Armut macht krank – Jugendliche besonders betroffen

Nach aktuellen Studien sinken die Lebenserwartungen in den reicheren Ländern. Geringverdiener und  Jugendliche sind am stärksten betroffen. Dabei steigen auch de Risikofaktoren für tödliche Herzerkrankungen – hauptsächlich bei Jugendlichen.
Jahrelang herrschte ununterbrochen der Trend, dass die Menschen in den reichen Ländern immer älter wurden. Im letzten Jahrhundert stieg die Lebenserwartung durchschnittlich um 30 Jahre. Seit 1950 ist die durchschnittliche Lebenserwartung, von 46 Jahren auf 69  Jahre gestiegen. In einigen  Industrieländern ist sie sogar seit 170 Jahren kontinuierlich um 4,5 Jahre pro Jahrzehnt gestiegen.
Doch diese Kontinuität scheint sich langsam nicht mehr fortzusetzen. In einer US-Studie wurde festgestellt, dass die Lebenserwartung im internationalen Vergleich sinkt. Was in den USA mit einer mangelnden Gesundheitsversorgung für die Ärmeren und der sich vergrößernden Kluft zwischen Arm und Reich erklärt wird, ist in grossen Teilen der Welt nicht anders.

Herzerkrankungsrisiko bei Jugendlichen
Auch bei jüngeren Menschen sinkt nicht nur die Lebenserwartung, sondern die Anzahl der Herzerkrankungen  steigt stetig. Die  Forschungen von Medizinern der Northwestern University bestätigen diese Tendenz. Demnach werden die jungen Menschen von heute früher als die Erwachsenen von heute an Herzerkrankungen sterben, wenn sie älter werden. Krankheiten, die bei 40 bis 50 Jährigen vermehrt auftauchen, entwickeln sich mittlerweile bei jüngeren Menschen. Deswegen würden die Risikofaktoren, die sich bei vielen Jugendlichen fanden, besorgniserregende Indizien darstellen. Eine Analyse der Gesundheitsprofile von 5.500 Kindern und Jugendlichen im Alter von 12-19 Jahren ergab, dass sich viele schlecht ernähren, zu hohe Blutzuckerwerte haben und übergewichtig sind. Die Wissenschaftler erklären diese Veränderung mit der veränderten Lebensart und -weise, die zu einem erhöhten und früherem Erkrankungsrisiko führen kann. Die Ursachen dafür sehen die Forscher an Faktoren wie mangelhafte Ernährung und wenig Bewegung etc.

Gesundheitliche Ungleichheit
Auch in Deutschland bestätigten zahlreiche Studien, dass die gesundheitliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen mit der sozialen Herkunft zusammenhängt. So weisen Kinder und Jugendliche aus sozial-benachteiligten Familien einen zwei Mal schlechteren Gesundheitszustand auf, als diejenigen aus wohlhabenden Familien. Bei den Kindern aus sozial benachteiligten Familien werden mehr Entwicklungsdefizite und Gesundheitsstörungen festgestellt, die langfristigen Behandlungsbedarf brauchen. Weiterhin sind diese häufiger von psychischen und verhaltensauffälligen Symptomen, sowie Übergewicht betroffen. Schwierige soziale und wirtschaftliche Lebensumstände und wenige finanzielle Möglichkeiten haben einen Einfluss auf die Gesundheit. Die nicht immer vorhandenen Möglichkeiten zur Nutzung der präventiven Massnahmen zur Bekämpfung der Gesundheitsstörungen, weil das nötige „Kleingeld“ fehlt, machen sich vor allem bei Kindern und Jugendlichen bemerkbar.