Musikgruppe „Safran“

Neues Leben: Wir haben zwei tolle Abende mit euch auf der Bühne verbracht und kennen euch mittlerweile schon recht gut. Aber könnt ihr euch noch einmal für unsere Leser vorstellen?

Sinan Tellioglu:
Ich heiße Sinan Tellioglu und bin 28 Jahre alt. Ich komme aus Wien und studiere auch dort gleichzeitig beim Prayner Konservatorium Jazz-Schlagzeug. Mit Safran arbeite ich seit knapp einem Jahr zusammen und bin auch sehr glücklich darüber.

Efe Turumtay: Mein Name ist Efe Turumtay, ich bin ebenfalls 28. Ich habe an der Istanbuler Musikhochschule Geige studiert und bin später nach Wien ausgewandert, um dort an der technischen Universität Informatik zu studieren. Und kurz darauf im Jahre 2005 habe ich auch schon Bekanntschaft mit Cetin geschlossen.

Cetin Varna:
Ich bin Cetin Varna. Ich wurde 1967 in Cukurova geboren. Im Gegensatz zu den anderen habe ich keine musikalische Ausbildung in diesem Sinne genießen können, bin aber seit meiner Jugendzeit mit der Musik beschäftigt. Da ich aber auch politisch aktiv war und auch heute noch bin, hatte ich immer wieder die Möglichkeit, während verschiedenen Aktionen und in Vereinslokalen Erfahrung auf der Bühne zu sammeln. Deshalb habe ich schon damals in vielen Musikgruppen mitgewirkt. Nachdem ich dann nach Wien ausgewandert bin, habe ich mich auch hier bei Massenorganisationen politisch engagiert. So ist auch teilweise unsere Gruppe zustande gekommen.

NL: Wir wissen, dass einige von euch schon fast seit zehn Jahren zusammen arbeiten. Aber erst kürzlich habt ihr mit dem Namen Safran euer erstes Album herausgebracht.

Cetin Varna: Mit der Zeit wurde es zu einem Muss, unsere Musik zu professionalisieren und somit haben wir unsere Band mit zwei weiteren Freunden erweitert und umbenannt. Im Anschluss haben wir dann vor ungefähr einem Jahr unser erstes Album herausgebracht. In der Türkei haben wir mit Fuat Saka zusammen gearbeitet. Er hat das Arrangement übernommen und wir denken, dass wir ein musikalisch qualitatives Album produziert haben. Nun arbeiten wir an unserem zweiten Album und haben schon viel gearbeitet, um einiges voran gekommen.

NL: Außerdem haben wir heute auch den Gitarristen und gleichzeitig Sänger von Nim Sofyan unter uns, der Safran tatkräftig auf der Bühne unterstützt hat.

Alp Bora: Mein Name ist Alp Bora und ich bin sozusagen der Ersatzgitarrist der Gruppe. 1979 wurde ich in Istanbul geboren. Mit Cetin kennen wir uns schon über zehn Jahre, da er eine Zeit lang mein „Schüler“ im Gitarrenunterricht war. Denn ich habe auch am Wiener Konservatorium Jazz-Gitarre studiert. Ich hatte eben erwähnt, dass ich der Ersatzgitarrist bin, weil ich eigentlich eine andere Band habe: und zwar Nim Sofyan. 2005 wurde uns der World Music Award zugesprochen. So haben wir auch in über 30 Ländern Konzerte gegeben.

NL: Beide Gruppen haben eigentlich eine wichtige Eigenschaft gemeinsam: mehrsprachige Musik. Mit euren Liedern erzählt ihr Geschichten verschiedener Völker und somit auch deren Geschichten. Wieso habt ihr euch dafür entschieden vielsprachig zu singen? Was ist die Absicht dabei?

Cetin Varna: Wir denken, dass Musik etwas Universelles in sich hat und eigentlich eine Lebensweise ist. Aber genauso ist es eine Art Archiv, in dem die Vergangenheit der Völker festgehalten wird. Meistens sind es Volkslieder in verschiedenen Sprachen aus dem Raum Türkei. Wir arrangieren diese komplett neu und durchmischen dabei anatolische Klänge mit westlichen.

Alp Bora: Wenn wir die Türkei selbst und damit auch den anatolischen Raum betrachten, können wir feststellen, dass viele Völker miteinander gelebt haben. Genau das ist ein riesiger Reichtum und das nicht zu schätzen ist ein großer Fehler.

NL: Speziell in der Türkei sind viele Sprachen bedroht, auszusterben. Arbeitet ihr auch daran, Lieder auf diesen Sprachen ausfindig zu machen?

Efe Turumtay: Das ist eines unserer Hauptanliegen. Da aber diese Sprachen und damit auch diese Lieder nicht archiviert sind, haben wir keine greifbaren Quellen. Wir versuchen durch persönliche Kontakte, in den verschiedensten Regionen der Türkei vor allem, an diese Lieder zu kommen. In unserem ersten Album haben wir zum Beispiel ein zazakisches Lied, das zuvor noch von keiner Band oder von keinem Künstler interpretiert wurde. Außerdem beinhaltet das Album auch kurdische, arabische, türkische und griechische Volkslieder. Übrigens, das einzige greifbare Archiv stellt in diesem Sinne „Kalan Müzik“ dar.

NL: Wie in vielen Bereichen der Kunst und aber auch des einfachen Alltags herrscht in der Musik-Branche die „popularistische Kultur“. Inwiefern wirkt sich das auf eure Musik aus?

Alp Bora: Natürlich haben wir auch damit verbunden einige Probleme. Unsere Musikrichtung fällt nicht unbedingt unter den Begriff der popularistischen Musik, wie wir sie vor allem aus dem Fernsehen kennen. Deshalb werden manchmal die einfachsten Sachen zu einer riesigen Hürde und man verliert dabei Unmengen an Zeit. Deshalb sitzt man meistens in einer bestimmten Umgebung fest, weil die Möglichkeiten sehr beschränkt sind.

Cetin Varna: Das selbe gilt natürlich auch für Safran. Genauso haben wir auch mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Aber ich muss sagen, die Branche bewegt sich allgemein in eine sehr positive Richtung. Es gibt immer mehr Zuhörer, die für Neues offen sind, die auch Musik bzw. Lieder hören, die sie überhaupt nicht verstehen.