Neuer Studiengang: Wehrwissenschaften

Seval Mengi

 Die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) in Aachen richtet eine neue Professur mit dem Schwerpunkt „Technologieanalysen und -vorausschau auf dem Gebiet der Sicherheitsforschung“ an der Fakultät für Maschinenwesen ein. Die Grundlagen für die Einrichtung der Professur  wurden bereits 2011 mit den Aussagen des Verteidigungsministeriums geschaffen, worin es lautete „wenn nationale Sicherheitsinteressen und das angestrebte Fähigkeitsprofil der Bundeswehr es erfordern. Sind entsprechende Ergebnisse anderer Ressorts bzw. der zivilen Forschung nicht verfügbar, müssen sie im Rahmen der Ressortforschungsaktivitäten erarbeitet werden. Konzepte und entsprechende Technologien, die sowohl für die wehrwissenschaftliche Forschung als auch für die zivile Sicherheitsforschung relevant sind, bilden die Schnittstellen für das BMVg zur zivilen Sicherheitsforschung (‚Dual-use-Prinzip‘)“. Es ist durchaus ein Ansatz der  Legitimation für das angewandte Konzept der „Wehrwissenschaften“ zu erkennen.

Selbst wenn es versucht wird,  einen rein wissenschaftlichen Anschein innerhalb der Gesellschaft zu geben, ist die Einrichtung von Forschungsinstitutionen an Hochschulen und die bewusste Vermischung der Begriffe „Militär“ und „zivil“ eine systematische Vorbereitung auf Kriege.

Der Anfang der Professureinrichtung liegt in der strategischen Partnerschaft der RWTH mit dem  Fraunhofer-Institut für naturwissenschaftlich-technische Trendanalyse, INT, das Kriegs- und Militarisierungsunterstützende „wissenschaftlich untermauerte“ Prognosen veröffentlicht. Mit ca. 100 Mitarbeitern und einem bemerkenswerten Jahresbudget von 7,2 Millionen Euro ist das INT die Beratungsstelle des Verteidigungsministeriums in den Gebieten Forschung und Technik.

Mit dem neuen Studiengang wird offensichtlich die technische Forschung in den Gebieten Sicherheitstechnik und Rüstung gestärkt und die Militarisierung der Bildung und der Gesellschaft wird weiter vorangetrieben. Doch wie ist das zu verstehen?

Die Antwort ist ganz einfach und aus dem Mund unseres Kriegsministers de Maizière hört sich das so an: „Unser gemeinsamer, erweiterter Sicherheitsbegriff legt gleichzeitig nahe, dass wir auch über die Bundeswehr hinaus Akteure und Instrumente finden müssen, die in der zu ihnen passenden Form aktiv zu unserer Sicherheit beitragen können.“

Die Besetzung der Professur mit Michael Lauster, Oberstleutnant der Bundeswehr, bestätigt die Befürchtungen, denn wer sonst kennt sich mit den technischen Einzelheiten der Luftwaffe als promovierter Diplom-Ingenieur dermaßen gut aus und teilt dieses Wissen in Lehrveranstaltungen?

Ernst Schmachtenberg, Rektor der RWTH und Vorsitzender des TU9, einem Zusammenschluss der 9 führenden technischen Universitäten in Deutschland, äußerte sich zum Thema Rüstungsforschung: „Wir Deutschen haben mit Rüstungsforschung eine Menge Unheil angerichtet. Ich halte diesen Weg für eine offene Universität in Deutschland für ungeeignet. Wenn Rüstungsforschung politisch gewollt ist, soll sie an eigens dafür eingerichteten Forschungsinstituten etabliert werden, nicht bei uns. Wir fordern aber nicht mehr Rüstungsforschung, sondern eine bessere Grundfinanzierung.“. Ganz treffende Worte, jedoch: Solange man auf die Erhöhung der Grundfinanzierung wartet, hat aber auch die RWTH Aachen anscheinend kein Problem damit, Rüstungsforschung zu betreiben und Kooperationen mit Rüstungsforschungsinstituten einzugehen.