Lemon Tree (2008)

Schon seit Jahrzehnten befindet sich der Zitronenhain im Besitz der Familie Zidane im Westjordanland. Nach dem Tod ihres Mannes ist dieser die einzige Einkommensquelle für Salma (Hiam Abbas) – ein bescheidenes dazu. Als eines Tages der israelische Verteidigungsminister (Doron Tavory) und seine Frau Mira (Rona Lipaz-Michael) in der Nachbarschaft ihr neues Domizil aufbauen wollen, gibt es jedoch ein Problem: Dem israelischen Geheimdienst Mossad sind die Zitronenbäume ein Dorn im Auge. Denn diese können schließlich ein geeignetes Versteck bei einem terroristischen Anschlag auf den Minister bieten und so das Leben des Politikers und seiner Frau bedrohen. Salma aber lässt sich mit der angebotenen Entschädigungszahlung nicht überreden und beharrt darauf, ihren Hain zu behalten, den ihr Vater vor 50 Jahren anlegte. Als allerdings die Gefahr, dass ihr der Garten weggenommen wird, immer größer wird, nimmt sie sich den Anwalt Ziad Daud (Ali Suliman) zur Seite und zieht vor Gericht. Währenddessen beginnt man schon die Plantage zu umzäunen, sodass Salma schließlich ihren Garten nicht mehr betreten kann. Diese Ereignisse beobachtet die Frau des Ministers von ihrem Haus aus mit und entwickelt mit der Zeit Sympathie für Salma und ihren Kampf um den Zitronenhain. Doch Gerechtigkeit ist nicht gegeben, denn alleine erweist sich ihr Kampf gegen den israelischen Sicherheitsdienst als nicht ausreichend und Salma kann nur verlieren.
Schon in seinem Film „Die syrische Braut“ setzte sich Regisseur Eran Riklis auf seine persönliche und erstaunlich private Weise mit dem Nahost-Konflikt und dessen Folgen für den „normalen Bürger“ auseinander. Waren es im ersteren die Golanhöhen, so ist jetzt die Geschichte des Zitronenhains im Westjordanland angesiedelt. Vor allem interessiert sich Riklis in seinen Erzählungen für die Folgen des Konflikts auf die Frauen. Denn in seinen Augen sind sie diejenigen Personen, von denen die Hoffnung auf eine Aussöhnung ausgehen kann, die eigentlich zum Greifen nahe ist. Scheinbar lebt die Frau des Ministers in ihrer Villa in einer völlig anderen Welt, doch auch sie muss sich den Wünschen ihres Mannes und der Sicherheitskräfte fügen. Beide Frauen finden in der Groteskheit des militärischen Geschehens ihre Wege des Protestes und der stillen Annäherung und zeigen als einzige Personen in den verfeindeten Welten  den Mut, sich gegen vorgestanzte Handlungsmuster aufzulehnen.
Von Anfang bis hin zum Ende verläuft der Film sehr spannend, da sich immer wieder Kontaktmöglichkeiten in streng bewachten Gebieten ergeben. Auch wenn der Film politisch viele Lücken und Mängel aufweist, stellt er die Absurdität des Konfliktes und deren Auswirkungen auf das tägliche Leben gut dar. Dabei wechseln hoffnungsvolle Fiktionen und verzweifelter Realismus einander ab. Immer wieder droht dem mutigen Kampf gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung die Erdrückung durch die Realität.