Wer fleißig ist, der schafft´s … Eben nicht!

Bahar Güngör

Wer nach seiner Grundschulzeit eine nicht so gute Weiterempfehlung bekommt, hat ja immer noch die Chance sich anzustrengen, fleißig zu lernen und auf eine höhere Schulform zu wechseln. So wird es zumindest immer erzählt. Diejenigen, die auf einer Hauptschule sind oder waren, wissen, dass ein Wechsel auf eine höhere Schulform sehr schwer, bis kaum möglich ist. Dies belegen nun auch die neuen Zahlen einer Studie der Bertelsmann Stiftung. Laut dieser Studie gibt es deutlich mehr Absteiger als Aufsteiger im deutschen Schulsystem. 50000 SchülerInnen pro Jahr wechseln in der Sekundarstufe I auf eine niedrigere Schulform. Andersrum schaffen es nur 23000 SchülerInnen. NRW liegt bei den Auf- und Absteiger- Chancen in der Mitte. Die SchülerInnen in Bayern haben statistisch gesehen die größten Chancen aufzusteigen und die in Niedersachsen die geringsten.

Woran liegt´s?

Ziemlich einfach machen es sich diejenigen, die behaupten, es liege an der freien Schulwahl der Eltern, also an denen, die sich der Grundschulempfehlung der Lehrer widersetzen und ihr Kind an einer höheren Schulform anmelden. Rund ein Viertel der Schüler an Gymnasien und Realschüler haben laut einer weiteren Studie eigentlich eine Empfehlung für eine niedrigere Schulform. Ob die Absteiger aber genau diese Schüler sind, weiß man nicht.

Die Autorin der Studie, Bildungsforscherin Gabriele Bellenberg von der Ruhruniversität Bochum, sieht die Verantwortung in der Schule. Was dort nämlich passiert und wie die Schüler gefördert werden, ist wichtig für ihren Werdegang und ihren Erfolg oder Misserfolg.

Jörg Dräger, Bildungsexperte der Bertelsmann Stiftung, spricht sich für eine Auflösung der Grenzen zwischen den Schulsystemen aus. Die meisten Bundesländer ließen die Hauptschulen zu „Restschulen“ verkommen. Ein Aufstieg ist da nicht mehr möglich. Diejenigen, die dort landen, bleiben auch dort, ohne wirkliche Chancen. „Besser wäre ein Schulsystem, das nicht versucht, zu sortieren“, so Dräger.

Schluss mit dem Selektieren, ein neues Schulsystem ist längst überfällig

Sobald es nach der Grundschulzeit ums Aussortieren geht, geht es um die Trennung nach sozialen Schichten. Etliche Studien haben dies bereits gezeigt. Im europäischen Vergleich schneiden die deutschen Schüler mit am schlechtesten ab, was nicht an den SchülerInnen liegen kann. Oder geht man tatsächlich davon aus, dass die Mehrheit der SchülerInnen dumm ist?

Bereits in der Grundschule sind die Kinder mit überfüllten Klassen konfrontiert. So ein „kleiner Knirps“ muss sich da schon einiges wagen, um positiv aufzufallen. Spätestens zum Ende der Grundschulzeit kommt der Druck und Stress auf die Eltern und Kinder zu. Jetzt wird nämlich über die Zukunft der Kinder entschieden. Die größte Rolle spielt dabei Mamas und Papas Portmonee. Denn nicht nur, dass die Kinder aussortiert werden stellt ein Problem dar, sondern auch dass Bildung nicht frei zugänglich für jeden ist. Bastelgeld, Kopiergeld, Kakaogeld, Büchergeld, da sammelt sich Jahr für Jahr eine riesen Summe an. Eine Arbeiterfamilie kann sich dann nicht noch zusätzlich private Nachhilfe für die Kinder leisten.

Einmal auf eine schlechte Schule abgeschoben, bleiben die Kinder meist auch dort. So unterschiedlich, wie auf den verschiedenen Schulformen unterrichtet wird, haben Nachrücker kaum eine Chance, mitzuhalten. Es gibt Schulen, die von allen „Hartz-IV Schule“ genannt werden, weil man davon ausgeht, dass die Schülerschaft nach ihrem Abgang nichts anderes erreichen kann, außer Arbeitslosengeld II zu empfangen. Im Unterricht wird dann berechnet, wer wie viel Geld erhält und wie man es am sparsamsten ausgeben sollte.

Gerecht ist das nicht. Jedem Kind muss die Chance auf gute und kostenlose Bildung gegeben werden. Viele Bildungsexperten sehen die größten Fehler bereits im Selektieren nach der Grundschule. Hier muss der erste Schritt zur Veränderung gemacht werden.

Das Problem ist nicht neu und schon längst erkannt, es muss nun endlich angepackt werden!