Es gibt für alles eine App. Auch für Datenschutz?

Bahar Güngör

 

Stiftung Warentest lieferte in seiner knapp 50-jährigen Geschichte einige aufsehenerregende Urteile. Asbest in Bausubstanzen, unsichere Kinderwägen oder baufällige Fußballstadien, es gibt fast nichts, was Stiftung Warentest nicht aufdeckte. Aber was die Stiftung in ihrem aktuellen Test zu Smartphone-Apps herausfand, ist wenig überraschend. 28 der 68 getesteten Apps sind aus Datenschutz-Aspekten kritisch, weitere neun sogar sehr kritisch. Unter ihnen so beliebte Anwendungen wie Facebook, Whatsapp, Foodspotting, iTranslate oder Clever tanken. Die sehr kritischen Apps senden Namen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen oder auch Passwörter unverschlüsselt an die Server des jeweiligen Anbieters – meist ungefragt, erläutert die Stiftung Warentest. Das ist nicht nur unsicher, sondern häufig völlig unnötig für die Nutzung der Programme. Sowohl die kritischen, als auch die sehr kritischen Anwendungen erstellen benutzerspezifische Profile und speichern die Gerätekennung der Smartphones. Eine Zuordnung der Profile zu dem Nutzer ist ohne Weiteres möglich. Dies ermöglicht zum Einen maßgeschneiderte, individualisierte, aber vor allem auch lästige Werbung, zum Anderen aber auch die Möglichkeit, dass Passwörter und sensible Daten von Dritten mitgelesen werden können.

 

89 Prozent der Deutschen für ein Grundrecht auf Datenschutz

In einer Studie des Marktforschungsinstituts infratest dimap gaben 95 Prozent der Befragten an, ihre Daten nicht ohne Zustimmung weitergeben zu wollen. Weiterhin beabsichtigten 93 Prozent in Zukunft vorsichtiger mit persönlichen Daten umzugehen. 89 Prozent sprachen sich dafür aus, Datenschutz zu einem Grundrecht zu erklären und weitere 83 Prozent äußerten, dass sie sich von Werbung belästigt fühlen. Doch diese Zahlen passen nicht zu dem unbedachten Umgang mit persönlichen Daten. Facebook, zu deren Datenschutzbestimmungen wöchentlich Fernsehbeiträge zu sehen sind, hat in Deutschland 22 Millionen Benutzer. Whatsapp ist die meistgeladene App in über 100 Ländern, auch in Deutschland. Doch woher kommt dieser Widerspruch in Nutzungsverhalten und Überzeugung und ist das überhaupt von Bedeutung?

Es ist wie mit dem Rauchen. Jeder Raucher weiß, dass Rauchen schädlich ist, aber er lässt es trotzdem nicht sein. Manchmal aus Bequemlichkeit oder Gewohnheit, aber auch weil man nicht glaubt, dass es einen selbst schädigen wird. Für Smartphone-Anwendungen gelten diese Dinge ebenso. Whatsapp ist nun mal furchtbar praktisch und spart Geld. Und Facebook ermöglicht mit seinem vielfältigen Angebot eine bislang unbekannte Art der Kommunikation. Das täuscht dann, trotz der massiven Medienpräsenz, über mögliche Datenschutzprobleme hinweg.

 

Datenschutz ist nicht nur Privatsache

Seit der Einführung der Anti-Terror-Gesetze im Januar 2002 wurden nach und nach Grundrechte eingeschränkt. Auch der Datenschutz wurde millionenfach verletzt. Vorratsdatenspeicherung wurde zum Zauberwort im Kampf gegen den „internationalen Terrorismus“. Aber kann es eine gesellschaftliche Lösung von Datenschutzverletzungen sein, dass man sie individuell für sich umgeht? Nein! Probleme zu individualisieren ist ein sehr einfacher Weg, sich einer gesellschaftlichen Verantwortung zu entziehen. Doch kann dies nicht die gesellschaftliche Lösung dieser Probleme sein. Stiftung Warentest hat in seiner Vergangenheit oft dazu beigetragen, Normen und Richtlinien verbraucherfreundlich anzupassen. Auch bei der Frage des Datenschutzes spricht das Testurteil eine klare Sprache. Die deutschen Datenschutzbestimmungen erhalten die Note mangelhaft.