Skandal: Hikmet und Arif in deutschen Schulen

Alev Bahadir

Nazim Hikmet und Ahmed Arif sind zwei Namen, die vielen bekannt sind. Die beiden Dichter sollen nun auch an deutschen Schulen einen Stellenwert zugeschrieben bekommen. Sowohl Hikmet, als auch Arif betonten in ihren Gedichten immer wieder die Notwendigkeit einer friedlichen Gesellschaft und stellten sich auf die Seite der Unterdrückten. Als die Meldung erschien, dass man nun an deutschen Schulen auch Dichter aus der Türkei behandeln wolle, kam ein Schrei des Entsetzens seitens der türkischen Medien auf. Türkische Dichter, die man selbst nicht ins eigene Schulsystem verankert, dürften doch nicht in „ausländischen“ Schulen behandelt werden.

Das Verhältnis des türkischen Staates zu den Dichtern ist, auch lange nach ihrem Tod, immer noch angespannt. Beide waren sie politisch, beide waren sie Kritiker und linksorirentiert, was der Regierung nicht passte. Beide waren sie im Gefängnis für ihre Gedichte und die damit verbundenen Äußerungen ihrer politischen Meinung. Nazim Hikmet verbrachte sogar fast 15 Jahre seines Lebens in Gefängnissen und musste 1951 sogar ins Exil nach Moskau fliehen und kehrte nie wieder in die Türkei zurück.

Der korrekte Umgang mit den Werken dieser Schriftsteller ist stets ein Problem in der Türkei gewesen und ist es auch heute noch. Wie sollte der Umgang auch einfach sein? Man inhaftierte Dichter dafür, dass sie von den Missständen und der Ungerechtigkeit im Lande schrieben. Zwar könnte man das alles als „Fehler, die in der Geschichte gemacht worden sind“ herunterspielen, wäre da nicht die momentane Situation in der Türkei. Auch heute werden noch täglich Journalisten, die es wagen, die Geschehnisse in der Türkei zu kritisieren, inhaftiert. Die Türkei gehört mittlerweile zu den führenden Ländern, was die Verhaftung von Journalisten betrifft. Auch Gewerkschaftler sind nicht sicher. „Fehler, die in der Geschichte gemacht worden sind“ kann man die Verfolgung von Nazim Hikmet und anderen Dichtern wohl nicht nennen, denn genau das selbe passiert auch heute noch von Tag zu Tag. Natürlich kann man den Dichtern auch nicht die Anerkennung geben, die sie verdient haben, denn dann wäre die Scheinheiligkeit der Sache noch größer und offensichtlicher, als sie bereits ist. An der Einstellung in der Türkei hat sich nichts verändert und genau das sollen die anderen Länder aber nicht merken, also ist es auch klar, warum die Einführung von Gedichten türkeistämmiger Dichter als deutsche Schullektüre so ein Skandal ist.