20000 rufen in Köln: „Übernahme“ – „Unbefristet!“

Am 1. Oktober haben mehr als 20.000 junge Menschen ganz Köln zum Beben gebracht. Die Jugendlichen haben für bessere berufliche Perspektiven und für die unbefristete Übernahme nach der Ausbildung demonstriert. Der Aktionstag der IG-Metall Jugend war vorläufiger Höhepunkt der Kampagne „Operation Übernahme“ und Auftakt für die anstehende Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie. Mit drei Sternenmärschen wurde zum Neumarkt und von dort aus wurde mit allen gemeinsam zur Lanxes Arena demonstriert, wo eine große Party stattfand. Wir haben verschiedene Demonstranten nach dem Grund ihres Protestes gefragt.

Ich heiße Katja, bin 19 Jahre alt und mache eine Ausbildung als Industriekauffrau. Ich bin heute hier, um für meine Zukunft zu kämpfen. Nach drei Jahren möchte ich nicht arbeitslos sein. Wenn ich drei Jahre lang in einem Beruf ausgebildet werde, viel Kraft und Energie da rein investiere, dann möchte ich auch den erlernten Beruf ausüben und nicht nichts oder was anderes.

Ich heiße Ulrich Renner, komme aus Dortmund, arbeite bei Thyssen Krupp und bin 56 Jahre alt. Gleichzeitig bin ich bei der IG-Metall Vertrauenskörperleitung. Ich finde es absolut wichtig, dass Auszubildende nach der Lehre unbefristet übernommen werden. Schließlich braucht die Jugend eine sichere Perspektive und eine sichere Zukunft.

Ich heiße Robert, bin im zweiten Lehrjahr meiner Ausbildung. Jede Lehre hat irgendwann sein Ende. Deswegen bin ich heute hier, weil ich das für eine super tolle Aktion halte. Ich gehöre zu den Leuten, die sich gegen Ende ihrer Lehre Gedanken machen, was nach dem Abschluss passieren wird. Es sollte gesetzlich feststehen, dass alle jungen Menschen nach ihrer Ausbildung in ihren Betrieben übernommen werden.

Mein Name ist Judith und ich bin 22 Jahre alt. Eigentlich weiß ich, dass unser Betrieb mich übernehmen wird. Ich werde Ende Januar oder Anfang Februar meine Lehre abschließen und man hat mir das schon im Vorfeld gesagt. Natürlich kann ich mich glücklich schätzen. Aber ich gehöre zu der Minderheit. Mein Bruder ist seit seinem Abschluss arbeitslos. Ich bin heute hier, weil ich meine jungen Mitmenschen bei dieser Aktion unterstützen möchte.

Mein Name ist Elmar Koch, bin 47 Jahre alt, komme aus Nordrhein Westfalen. Ich bin Betriebsleiter bei der Firma Westerflex in Gütersloh. Ich bin hier, weil ich der Meinung bin, dass wir uns um unsere Jugendlichen kümmern müssen. Ansonsten haben wir ohne die Jugend ganz schlechte Karten in Deutschland. Auf der einen Seite wird über den Mangel der Facharbeiter beklagt, auf der anderen Seite wird nicht ausgebildet. Wenn dann aber ausgebildet wird, dann werden diese für kurze Zeit oder gar nicht übernommen. Und das kann nicht sein.

Ich heiße Sabine. Eigentlich wusste ich gar nichts von der Aktion, obwohl ich selber eine Azubi bin. Ehrlich gesagt, würde ich gar nicht auf die Idee kommen, an solch einer Aktion teilzunehmen. Meine Freunde haben mich teilweise gezwungen. Aber ich find es cool hier zu sein. Tausende von Jugendlichen haben sich hier für ihre Zukunft gesammelt. Ich hoffe, dass in der nächsten Zeit häufiger solche Aktionen stattfinden.

Ich bin die Nada Aydin aus Hanau, bin 20 Jahre alt und mache nächstes Jahr mein Abitur. Ich bin das erste Mal bei einer so großen Demo dabei und finde es sehr wichtig, dass junge Menschen sich für ihre Zukunft einsetzten. Denn uns ist es nicht egal, was man mit uns macht. Es kann nicht sein, dass einige Reiche Deutschland kaputt machen und uns dazu zwingen, dafür gerade zu stehen. Wir wollen heute mit dieser Demo denjenigen einen Strich durch die Rechnung ziehen. Denn jeder hat das Recht, auf einen Ausbildungs- sowie Studienplatz.

Mein Name ist Andreas Dörfler, ich komme aus Germersheim und arbeite als Maschinenschlosser. Ich bin heute für die Jugend hier. Denn ich habe auch zwei Kinder, um deren Zukunft ich mir unter diesen Umständen schon Sorgen machen muss, weil ich nicht weiß, ob sie je einen Ausbildungsplatz bekommen werden. Außerdem fordere ich ein einheitliches Schulsystem, wo man auch vernünftige Bildung genießen kann und wo vor allem nicht nur die reichen Schüler gefördert werden, sondern genauso auch Arbeiterkinder.

Ich heiße Charlotte Specht, komme aus Kassel und mache zurzeit eine Ausbildung als Fahrzeuglackiererin im dritten Lehrjahr. Ich bin der Meinung, dass junge Leute ein Recht auf einen Ausbildungsplatz haben und danach auch übernommen werden müssen. Deshalb bin ich heute auch hier. Außerdem möchte ich nicht arbeiten bis ich knapp 70 Jahre alt bin.

Mein Name ist Thorben Müller, ich bin 28 Jahre alt und komme aus der Verwaltungsstelle Wesermarsch der IG-Metall Jugend. Ich habe früher bei Airbus gelernt und studiere mittlerweile Maschinenbau und Raumfahrtechnik. Ich bin jetzt nun seit sieben Jahren bei der IG-Metall Jugend. Wir sind heute hier, weil es wichtig ist, dass die Politik sieht, dass junge Menschen sich engagieren. Denn meistens bekommen wir nicht das, was uns zusteht. In den letzten Jahren wurde drastisch in der Bildung gekürzt, das muss sich auf jeden Fall ändern. Jugendliche müssen eine Zukunft haben können und das geht nur mit einer vernünftigen Bildung. Natürlich war es sehr anstrengend, die Mobilisierung so breitgefächert hinzubekommen. Viele wussten nicht, was die „Operation Übernahme“ überhaupt bedeutet. Aber es hat auf jeden Fall immer Spaß gemacht, mit Jugendlichen zu arbeiten und wie wir es heute an der Teilnehmerzahl sehen können, hat es sich gelohnt.

Mein Name ist Yerodin, ich komme aus Oldenburg und bin Student. Ich bin auch Mitglied der IG-Metall. Ich bin heute hier, weil ich genauso, wie alle anderen, Angst um meine Zukunft habe. Keiner weiß, ob er nach der Ausbildung oder nach dem Studium einen Arbeitsplatz finden wird und dagegen möchte ich kämpfen. Deshalb fordern wir auch, eine unbefristete  Übernahmegarantie nach jeder Ausbildung und einen gerechten Lohn im Gegensatz zu heute, wo jeder für einen Hungerlohn über eine Leiharbeitsfirma arbeiten muss.