Über 1 Milliarde Menschen ohne Arbeit oder arm

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) teilte in ihrem kürzlich veröffentlichten Bericht mit: 45 Millionen Menschen in der EU, den USA, Japan und den anderen am weitesten entwickelten Volkswirtschaften hatten 2010 keinen Job – offiziell! Zum Vergleich: 2007 waren es 29,1 Millionen. 197 Millionen Menschen waren weltweit arbeitslos, davon 75 Millionen unter 24 Jahren. Somit waren 12,7 % dieser Altersgruppe nicht in der Lage, selber für das eigene Überleben zu sorgen. Die weltweite Arbeitslosenquote stagnierte damit bei 6,0 Prozent – trotz des vergleichsweise hohen Wirtschaftswachstums von 5,1 Prozent im Jahr 2010 und 4 Prozent 2011.

Im gleichen Bericht heißt es weiter: Weltweit können 900 Millionen Menschen mit einem täglichen Verdienst von maximal 2 US-Dollar von ihrem Job nicht leben! „Jeder dritte Arbeitnehmer auf der Welt ist arbeitslos oder lebt trotz Arbeit in Armut“, erklärte ILO-Generaldirektor Juan Somavia. Für kommende Jahre werden 400 Millionen neue Zugänge erwartet.

Auch kommentiert der ILO-Bericht die konkrete Situation in der Eurozone und in Deutschland: Die schwache Entwicklung von Löhnen und Gehältern in Deutschland in den letzten 20 Jahren führe zu einer höheren Wettbewerbsfähigkeit deutscher Exporteure. Die günstigeren deutschen Exporte setzten andere europäische Staaten unter Druck, während diese ihrerseits wegen der schwachen Nachfrage wenig nach Deutschland exportieren konnten und deswegen in noch tiefere Krisen fallen.

Das alles sind Fakten, die eine Organisation heraus gibt, die ein Teil dieses Systems ist und eine Frage drängt sich förmlich auf: „Kann der Kapitalismus den Menschen noch tragen?“

Noch dringender wird die Frage, wenn man sich die Situation der Welt näher vor die Augen rückt: Aktuelle und drohende Kriege gegen den Iran und Syrien, Umweltzerstörung und Atomkatastrophen, gesellschaftliche Konflikte, die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich usw sind Probleme, die dringend gelöst werden müssen. Doch kann man nicht davon ausgehen, dass die Herrschenden und Regierenden diese Probleme selbst an der Wurzel anpacken werden, denn dann müssten sie sich selber zum Teufel jagen.

Die ILO-Zahlen sind beschönigt und werten lediglich offizielle Daten aus, die von den jeweiligen Staaten herausgegeben werden. Aber trotzdem zeigen sie, dass diese Gesellschaftsordnung am Ende ist. Jegliche klägliche Versuche, den Kapitalismus zu zähmen, werden sich im Sande verlaufen. Das System muss komplett umgewälzt werden, nämlich von denen, die nichts zu verlieren haben, außer ihre Existenzlosigkeit.