Leserbrief eines Lehrers zur „KESS 2012“ Studie

Was soll bloß aus der neuen Generation werden?

Wie schön doch so eine Studie „KESS 2012“ und der Medienhype sein kann. Zunächst sollte nicht vergessen werden, dass es im Süden unserer Republik eine andere tendenzielle Entwicklung gibt: Hier wird die G8-Reform teilweise wieder abgebaut. In Bayern soll es bald ein Flexibilisierungsjahr geben, für Schüler denen G8 zu schnell ist und in Baden-Württemberg bieten 22 Gymnasien landesweit G9-Züge an. 2013 sollen mindestens noch einmal so viele dazukommen. In Hessen sollen Eltern mehr Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 eingeräumt bekommen. Wir sehen der Trend geht eigentlich woanders hin, aber dies liegt nicht an der Einsicht der Bundesländer wieder mehr Geld in die Bildung zu investieren; gegenteilig wird immer noch eine unakzeptable Spar- bzw. Bildungspolitik betrieben. Nein, dies liegt einzig und allein an den Reaktionen der Schüler, Lehrer und Eltern. Wegen einem Widerstand der zwar nur schleichend vorangetrieben wird, aber jederzeit wieder aufflammen kann. Und eigentlich ist niemand mit dem bestehenden Problem des Bildungsföderalismus zufrieden. Als wenn in Süddeutschland andere Naturgesetze, Rechtschreibung oder Geschichtsschreibung herrschen würden, als in Norddeutschland…

Wenn von 100 Schülern früher die „schlechtesten“ 10 ausgesiebt wurden und heute 30, dann ist diese Statistik ein schlechter Beweis dafür, dass die Lehrmethode (G8) besser ist. Sprich: Turbo-Abiturienten lernen nicht besser, sondern nur diejenigen wenigen, die durchkommen. Die Realität ist, ein Schuljahr wurde gestrichen, aber mit den Unterrichtsinhalten geschah dies nicht! Diese wurden einfach in die unteren Jahrgänge gestopft. Faktum haben wir die gleichen Inhalte, dafür aber weniger Zeit. Schüler, aber auch Lehrer haben nicht mehr Zeit für Übungen, Wiederholungen, intensive Auseinandersetzungen mit Texten. Es ist nur noch ein Kampf, um die Position innerhalb der europäischen Konkurrenz aufrecht halten zu können. Schüler sollen jung in den beruflichen Sektor eintreten. Lernen fürs Leben, die eigene Entwicklung scheint hier nicht mehr relevant.

 

Wir sollten uns fragen, wie unabhängig diese Studie ist, wie eigenständig und damit vielleicht eher allgemeingültig wurden die Maßstäbe zur Beurteilung von „Leistung“ von G8-Schülern im Vorwege festgelegt? Und wurde diese Studie nicht von einer Institution beauftragt, die grundsätzlich positiv der G8-Regelung gegenübersteht? Darüber steht aber nichts in den Medien… Eine Binsenweisheit unter Lehrern ist auch, dass es an den Schulen mal stärkere und mal schlechtere Jahrgänge gibt. Unabhängig von einzelnen Rahmenbedingungen, daher ist die Studie nicht wirklich aussagekräftig. Vor allem, wenn die G8-Schüler bessere Lehrer und eine intensivere, qualitativere und quantitativere Betreuung in den Hauptfächern  bekommen haben als die G9-Schüler momentan und auch früher und zumal die komplette Studie im Web nicht gefunden wird.

Klar ist:

– Man hat in mehreren Studien festgestellt, dass Schüler in Fächern wie Mathematik durch G8 weit hinterher hinken!
– Ein weiterer Effekt: schwächere Schüler meiden G8-Gymnasien und gehen lieber auf andere Schulen. Daher wird die Elite-Bildung verstärkt! Und verfälscht das Ergebnis.
– Es wird selten so viel gelogen wie im Bildungsbereich, manchmal durch ideologische Aussage und manchmal durch unsachliche Vergleiche…