Murks? Nein Danke!

„Tintenstrahldrucker wurde eigentlich die ganze Zeit hindurch mit Nachbaupatronen betrieben, weswegen ein Zusammenhang ausgeschlossen werden kann. Zu obigem Datum erfolgte neuerlich ein Patronentausch. Beim nächsten Druckvorgang spuckte der Drucker plötzlich die Fehlermeldung aus, dass der Druckkopf nicht passt oder defekt ist (Der Druckkopf ist nach wie vor der originale). Ich kann optisch kein Problem erkennen. Die Fehlermeldung lässt sich nicht wegklicken. Der Drucker funktioniert nicht. Ein neuer Druckkopf kostet € 65,- bis € 70,-. Als ich mir einen beim Saturn kaufen wollte, fand ich einen neuen EPSON Drucker mit gleichen Funktionen wie mein alter Drucker um eben dieses Geld und Druckerpatronen drin. Neuer Drucker oder neuer Druckkopf. Da hat man eigentlich keine Wahl …“, beschwert sich ein Druckerbesitzer.

 

Wer kennt das nicht? Man kauft sich ein neues Handy, einen neuen Fernseher, einen neuen Drucker, gibt hunderte von Euro dafür aus und benutzt es. Doch kaum ist die Garantie abgelaufen, weist das Gerät plötzlich große Defekte aufoder gibt den Geist komplett auf. Das kann man vor allem bei Smartphones beobachten. Handys, die sich von selbst aus- und nicht wieder einschalten, Touchscreens, die nicht mehr reagieren, Akkus, die scheinbar innerhalb von einigen Stunden leer gehen, das alles sind, wie die meisten sich vorher dachten, keine Zufälle. Darüber informiert uns nun das Internetportal „Murks? Nein Danke!“.

Im Februar 2012 initiierte der Diplom Betriebswirt Stefan Schridde diese Seite, auf der sich verärgerte Kunden über die mangelnde Qualität ihrer Produkte austauschen können. Diese Seite wird schon von zahlreichen verärgerten Menschen benutzt. Es ist zu einer Community geworden, wo die Menschen ihren Ärger loswerden können. Angefangen von der Schuhsohle bis hin zum Flachbildschirm, kann das alles sein. So sollen jedoch nicht nur Fehler bei einer Serie von Produkten gezeigt, sondern viel mehr klar gemacht werden, dass die Hersteller absichtlich Mängel in ihre Produkte einbauen. Der Verschleiß der Geräte wird von den Betrieben einkalkuliert, sogar geplant. Der Fachterminus dafür ist „geplante Obsoleszenz“, also geplanter Verschleiß. Das heißt, dass der Hersteller ein Gerät so baut, dass es kurz nach dem Ablauf der Garantie nicht mehr funktioniert. Ein beliebtes Beispiel auf „Murks? Nein Danke!“ sind Drucker. So schreibt Steffen über seine Erfahrung mit einem Drucker von Canon: „Nachdem unser gut funktionierender Tintenstrahldrucker BJC 850i von Canon einen Fehler mit dem Druckkopf anzeigte, war das Ergebnis des Kundendienstes: Wirtschaftlich nicht vertretbarer Reparaturaufwand. Wir haben den Druckkopf gewechselt, aber mit dem gleichen Ergebnis. Da dieses Modelle nicht mehr aufgelegt wird, haben wir uns einen gebrauchten zugelegt, mit dem gleichen Ergebnis Druckkopf kaputt nach einem Jahr. Nach langen Recherchen im Internet…bin ich auf die Tatsache gestoßen, dass Drucker mit einem Internen Zähler ausgestattet sind, der nach erreichen der voreingestellten Seitenzahl einen Fehlercode generiert (meistens Druckkopf kaputt) bei dem sich wirtschaftlich nur eine Neuanschaffung lohnt. Durch das simple Tippen der zwei Tasten in der richtigen Kombination wird der Zähler auf Null gesetzt und das Gerät läuft wie neu…seitdem sind fast 5 Jahre vergangen und das Gerät läuft super…. Das ist nicht nur Murks, sondern Betrug!“. Und das ist nur einer von vielen Fällen. Stefan Schridde nennt die Vorstellung, dass wir eine „Wegwerfgesellschaft“ sind, „blanken Unfug“. Er will klar machen, dass wir eine Wegwerfproduktion haben und dass die Menschen gar nicht freiwillig auf Langlebigkeit ihrer Produkte verzichten wollen, sondern gezwungen werden, immer wieder neue Produkte zu kaufen. Denn die Reparatur eines Gerätes ist öfters genauso teuer, wie das Gerät selber. Ein weiteres freches Phänomen geht nun auch in der „Smartphone-Welt“ herum. Oft ist es so, dass wenn das Handy, auch noch während der Garantiezeit, nicht ordnungsgemäß funktioniert, Reparaturansprüche vom Hersteller nicht erfüllt werden. Die fadenscheinige Begründung hierfür ist, dass „Verschleißteile“, wie der Akku oder USB-Buchsen, von der Garantie ausgenommen seien. Interessant jedoch ist, dass man bei vielen Smartphones „Verschleißteile“, wie den Akku gar nicht selbstständig auswechseln kann, da dieser oft in das Gerät integriert ist. Man müsste es einschicken und die Reparatur selbst bezahlen. Es sei denn, man hat wieder einmal tief in die Tasche gegriffen und eine Versicherung abgeschlossen, wobei bei der Versicherung auch nicht alles übernommen wird. Beim Kauf der Geräte wird jedoch dafür geworben.

„Was nun?“ möchte man fragen. Erst einmal müssen sich die Menschen darüber klar werden, dass die Obsoleszenz ihrer Produkte, keine einmalige, sondern strukturell geplante Sache ist. Schriddes Website hatte allein in den letzten Monaten zwei Millionen Besucher, er geht davon aus, dass er über das starke Medieninteresse bereits 50 Millionen Menschen im deutschsprachigen Raum erreicht habe. Auf seiner Seite können Verbraucher auch sehen, welche Marken den meisten Murks produzieren. Zudem muss die Gier der Unternehmen transparent werden. Immer mehr, für immer weniger Geld produzieren, ist deren Devise. Es geht doch so viel mehr in die eigene Tasche, wenn man seinen Arbeitskräften, die man am besten überall auf der Welt hat, der Globalisierung sei Dank, einen Hungerlohn bezahlt und dabei noch qualitativ niedrig produziert. Dabei wäre es meist nur einen Cent teurer, wenn man das bessere Material benutzt. Aber so würde das Gerät nicht in zwei Jahren kaputt gehen und der Verbraucher müsste sich kein neues kaufen. Also am besten noch die eigenen Kunden nach Strich und Faden betrügen. So verdient man doch um einiges mehr und schneller. Und wer kämpft dagegen an? Staatliche Institutionen, wie das Verbraucherschutzministerium, scheinen nur noch auf dem Papier zu existieren. Von Verbraucherschutz seitens des Staatsorgans merkt man nur herzlich wenig. Verbraucherorganisationen wie „Stiftung Warentest“, die nebenbei auch von Staatsaufträgen und Steuermitteln leben, überprüfen nicht die Nachhaltigkeit eines Produktes. Ganz im Gegenteil, wer mehr zahlt, bekommt die besseren Noten und kann einen großen Siegel auf seine Verpackung setzen. Natürlich wäre es auch schädlich für den Staat sich gegen die großen Kapitalträger zu stellen, deshalb schweigt man lieber und lässt, wie immer, das Volk leiden. Also werden es wieder wir sein müssen. Wir die Bürger, die Verbraucher und leider auch die Betrogenen müssen uns gegen die Profitgier der Unternehmen wehren und wir dürfen es nicht zulassen, dass diese, auf der Jagd nach dem Euro, uns den letzten Groschen aus der Tasche ziehen. Aber es ist schwierig als Bürger gegen diesen Betrug anzugehen, deshalb muss es Pflicht für die Firmen werden, für Transparenz in ihren Produktions- und Beschäftigungsverhältnissen zu sorgen. Denn, den Murks, den sie so billig produzieren, können sie gerne selber behalten! Dahingehend macht auch „Murks? Nein Danke“ viele Schritte. Mit diversen Petitionen und Fachgesprächen wollen sie dafür sorgen, dass einige Gesetze diesen Murks nicht mal zulassen. Es wurde durch die Initiative bereits eine breite Debatte in den Medien über geplante Obsoleszenz angestoßen. Viele kleine Filme und Selbstdarstellungen werben für die Seite und dafür, dass sich Menschen erstmal bewusst werden, dass das Kaputtgehen ihrer teilweise neuen Produkte geplant ist und die Schuld nicht bei ihnen liegt. Solange die Überproduktion nicht aufhört, solange werden die Unternehmen diese Taktik nutzen, um an den selben Verbraucher alle zwei Jahre ihre Produkte zu verkaufen. Wie sollen die Unternehmen denn sonst reicher werden, wenn nicht auf unsere Kosten?