“Fremdvergabe” bei Daimler sorgt für Protest

Über 2500 KollegInnen hatten im Oktober im Bremer Mercedes-Benz Werk für mehr als zwei Stunden die Arbeit nieder gelegt, um gegen die geplante Vergabe an Fremdfirmen von Teilen der Werkslogistik und der internen Service Abteilung WPS zu protestieren. Die Proteste gehen bis heute weiter. Anlass war ein Verhandlungsgespräch zwischen Betriebsrat und Bremer Geschäftsführung über die Entscheidung. Der Bremer Werkleiter Andreas Kellermann hatte bereits auf der einer Betriebsversammlung im September mit dem Spruch “man muss auch mal loslassen können” für großen Unmut bei der Belegschaft gesorgt. Er begründet die Entscheidung mit Vorgaben der Konzernzentrale und der mangelnden Rentabilität einer “eigenen” Logistik im Wettbewerb. Durch die Fremdvergabe der Logistik sollen in den nächsten Jahren angeblich alleine 11 Millionen Euro eingespart werden. Die KollegInnen sind sauer, weil die betroffenen Arbeitsplätze vor allem MitarbeiterInnen mit körperlichen Einschränkungen eine Möglichkeit gaben, weiter im Werk beschäftigt zu bleiben. (Neues Leben)

 

“Kapital erklärt dem Arbeiter den Krieg”

Gerhard Kupfer *

Bisher gab es Fremdvergaben in einzelnen Bereichen; jetzt geht es aktuell um ca. 300 in der Logistik und in der Werksinstandhaltung. Klar ist aber, dass das der Anfang einer großen Welle sein wird, in der alle nicht direkt produzierenden Bereiche fremdvergeben werden sollen. Das hat nicht nur ökonomische Gründe (Billiglöhne), sondern vor allem politische: Spaltung der Belegschaft, Zerschlagung von Tarifverträgen, Aushebelung von Arbeitsrecht (Kündigungsschutz, etc.). Das heißt, wir werden so streikunfähig gemacht. Die Arbeiter sollen für die große Konkurrenzschlacht kriegstauglich gemacht werden.
Im September hatten wir drei turbulente Betriebsversammlungen zum Thema Fremdvergabe. Wir haben es zum ersten Mal geschafft, die Mehrheit der Kollegen, die selbst noch nicht von Fremdvergabe betroffen sind, zu mobilisieren. Jeder beginnt zu spüren, dass das Kapital dem Arbeiter den Krieg erklärt hat. Die Werkleitung will einerseits ein sehr hartes Rationalisierungsprogramm durchpeitschen, andererseits braucht sie natürlich die nötige Friedhofsruhe dazu. Und weil sie die nicht kriegt, ist es schon zu größeren Stückzahlverlusten gekommen. Für die Kollegen ist klar, dass der Kampf weiter gehen wird. Sie lernen gerade, dass Angst kein guter Ratgeber ist, sondern dass man sie durch solidarische Aktion ein Stück überwinden kann, sowie, dass sie sich auf die eigene Kraft verlassen müssen und nicht nur auf Betriebsrat oder Gewerkschaft warten dürfen.

 

* Betriebsratsmitglied bei Daimler Bremen