11 September hat die Welt verändert

Es gibt Tage oder Momente, an die man sich auch Jahre später erinnert. Wo man gerade war, was man gerade gemacht hat, was man dachte und fühlte. Ob das gute oder unangenehme Momente sind, spielt dabei meist keine große Rolle. Meistens sind das individuelle Augenblicke. Aber es gibt auch Momente, an die sich alle Menschen erinnern. Vielleicht war der Beginn des ersten oder zweiten Weltkrieges so ein Moment, vielleicht auch der erste Spaziergang eines Menschen auf dem Mond. Aber sicherlich war der 11. September 2001 eines dieser unvergesslichen Tage. Zuerst hieß es Krieg, später stellte sich heraus, dass Terroristen Flugzeuge entführt und als fliegende Bomben benutzt hatten.
Es bitter, vor allem für die USA, gebissen zu werden. Immerhin hatte man diese Schlangen doch selbst gezüchtet, groß gemacht und Jahre lang gefüttert, um sie als Reserven zu haben. Für neue oder alte Feinde, die den eigenen Anspruch auf Weltvorherrschaft bedrohen könnten? Was Positives hatte das schon: Jetzt konnten Pläne, die lange vor den Anschlägen angefertigt wurden, viel leichter durchgesetzt werden. Zunächst „tiefe“ Trauer um die Toten, kurz darauf Vergeltungsschläge gegen Afghanistan. Und wenn wir doch dabei sind, nehmen wir den Irak doch gleich mit.
Der 11. September hat die Welt verändert. Neue Feindbilder wurden erschaffen, die weitere Jahrzehnte den Kopf hinhalten sollen, bis sie einem neuen Feind oder einer neuen Macht den Weg frei machen. Und die Vormachtstellung der USA in der Welt ist geschwächt. Die eine Krise gerade einmal „durchgehalten“, steht die nächste vor der Tür. Und es wundert niemanden, um nicht zu sagen, es begrüssen alle in den USA, wenn es jetzt heisst, dass man eine halbe Billion Dollar der Militärausgaben kürzen werde. Auf der anderen Seite treten neue alte Mächte wieder selbstbewusster auf und wollen mit allen Mitteln zeigen, dass sie nicht mehr in der zweiten Reihe stehen wollen. Weitere Konflikte und weitere unvergessliche Momente werden sicherlich noch kommen. Was aber mit jedem Tag immer mehr in Frage gestellt wird, ist: Wo bleibt der Weltfrieden, den die westlichen Großmächte und ihre Verbündeten nach dem Zusammenfall des Ostblocks verkündet hatten? Die Militärausgaben haben sich weltweit vervielfacht. Die Zahl der Kriege in den verschieden Regionen der Welt haben zugenommen. Armut und Elend verbreitet sich noch erbarmungsloser. Das Ausmaß der Umweltzerstörung für mehr Profite der Konzerne ist erschreckend. Kurz gesagt, der Kapitalismus ist wohl doch nicht das Ende der Weltgeschichte. Frieden können nur diejenigen bringen, die aus schlechten Erinnerungen und Fehlern lernen und für das Wohl der Menschheit Schlussfolgerungen ziehen. Und dazu hat der 11. September auf jeden Fall beigetragen, es ist nur noch eine Frage der Zeit, Konsequenzen mit dem System zu ziehen.