Facebook sucht Spione

Wie heißen wir denn bei Facebook: „TomTom“, Tira misu“, „Big Baba“ oder doch der reale Name. Millionen von Nutzern haben sich mit Spitznamen oder Fantasienamen angemeldet und dies aus den unterschiedlichsten Gründen. Facebook will diese Leute jetzt ausfindig machen und benutzt hierfür die Freunde dieser Nutzer als Spione.

 

Facebook lässt mittlerweile nichts unversucht, um seine Mitglieder zu verscheuchen. Erst kürzlich gab es negative Schlagzeilen über das soziale Netzwerk, weil sie einen ungefragten Austausch von E-Mail Adressen in den Profilen betrieben. Sodass dutzende Nutzer der Facebook App nicht mehr die real genutzten Mailadressen der Freunde hatten, sondern die von Facebook ungenutzten Mailadressen. Nun die nächste Falle, ein unschuldig wirkendes Pop-Up Fenster fragt die Nutzer: „Ist dies der echte Name deines Freundes?“. Aufgezeigt werden währenddessen ein Benutzername und das jeweilige Foto eines beliebigen Kontaktes aus der Freundschaftsliste. Hierzu gibt es dann vier Antwortmöglichkeiten: „Ja“, „Nein“, „Ich kenne diese Person nicht“ und „Ich möchte nicht antworten“. An dieser Stelle sollte natürlich die letzte Option angeklickt werden, ansonsten wird dies bestimmt nicht das letztemal gewesen sein, dass Facebook uns zum hinterher schnüffeln instrumentalisiert. Bei Facebook gibt es schätzungsweise 40 Millionen Nutzer, die sich mit einem Pseudonym oder falschen Namen angemeldet haben. Und auch, wenn unter diesem sogenannten unschuldig wirkenden „Pop-Up“ Fenster steht: Bitte helfe uns dabei, zu verstehen, wie Nutzer Facebook verwenden. Deine Antwort bleibt anonym und hat keinen Einfluss auf das Konto deines Freundes“, sollte uns klar sein, dass Facebook macht dies nicht einfach so.

 

Kontosperrungen, Facebook will Perso sehen

Facebook will die „Klarnamen-Richtlinien“ durchsetzen und lässt nun nichts unversucht. Demnächst bietet sie einem wohlmöglich auch noch Geld für das Ausspionieren von Freunden. Anderen Berichten zu Folge, haben diese Schnüffelleien schon Konsequenzen.

In Holland bspw. können einige Nutzer ihren Account erst wieder mit der Einsendung einer Kopie des Personalausweises freischalten lassen. Dass der Konzern seine AGB`s durchsetzen möchte, ist natürlich verständlich, aber nicht um jeden Preis. Hierfür die eigenen Nutzer, durch unschuldig wirkende Fragen zum Spionieren zu ermutigen, geht zu weit und dürfte die Nutzer zur Weißglut bringen.

Facebook vs. Spam-Mails

Unter anderem könnte es sein, dass der Weltkonzern die Namens-Richtlinien durchsetzen möchte, um die steigende Zahl der Spammer einzudämmen. Denn immer häufiger werden die Pinnwände der Facebook-Nutzer mit Werbung zugemüllt. Das Problem ist aber, durch diese Spitzel-Aktion verjagt Facebook auch andere Nutzer. Beispielsweise diejenigen, die diese Plattform zur anonymen Kommunikation nutzen oder diverse politische Aktivitäten koordinieren. Denn parallel nutzen auch Regierungen Facebook, um Demonstrationsteilnehmer zu identifizieren. Oder Arbeitgeber schauen sich gerne mal an, was der eine oder andere Mitarbeiter am Wochenende so treibt und ob dies mit der Firmenphilosophie übereinstimmt. Wobei hier die rechte Szene auch verboten werden sollte und hierfür braucht es dann keine Klarnamen. Denn wer Adolf Hitler verherrlicht und zu Diskriminierung und Gewalt aufruft, ist eindeutig rechts und diese Accounts zu sperren sollte für Facebook kein Problem darstellen.

Simon Axten der derzeitige Facebook-Sprecher sagt hierzu nur, dass „die Klarnamen-Richtlinie sei essenzieller Bestandteil der Kultur des sozialen Netzwerks und als solche trotz solcher Einwände nicht verhandelbar“. Über die Spitzel-Aktion an sich gibt es aber noch keine Stellungnahme.

Profitables Geschäft, die wirklichen Gründe

Die Nutzeraccounts werden bei der Verwendung von echten Namen viel attraktiver für die Vermarktung. Die neueste Methode von Facebook: Das Netzwerk speichert, welcher Nutzer welche Apps installieren und benutzen möchte. Diese Daten werden dann mit Werbekunden geteilt, somit können diese passende Anzeigen schalten. Zudem werden die beliebtesten Apps an Nutzer aus dem Bekanntenkreis von Facebook weiterempfohlen, um so dem App-Hersteller eine Gebühr abzuknöpfen.

Schlecht ist dies, wenn der eigene Chef oder Arbeitskollege, durch so eine Empfehlung erfährt, dass man während der Arbeitszeit zum Beispiel „Farmville“ spielt und bei Klarnamen kann kaum einer die Freundschaftsabfrage des Chefs ablehnen. Somit wird einem auch die letzte Hoffnung auf Privatsphäre im sozialen Netzwerk Facebook genommen. In den USA hat man dies schon längst bemerkt, denn die Nutzerzahlen nahmen dort um 5% in den letzten 6 Monaten ab.

 

Gründe, warum Menschen in Netzwerken nicht ihren Klarnamen angeben: Stalking Opfer, man ist eine öffentliche Person wie Politiker oder Lehrer, man nutzt ein Pseudonym bereits seit mehreren Jahren oder man will seine Daten nicht an die Werbekunden von Facebook verkaufen. Trotz alledem aber mit Freunden in Kontakt bleiben.