Streik bei Neupack geht weiter

Dieter Wegner *


Eine ereignisreiche vierte Woche haben die Streikenden hinter sich. Am 27. November fuhren die Hamburger nach Rotenburg, dort wollten sie beim Fackel- und Laternenumzug vom Rotenburger Marktplatz zum Streikzelt dabei sein. Der Vorsitzende der IG BCE von Hamburg, Jan Eulen, berichtete, daß das Arbeitsgericht in Verden die Klage der Geschäftsleitung abgewiesen habe. Die Blockade der Einfahrt zum Neupack-Werk in Rotenburg durch streikende Mitarbeiter gegen Lieferanten und Streikbrecher zu Beginn des Streiks war zulässig. Am Vormittag hatte wieder ein Gespräch mit der Geschäftsleitung stattgefunden, wieder ohne Ergebnis. Die Gespräche sollen nächste Woche fortgesetzt werden. Wie lange werden sich die Streikenden dieses Theater noch gefallen lassen? Zumal die Streikbrecher die Produktion in der Firma deutlich erhöhen konnten.
Nach drei km Marsch durch die schon fast leere Kleinstadt dann ein dichtes Gedränge vor den Zelten. Die Rotenburger hatten für Essen gesorgt. IGM-Kollegen waren gekommen, darunter drei Betriebsräte der Firma Atlas aus Ganderkesee, die vor zwei Jahren harte Auseinandersetzungen hatten, Kontakte wurden geknüpft. Die Gruppe Gutzeit war mit nach Rotenburg gereist, spielte Lieder aus ihrem Repertoir, danach fünf Musiker der türkischen Gruppe Cemre.
Am Donnerstag war wieder Treffen des Soli-Kreises Neupack im Streikzelt. Streikende und UnterstützerInnen berichteten über ihre Aktivitäten. Einige Streikende hatten an der Mieten-Demo teilgenommen. Das Spiel St. Pauli gegen Duisburg war besucht worden, ein Transparent im Stadion gezeigt worden, vor dem Eingang waren Flugblätter verteilt worden. St. Pauli hatte 4:1 gewonnen. Wie hoch gewinnen wir gegen die Krügers?
Vor dem Hintergrund des Urteils des Hamburger und des Verdener Arbeitsgerichtes wurde vereinbart, die Streikwachen vor den Toren zu verstärken, Menschentrauben zu bilden.

Am Freitag fuhr auf Einladung und Kosten des SPD-Abgeordneten Johannes Kahrs ein Bus mit Streikenden aus Rotenburg und Stellingen nach Berlin, um an einer Sitzung des Bundestages teilzunehmen. Anschließend war ein Gespräch mit Kahrs und dem niedersächsischen Abgeordneten Lars Klingbeil (SPD). Er fragte, was die Streikenden über seine Arbeit wissen wollten. Die KollegInnen hielten ihm jedoch ihre Lage vor, das wiederholten sie, als der Fraktionsvorsitzende Steinmeier dazu kam.

In den Gesprächen zwischen den Neupack-KollegInnen und den UnterstützerInnen kam man immer wieder auf das irrationale Verhalten der Krüger-Family zu sprechen. Gemeint ist damit hauptsächlich der Patriarch Jens Krüger (72), der das Sagen in dem Clan hat. Das Geld, das der Clan bisher in der Zeit des Streiks aufgewendet hat, dürfte mehr sein, als ihn ein Tarifvertrag kosten würde. Die erhöhten Kosten sind: Produktionsausfall, Aufwendungen für die Streikbrecher, die zusätzlichen Sicherheitskräfte, engagieren einer Werbefirma. Eine Kosten-Nutzen-Analyse interessiert ihn nicht. Auch, daß er von Seiten seiner Klassengenossen keine Zustimmung erhält, perlt an ihm ab: Die Welt und das Hamburger Abendblatt bringen nur distanzierte Artikel. Jens Krüger verhält sich wie ein Gutsherr, der sich nie mit einem Bediensteten an einen Tisch setzen würde. Seine Beauftragten dürfen nur Gespräche führen, aber keine Verhandlungen aufnehmen.
Seine Taktik ist klar, er setzt auf Zeit, die Streikenden sollen zu Kreuze kriechen, eine andere Vorstellung kommt ihm nicht in den Sinn.
Das wiederum kommt den Streikenden nicht in den Sinn. Sie sind auf den Geschmack gekommen: Streiken ist schöner! Und es geht auch um ihren Stolz.
* Soli-Kreis Neupack