FILM:Der große Ausverkauf (2007)

Was tragische Zugunglücke in England, stromlose Häuser in Soweto, ein Krieg um das Wasser in Cochabamba und eine schlechte Krankenversorgung in Manila wohl miteinander zu tun haben? Im ersten Moment könnte man sich denken, nicht viel. Genau diesen Zusammenhang der Privatisierung erklärt Florian Opitz´ Dokumentarfilm „Der große Ausverkauf“, beginnend mit dem einfachen Einblick in das Leben der betroffenen Menschen.

Als 2003 die WTO das GATS-Abkommen veröffentlichte, in dem allen Ländern vorgeschrieben wurde, ihre öffentlichen Dienste auch der Privatisierung zu öffnen, war die Mehrheit noch positiv darüber gestimmt. Medien und Politiker verkündeten einheitlich, dass durch die Privatisierung die öffentlichen Dienste effizienter, die Produkte billiger und innovativer werden. Doch dass es bereits damals Beispiele gab, bei denen die Privatisierung das Leben der Menschen verschlechterte, blieb den Medien verschwiegen. Wie aber die andere Seite der Medaille aussieht, zeigte Florian Opitz mit vier Geschichten auf vier Kontinenten.

Der erste Protagonist, ist der 32-jährige Bogani Lubisi aus Südafrika. Er startete mit dem „Soweto Electricity Crisis Committee“ die „Operation Licht“, um die Häuser in Soweto wieder ans Stromnetz zu schließen. Den Bewohnern der Stadt kappte der private Stromkonzern ESKOM die Leitungen, weil sie die horrenden Stromrechnungen nicht mehr bezahlen konnten. Als nächstes sieht man Minda Lorando (53) aus Manila am Wegrand auf einen Bus warten. Sie sieht müde und mager aus. Auch heute bricht sie auf, um Geld für die Dialyse ihres Sohnes Jinky (16) aufzutreiben, der an Nierenversagen leidet. Denn seit das philippinische Gesundheitssystem privatisiert wurde, werden ärmere Menschen nicht mehr kostenlos behandelt. Die dritte Geschichte porträtiert den britischen Lokführer und Gewerkschafter Simon Weller, der den schlechten Zustand des Britischen Bahnsystems nach der Privatisierungswelle schildert. Nachdem die staatliche British Rail an mehr als 150 Privatfirmen verkauft wurde, stiegen die Zahlen der tödlichen Unfälle, da das marode Streckennetz aufgrund der Kosten nicht ausgebessert wird. Als nächstes sind die Bürger Cochabambas, der drittgrößten Stadt Boliviens, zu sehen, die gegen den US- Wasserkonzern BECHTEL kämpfen. Denn der Staat privatisierte nicht nur, so dass die Trinkwasserpreise unbezahlbar hoch waren, sondern verabschiedete auch ein Gesetz, welches den Bürgern sogar das Entnehmen von Wasser aus Flüssen und Seen verbot. Selbst das Sammeln von Regenwasser war nicht gestattet. Im Gegensatz dazu konnte Opitz während den Dreharbeiten nur einen einzigen Mitarbeiter der Weltbank interviewen, da sonst keine weitere Personen von Institutionen, wie der IWF, WTO oder Weltbank sich zu einem Interview zur Verfügung stellten.

„Mir ist wichtig, zu zeigen, dass die Protagonisten keine passiven Opfer, sondern würdevolle und aktive Individuen, die in der Lage sind, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen und die privatisierte Realität, in der sie leben, zu verändern. Und wenn es nötig ist – Widerstand zu leisten. Der Film möchte die Öffentlichkeit aufrütteln und auf eine schleichende und gefährliche Entwicklung aufmerksam machen, die unser aller Leben betrifft“, sagt Florian Opitz über seinen Film. Tatsächlich ist dem Regisseur auch ein Film gelungen, der zum Nachdenken und Kritisieren anregt, vor allem was die wirtschaftlich-politischen Entwicklungen hierzulande angeht. Denn was in Bolivien, Südafrika, Philippinen und Großbritannien passiert, ist überall im Gange.