Von Erdogans Soldaten und importiertem Faschismus

Erbil Demir

In den vergangenen Wochen fanden in mehreren Städten, darunter in Berlin, Dortmund, Mannheim, Essen, Hamburg und auch in Stuttgart mehrere Demonstrationen statt. Die Veranstaltung in Stuttgart bildete den emotionalen Höhepunkt. Lediglich ein kleiner Teil der Demonstranten war gekommen, um gegen Spaltung und Rassismus zu marschieren, jedoch waren deren Rufe nach Brüderlichkeit und Zusammenhalt gegen den Imperialismus zum Verstummen verurteilt.

Auffällig war, dass das aggressive Verhalten und die provokativen Parolen der Menschen in Stuttgart sehr an die Ausschnitte aus den türkischen Medien erinnerte, diese sogar übertraf. Schamlose Parolen, die auf die Mütter der Kurden abzielten, wurden von jungen Türken im Chor gesungen. Von Rücksicht gegenüber den Mitdemonstrierenden und zuschauenden Müttern keine Spur!

Dass es jede Menge Handgemenge und Schlägereien gab, war kein Zufall, denn der türkische Staatspräsident hatte erst kürzlich „Rache“ angekündigt. Die türkischen Medien zeigen Kriegsbilder, Schießereien und Schlägereien, dann Väter und Mütter, die lauthals bei der Beerdigung ihrer Söhne schreien, dass sie bereit sind, auch den jüngeren Sohn und sich selbst für den Staat zu opfern.

Demonstrationen für Frieden und für die Anerkennung der Kurden und deren Sprache sind in den Medien nicht zu sehen. Nur einige wenige Medien gehen an die Grenzen ihrer Pressefreiheit und schaffen es, die Wahrheit zu berichten. Kurz gesagt: Sie riskieren ihre Existenz.

Die Wahrheit sieht anders aus, denn viele verurteilen den Staatsterror und fordern eine friedliche Lösung und ein Ende der Bombardierungen der kurdischen Dörfer. Doch von der Solidarität der kurdischen und türkischen Menschen in der Türkei ist in den Medien nichts zu sehen. Warum auch? Die Menschen würden auf die Idee kommen, die Gemeinsamkeiten, die sie als Menschen in diesem System haben, hervorzuheben und könnten somit eine Gefahr für das vorherrschende System und dessen Herrschende darstellen. Eine weitere Wahrheit ist leider auch, dass die Regierende rechts-konservative AKP den Krieg auch einerseits braucht, um wichtige Wählerkreise nicht zu verlieren. Der Widerstand der Kurden gegen die Unterdrückung wird als Gefahr für die Nation dargestellt und die Kriegsführung als einziger Weg in den Medien bejubelt.

In Stuttgart wurden Antifaschisten und Kurden von der wütenden Stuttgarter Polizei und den Rufen aus dem „Anti-Terror“ Block provoziert und dann größtenteils eingekesselt und festgenommen. Erdogan und Gül haben somit ihr Ziel erreicht und Hass unter den Menschen geschürt. Auf die „deutschen“ Beobachter der Demo machte dieses Szenario sicherlich den Eindruck, als wären „Die“ sowieso generell aggressiv und gewaltbereit. Viele türkische und kurdische Beobachter kannten dieses Theaterstück vom Regisseur Erdogan bereits und reservierten sich deswegen Sitzplätze in den hinteren Reihen des Schlossplatzes, während Merkels Tontechniker in Grün Ehrenplätze in der ersten Reihe bekamen.

Die kurdischen und türkischen Jugendlichen, die erst kürzlich gemeinsam am Jugendaktionstag der IG-Metall teilnahmen und bessere Arbeitsbedingungen und eine unbefristete Übernahme forderten, laufen Gefahr, sich für die Interessen von Erdogan instrumentalisieren zu lassen. Um diese Gefahr abzuwenden, ist es wichtig, dass jetzt erst recht gemeinsam und lautstark mit Forderungen nach dem Ende des Bruderkrieges sowie Verbot der Leiharbeit und die Übernahme nach der Ausbildung auf die Straße gegangen wird. Der Bildungsstreik am 17. November könnte somit eine große Chance für alle in Deutschland lebenden Jugendlichen bieten, um nochmals gemeinsam gegen die Sparprogramme im Bildungssystem vorzugehen. Die Erfolge der vergangenen Bildungsproteste sind klar zu sehen und gerade deswegen dürfen wir uns jetzt nicht spalten lassen!! (Neues Leben)

In Berlin organisierten DIDF-Jugend- und SDAJ-Mitglieder zusammen eine Flugblattverteil

In Berlin organisierten DIDF-Jugend- und SDAJ-Mitglieder zusammen eine Flugblattverteil-Aktion gegen die kurdenfeindliche Stimmungsmache in Deutschland und für eine friedlich-demokratische Lösung des Kurdenproblems in der Türkei. Über 20 Jugendliche verteilten am Cottbusser Tor Flugblätter der DIDF Jugend „Der einzige Weg: Frieden“. Am Cottbusser Tor hatte am Wochenende zuvor eine kurdenfeindliche Demonstration stattgefunden, nach der es zu Übergriffen auf kurdische Geschäfte und Personen kam. Die Jugendlichen riefen während der Verteil-Aktion „Frieden jetzt sofort“, „Es lebe die Freundschaft und Solidarität der Völker“, „ Gewalt und Krieg ist keine Lösung“, „ Die einzige Lösung ist Frieden und Demokratie“. Über 2000 Flugblätter wurden innerhalb einer Stunde verteilt und bekamen von den Menschen einen großen Zuspruch. Kurz nach der Aktion meldete sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Berlin bei der DIDF-Jugend und begrüßte die Aktion und erklärten ihre Solidarität. (NL)