„Mach meinen Kumpel nicht an“ – 25 Jahre „Gelbe Hand“ zum Ziel führen!“

Gemeinsam mit der Gladbecker Jugendgruppe der IG Bau wurde im Dortmunder Norden in einer Aktion die erste Plakatwand gemietet und bemalt.  „Gelbe Hände an die Wände“ war ab da an unser Motto.

 

Holger Vermeer*

„SOS-Rassismus“ hieß die Initiative, die von der Gewerkschaftsjugend `ran 1986 aus Frankreich nach Deutschland geholt wurde. Unsere spanische Kollegin der IG Bau-Jugend Dortmund, gehörte zu eines der ersten Gesichter, die die Aktion verkörperte. Gemeinsam mit der Gladbecker Jugendgruppe der IG Bau wurde im Dortmunder Norden in einer Aktion die erste Plakatwand gemietet und bemalt.  „Gelbe Hände an die Wände“ war ab da an unser Motto. Das Motto „Mach meinen Kumpel nicht an“, nahmen wir sehr ernst und war der Gegenpart zum damaligen Zeitgeist.
Kümmeltürke, Knoblauchfres-ser, Kanake, Polacke, Spaghettifresser oder Itaker waren die gängigen Beschimpfungen. Man sprach von Gastarbeitern (die ja nur für kurze Zeit hier bleiben sollten) und von Ausländern (obschon sie im Inland lebten). Die Aktion „Gelbe Hand – gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus“ war überfällig. Später hatte sie auch den Untertitel „gegen Fremdenfeindlichkeit, Hass und Gewalt“ und später auch  „Für Toleranz und Gleichberechtigung“. Auch hier sieht man den Diskussionsprozess selbst innerhalb der Gewerkschaftsjugend.
Die abwehrende Hand wurde populär. Günter Wallraff beschrieb im Undercoverbuch „Ganz unten“ die menschenverachtende Ausbeutung des „Gastarbeiters Ali“. Götz George (alias Horst Schymanski) trug im Fernseh-Tatort die Gelbe Hand, andere Promis und Organisationen stellten sich hinter die Kampagne.
Dann kam der Mauerfall. Aus dem Ruf der DDR-Demonstranten „Wir sind das Volk“, wurde schnell  „Wir sind ein Volk“ nebst „schwarz-rot-goldenem Fahnenmeer“ (was 1989/90 noch sehr gemischte Gefühle hervorbrachte). Diesem Nationalgefühl folgten rasant 1992 vom Mob angezündete brennende Asylbewerberheime in Hoyerswerda, Rostock und vielen anderen Städten der ehemaligen DDR, aber auch feige nächtliche Brandanschläge in der alten Bundesrepublik (u.a. Mölln und Solingen) mit vielen Toten. Überfälle wurden zur Tagesordnung und in den Nachrichten fast so regelmäßig genannt, wie die Wettervorhersage. Die Asylgesetzgebung wurde (zum Nachteil der Flüchtlinge) geändert. Die Zeiten änderten sich. Auch um die „Gelbe Hand“ wurde es nach den Neunziger Jahren ruhiger.
Ein einschneidendes Erlebnis war sicher der 11. September 2001; die Terroranschläge in New York und Washington. Danach war nichts mehr wie vorher. Die Angst vor dem Islam (eigentlich vor den Islamisten) breitete sich aus. Alle waren geschockt, viele verunsichert. Die Probleme der hier lebenden Menschen aus verschiedenen Ländern sind aber geblieben. Rechtsextreme verbreiteten weiter ihre Hetzpropaganda. Latente Fremdenfeindlichkeit bzw.  Fremdenangst hat hier sicher eher zugenommen.
Das NPD-Verbot ist überfällig und das nicht erst seit dem Entsetzen nach dem Aufdecken der kaltblütigen „NSU-Morde“. Von 1990 bis heute sind 137 Menschen rechter Gewalt zum Opfer gefallen. Die NDP ist ein wichtiger Bestandteil des rechten Geflechts, deren Strukturen und Finanzen zu stören wäre eine der zentralen Aufgaben eines NPD-Verbotes.
Sich für Toleranz und Gleichberechtigung einzusetzen ist wichtiger als je zuvor. Bis heute haben wir kein Wahlrecht der in Deutschland lebenden Menschen, insofern sie keine EU-Bürger sind. Die Forderung nach dem kommunalen Wahlrecht dürfte nun auch schon ein Vierteljahrhundert alt sein. Unsere Zielsetzung muss aber ein generelles Wahlrecht  für die sein, die hier leben, Steuern zahlen und oftmals schon hier geboren sind. Sie leben schließlich auch in NRW, in Deutschland und in Europa. Also frei nach Willy Brandt; „Mehr Demokratie wagen!“
Unsere Initiative hat heute, vor allem Dank ihres Vorsitzenden Giovanni Pollice (IG BCE), einen großen Zulauf an Fördermitgliedern, u.a. die Gewerkschaften unterstützen verstärkt den „Kumpel-Verein“. Einem Geburtstagskind wünscht man (wenn es schon älter ist) noch einmal so viele Jahre. Diesem Wunsch schließe ich mich an; auf weitere  25 erfolgreiche Jahre – für die gemeinsame gerechte Sache!!!
*Gewerkschaftssekretär IG BAU-Rheinland und Vorstand „Kumpelverein“, www.gelbehand.de