Ein „Haus für Alle“ in Hamburg

„Ein großes Dankeschön an alle, die diesen Verein mit uns renoviert und so gemacht haben, wie er ist. Große Räumlichkeiten sind natürlich eine Möglichkeit, die Arbeit gut durchzuführen, aber ohne eure aktive Mitarbeit, ohne die Zusammenarbeit aller, bedeutet sie nichts. Hier werden wir zeigen, dass wir keine Vorurteile gegeneinander haben und mit Menschen mit und ohne Migrationshintergrund zusammenarbeiten.“, so begann der Vereinsvorsitzende Sinan Özbolat die Eröffnung des neuen Vereinshauses in Hamburg, bei der über 300 Gäste empfangen wurden. Unter den Gästen befanden sich verschiedene Politiker, Gewerkschafter und Autoren. Uwe Grund, DGB Hamburg Vorsitzender, Kersten Artus, Abgeordnete des Landtages Hamburg, Hüseyin Avgan, Vorsitzender von DIDF, Wolfgang Rose, Landesbezirksleiter Ver.di Hamburg, Kazim Abaci(SPD), Mehmet Yildiz(Die Linke), Filiz Demirel(Die Grünen), Bayram Inan(Die Grünen), Yusuf Uzundag(Die Grünen), Herbert Schulz(Die Linke), Anwältin Sigrit Töpffe und Sehriban Karakis- Yildiz für den Bund der Migrantinnen in Deutschland e.V., hielten ihre Grußworte auf der Eröffnungsfeier.
Die Redner betonten, dass sie auch künftig gemeinsam mit der DIDF- Hamburg zusammen arbeiten werden und dass die Morde der rechten Terroristen verurteilt, verfolgt und aufgedeckt werden müssen.
„Diese Morde sind ein Blutbad, ein Massaker der Menschlichkeit und keine Dönermorde, der Kampf gegen diese rassistischen Morde ist zu schwach“ sagte Uwe Grund in seiner Rede. In seinen weiteren Worten wünschte er der DIDF, die bei jedem Kampf der Gewerkschaften neben ihnen standen, viel Erfolg für ihre weitere Arbeit.
Nachdem DIDF Vorsitzender Hüseyin Avgan dem Vereinsvorstand zur Eröffnung gratulierte, forderte er alle auf gemeinsam gegen Rassismus zu kämpfen. „Auch wenn die Mörder des Naziterrors ermittelt wurden, sind die Unterstützer und staatlichen Helfer unbekannt. Die Migrationspolitik, die zur Spaltung der Bevölkerung führt und somit den Nährboden für diese Taten legt, muss verurteilt werden.“, sagte Avgan. Es sei klar, dass ein NPD Verbot den Rassismus nicht aufheben werde, aber zumindest wäre es eine klare Botschaft gegen Rassismus. (HAMBURG)

 

Meinungen der Teilnehmer:
Kadriye Baksi (Autorin):
Ich kenne die DIDF bereits seit 30 Jahren, arbeite jedoch seit einigen Jahren enger mit ihr zusammen. Dieses Gebäude hieß früher „Haus für alle“ und war für Menschen aller Nationalitäten offen. Dass dieses Gebäude heute von der DIDF genutzt wird, die seit 32 Jahren gegen Rassismus und für ein friedliches Zusammenleben aller Menschen, egal welcher Herkunft steht, erfreut mich sehr. Dieses Haus passt sehr gut zur DIDF, ich wünsche viel Erfolg für die Zukunft.

Tonguc Baykurt (Autor, Drehbuchautor):
Teils werde ich von der DIDF zu Lesungen eingeladen und teils nehme ich selbst an DIDF Veranstaltungen teil. Ich bin heute mit einem Freund vom Hamburger Jugend Film Verein hergekommen. Ich freue mich in Zukunft hier Filmprojekte durchführen zu können. Wie bereits der Vereinsvorsitzende sagte, wenn wir diese Räumlichkeiten füllen, dann können wir es schaffen. Ich bedanke mich bei jedem, der beim Aufbau beteiligt war.

 

Aus dem Grußwort vom Landesbezirksleiter ver.di Hamburg, Wolfgang Rose:

(…) Leider gibt es seit wenigen Wochen ein Ereignis, das es uns allen unmöglich macht, heute ein unbeschwertes Fest der Integ-ration und des guten Miteinanders zu feiern, nämlich die jahrelang andauernde An-schlagsserie von jungen Nazis und ihre Morde an türkischen, an griechischen und an deutschen Mitbürgern. Das empört uns, das macht uns tieftraurig. Und das muss Konsequenzen haben. Es ist einfach unfassbar und kaum zu glauben, dass ein hoch-gerüsteter Verfassungsschutz- und Polizei-apparat elf Jahre lang nicht in der Lage oder nicht willens war, ein rechtsterroristisches Netzwerk stillzulegen.
Auch hier in Hamburg ist ein Opfer der Nazi-Killer zu beklagen. Zehn Jahre wurde ermittelt, aber ganz offensichtlich nicht in die richtige Richtung. Zehn Jahre lang lebte die Familie, lebten die Freunde und Nachbarn mit der Ungewissheit, mit der Verzweiflung, mit der Angst.(…)Ich verneige mich vor den Op-fern dieser schändlichen Taten, ich fühle mit ihren Angehörigen und Freunden, und ich nehme diese Taten zum Anlass, noch enga-gierter die Neonazis und ihre Ausländer-feindlichkeit zu bekämpfen, in diesem Land und in dieser Stadt(…)
Deutschland wäre ohne die vielen ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger ärmer, nicht nur wegen dem „Italiener an der Ecke“ oder dem Gemüseladen in der Straße, sondern weil die Menschen und die mitgebrachten Kulturelemente die deutsche Kultur ergänzt und bereichert haben. Gerade in den Betrieben ist eine sehr hohe Integrations-leistung vollbracht worden, denn dort wurden durch das Betriebsverfassungsgesetz schon frühzeitig die Rechte der ausländischen Beschäftigten deutlich gestärkt. (…)
Meine Gewerkschaft, ver.di, hat gerade auf ihrem Bundeskongress eine Menge sehr klarer Forderungen formuliert, die auch die Lage der Einwanderer und hier lebenden Ausländer verbessern sollen.