschätzt, von denen 68 vor allem Jugendliche sind, die am Sommerlager der AUF (Jugendorganisation der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei) teilnahmen.
Jetzt wissen wir, dass es keine fanatischen Islamisten waren, sondern der blonde, konservative Junge, Unternehmensgründer, Freimaurer und früheres Mitglied der „Fortschrittspartei“ Anders Behring Breivik (32), der verantwortlich für die Bombe von Oslo und das Massaker an den 68 AUF-Jugendlichen auf Utoya ist. Er hat diese Verbrechen gestanden.
Selbst wenn sich herausstellt, dass er die Tat selbst beziehungsweise nur mit wenigen Helfern ausgeführt hat, ist Anders Behring Breivik nicht isoliert und kein zufälliger Abschaum. Dieses Verbrechen wurde sorgfältig und über lange Zeit geplant, und weder die Ideen noch die Methoden wurden von Behring Breivik selbst erfunden. Seine geistigen Anstöße stammen offensichtlich aus einer Serie blutiger Anschläge, die von christlich-faschistischen Gruppen in den USA verübt wurden, Aktionen gerichtet gegen staatliche Gebäude, Abtreibungskliniken und Schulmassaker, die von Einzeltätern verübt wurden.


Islamophobie und Faschismus

Immer offensichtlicher wird die Tatsache, dass er Teil eines extrem reaktionären und islamfeindlichen Milieus war, das das Internet als seine Brutstätten nutzt, darunter die norwegische Webseite document.no. Durch Seiten dieses Typs verbreiten sie ihren Hass und stacheln sich gegenseitig an. Dazu nutzen sie aktiv Diskussionsforen in den „seriösen“ Online-Medien. Von Breivik, der sich als Anti-Nazi und Pro-Zionist darstellt, wird berichtet, dass er Rausschmeißer bei Nazi-Organisationen war und in Verbindung zur faschistischen EDP (Englischen/European Defense League).
Neben einem wilden rassistischen Hass gegen Muslime und „marxistische Humanisten“, welche die Immigranten und Flüchtlinge verteidigen, hat diese Umfeld eine Verschwörungstheorie konstruiert, wonach die offizielle „politische Korrektheit“ Norwegens, repräsentiert durch die Regierung des Landes, angeblich als „Mehrheitsdruck“ gegen die „nationalen“ und „patriotischen“ Positionen von Breivik und seinesgleichen agieren.
Bei Betrachtung der Tatsache, dass das Sommerlager auf Utoya (eine Insel ca. 50 km von Oslo entfernt) das Hauptziel war, wird offensichtlich, das dies mit dem offen anti-rassistischen Profil der AUF (der größten und einflussreichsten politischen Jugendorganisation Norwegens, Anmerkung des Übersetzers) zusammenhängt wie auch mit den engen Verbindungen der AUF zum politischen Machtzentrum.


Ein Tempelritter gegen Islam und Marxismus

Breivik hat laut Dagbladet und TV2 vor kurzem seine detaillierten Pläne im Web veröffentlicht. Der Freimaurer Breivik betrachtet sich als Tempelritter und Kreuzzügler, der die Speerspitze im Kampf gegen Marxismus und Islamismus ist. Trotzdem – oder gerade deswegen? – war Breivik niemals unter Beobachtung durch die politische Polizei PST, die sich seit Jahren so stark auf die islamistischen Gruppen in Norwegen konzentriert hat, dass die brodelnden faschistischen Netzwerke mehr oder weniger ignoriert wurden. Polizei und Terrorexperten des Militärs stellen die Islamfeindlichen als etwas von den gewalttätigen Nazigruppen „gänzlich Verschiedenes“ dar. Sie behaupten, dass der Abstand zwischen Breiviks hasserfüllten Stellungnahmen und den Taten, die er nun begangen hat, so groß sei, dass es keine Notwendigkeit gab, ihn zu beobachten. Das ist eine Erklärung, die der Realität nicht standhält, insbesondere wo jeder, der nur minimales wissen über diese Communities hat, weiß, dass Teile der Nazi-Community ihre äußere Erscheinung umfrisiert haben, um sich genießbarer zu machen. Sie sind sogar gewillt, sich von der Nazi-Ideologie zu distanzieren, wenn es nötig erscheint, um mit so genannten „nationalen“ Gruppen zu kooperieren oder diese zu infiltrieren.
Auch wenn Breiviks Ansichten äußerst extrem sind, so ist es auch eine traurige Tatsache, dass norwegischer „Patriotismus“ und hasserfüllte Äußerungen über Muslims auch von „normalen“ Norwegern ausgespuckt werden, insbesondere wenn sie nach einigen Bierchen in „Partylaune“ sind. Wir sollten die Tatsache nicht beschönigen, dass es eine starke verdeckte Strömung von rassistischen und fremdenfeindlichen Haltungen gibt, die von den Medien und den Politikern der meisten Parteien systematisch erweitert und geistig unterstützt werden. Das ist die alltägliche Realität seit dem Beginn des „Krieges gegen den Terror“ 2001. Die netten Worte von „Inklusion“ und „Toleranz“ haben wenig Wert, wenn die Realität zeigt, dass besonders Flüchtlinge aber ebenso gut integrierte Immigranten von der Polizei und den Behörden mit Methoden der Kriminalisierung und der Schikane behandelt werden. Eine Anzahl von Immigranten erfährt diese „Toleranz“ in Form von gewaltsamer Abschiebung, in der Regel unter Verletzung der Menschenrechtsprinzipien der UN.
Die Haltung der norwegischen Gesellschaft basiert mehr auf dem, was die politische Führung und ihre Bürokratie praktiziert, denn auf dem, was sie in ihren Reden und Ansprachen sagt.
Das Massaker sollte zum Erwachen führen
Nicht-europäische Immigranten und Flüchtlinge in Norwegen können nun aufatmen. Am Nachmittag des 22. Juli, in den ersten Stunden nach der Explosion in der Nähe des Regierungssitzes, aber vor der Schießerei auf Utoya braute sich eine bedrohliche Atmosphäre zusammen. In den Redaktionen der Medien war bereits die Schlussfolgerung auf dem Tisch, jedoch noch nicht gedruckt, dass dies ein terroristischer Anschlag der extremen Islamisten war. Die Hetzer der Fortschrittspartei polierten ihre Medienstrategie, wie sie die Flüchtlinge und Muslime allgemein mit dem Schmiedehammer klein schlagen, und so umgekehrt ihre fallenden Umfragewerte erhöhen könnten. Hassbotschaften gegen Muslime blühten zu tausenden auf Twitter und Facebook am Nachmittag dieses verhängnisvollen Freitags. Wir hoffen, dass diese „Twitterer“ an ihren eigenen Lügen ersticken und sich vor Scham über sich selbst übergeben müssen.
Wenn man diese unvorstellbare Tragödie betrachtet, die jetzt stattgefunden hat, so ist es, trotz allem, besser, dass diese von einem christlichen, norwegischen Faschisten und Rassisten begangen wurde und nicht verrückte Dschihadisten schuldig waren. Dies könnte ein Weckruf für das Volk, ein Rückschlag für Vorurteile und alltäglichen Rassismus sein. Und vielleicht kann es zu einem Ausgangspunkt für politischen Druck werden, um diese faschistischen Gruppen und Gemeinschaften, die ihren kriminellen Rassismus als „nationale Ideologie“ tarnen, zu verbieten.
Wenn Rassismus und Nazismus nicht überall da, wo sie ihr hässliches Gesicht zeigen, zerschlagen werden, wird der Boden weiter für faschistische Tempelritter und Massenmörder vom Kaliber eines Behring Breivik fruchtbar sein.

Faschistisches Attentat in Norwegen: Nur ein verrückter Einzeltäter?

Ist noch nicht raus, wer es tatsächlich war, wird der Anschlag „Linken“ oder „Islamisten“ zugeschrieben. So geschah es in Norwegen auch. Als nur der Anschlag auf den Regierungssitz bekannt war, verbreiteten Medien vage Meldungen über Terror. Klar war, es muss eine radikale Organisation dahinter stecken.
Findet man dann heraus, wer es wirklich war, dann ist auf einmal keine Organisation mehr nötig und die Täter werden als Einzeltäter und als „psychisch gestört“ dargestellt. Weitere Sorgen muss und kann man sich nicht machen. Der „Kranke“ wird für einige Zeit weggesperrt. Verbindungen gibt es keine. Ja und verhindern kann man ja sowieso nie, dass es solche „Verrückte“ gibt. So soll die Öffentlichkeit beruhigt werden. Die Tatsachen sprechen jedoch eine andere Sprache. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) nennt für den Anschlag in Norwegen „Hinweise auf angebliche Finanzierungsquellen und Helfer in anderen europäischen Ländern“ (25.7.11, S.2). Die Stuttgarter Zeitung (26.7.11, S.2) titelt „Spur nach England“ und berichtet über Kontakte des faschistischen Mörders zur English Defense League (EDL), eine Organisation, die gegen Muslime hetzt und zum Krieg zur „Verteidigung des christlichen Europas“ aufruft. In Norwegen selbst war Breivik Mitglied der rechten, rassistischen Fortschritts-partei. Alle diese Verbindungen sind bis heute nicht untersucht. Trotzdem wird gebetsmühlenartig die These vom „Einzeltäter“ wiederholt. Es ist schon merkwürdig, dass das Ergebnis bereits zu Beginn der Untersuchung „bekannt“ ist und nicht am Ende der Untersuchung.