Grundschüler unter Stress

Silan Kücük

 

Laut einer Umfrage, die der Deutsche Kinderschutzbund und das Prosoz-Institut für Sozialforschung am Mittwoch vorstellten, haben bereits Grundschulkinder mit Stress zu kämpfen. Hierzu haben knapp 5000 Schülerinnen und Schüler aus elf Bundesländern einen Fragebogen zu den Themen Gesundheit, Ernährung, Stress und Bewegung beantwortet.

Viele Hausaufgaben, Tests in der Schule, nervige Eltern und Geschwister – Kinder, die erst sieben bis neun Jahre alt sind, leiden in dem Alter bereits unter psychischer Belastung und Leistungsdruck. Die Studie gibt an, dass sich jedes dritte Kind in der zweiten und dritten Klasse vom Unterricht und von Hausaufgaben oft oder sogar sehr oft gestresst fühlt.

Der hauptsächliche Grund, der die Zweit- und Drittklässler aus der Ruhe bringt, ist vor allem die Schule. Darüber hinaus wühlt jedes fünfte Kind Ärger und Streit besonders auf und gut jedes sechste hat Stress mit Eltern oder Geschwistern. „Uns hat vor allem überrascht, dass die Schule schon so früh bei relativ vielen Kindern Stress auslöst“, sagte Anja Beisenkamp aus dem Autorenteam der Studie.

Etwa zwei Drittel der Kinder gaben an, dass sie sich öfter mal ausruhen möchten. Ausruhen heißt für Sieben- bis Neunjährige aber nicht automatisch den Fernseher oder Computer anschalten, sondern deutlich mehr als die Hälfte gehen nach draußen oder spielen zu Hause, lesen, malen oder treiben Sport. Jedes zweite Kind empfindet den Fernseher als entspannend und der Computer wird etwa von vier von zehn Kindern als „Stressabbauer“ genutzt. Doch es gibt auch Kinder, die nicht wissen, wie sie mit ihrem Stress umzugehen haben. Denn 13 Prozent wissen nichts oder nur wenig darüber, was sie zur Entspannung und Erholung tun können.

 

Außerdem fühlen sich 7 Prozent von den befragten Kindern von Hetze und Eile und 3 Prozent vom frühen Aufstehen und Erfolgsdruck gestresst. Hinzu kommt, dass Drittklässler den Erfolgsdruck doppelt so oft als anstrengend empfinden, als Zweitklässler.

„Wir müssen endlich aufhören, bereits bei Neun- bis Zehnjährigen die Weichen für das gesamte weitere Leben zu stellen“, sagt Friedhelm Güthoff, Sprecher des Kinderschutzbundes in Nordrhein-Westfalen. Es könne nicht sein, dass über die Köpfe der Kinder bereits in der vierten Klasse entschieden werde, auf welche weiterführende Schule sie wechseln sollten. Dieser Faktor könne vielen Kindern den ganzen Stress ersparen.

Weitere untersuchte Punkte waren Lebensstil und Ernährung. Die Frage hierbei lautete, was Grundschüler über einen gesunden Lebensstil und gesunde Ernährung wissen und was sie tun, um sich fit zu halten. Der Mediziner Dietrich Grönemeyer, der die Studie wissenschaftlich begleitete sagte: „Leider beziehen viel zu viele Kinder ihr vermeintliches Wissen über Gesundheit aus der Werbung. Hierzu müssen die Schulen gegensteuern.“ Des Weiteren haben die Grundschüler das meiste Wissen von ihren Müttern, von ihren Kinderärzten und an letzter Stelle, von ihren Vätern. Jedes fünfte Kind gab an, in der Schule nichts oder nur wenig über das Thema zu lernen. Die Wissensaneignung über die Gesundheit, beziehungsweise über ein gesundes Leben, gelangt bei den Kindern aus der Werbung. Die Auswirkungen erkennt man, wenn jedes fünfte Kind angibt, dass es nie vor der Schule frühstückt. Immerhin trinken Zweit- und Drittklässler häufiger Wasser oder ungesüßten Tee als Limonade.