Regelmäßig grüßt das Murmeltier

Sinan Beden

 

Wieder gleiche Schlagzeilen, wie fast erwartet: Ein als Einzelgänger bekannter junger Mann lief (dieses Mal in einer Grundschule) Amok und tötete 26 Menschen, davon 20 Kinder und richtete sich anschließend selbst. Der 20-Jährige hatte zunächst seine Mutter in ihrem Haus ermordet, dann in die Grundschule eingebrochen und zwölf Mädchen, acht Jungen und sechs Lehrerinnen getötet, bevor er sich selbst das Leben nahm. Alle Kinder waren den Angaben der Polizei zufolge sechs oder sieben Jahre alt.

Doch bevor noch die Motive des Mannes geklärt wurden, ja noch bevor die Leichen der Toten aus der Schule gebracht wurden, standen bereits rechtskonservative Priester und republikanische Politiker im Fernsehen (Fox News) und redeten von der Strafe Gottes und das nur die „laschen“ Waffengesetze dafür verantwortlich sein. Die zu „restriktiven Waffengesetze“ hätten verhindert, dass sich die Opfer gegen den Angreifer hätten zur Wehr setzen können, so die Waffenlobby. Nicht überraschend sei das Blutbad, da doch an öffentlichen Schulen in den USA keine Gebete erlaubt seien, sagte der Baptistenpfarrer und ebenfalls ehemaliger Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Mike Huckabee.

 

Waffengesetze ohne Einschränkungen

 

Es ist allgemein bekannt, dass in den USA jeder eine Pistole oder ein Gewehr erwerben kann, der alt genug ist. Obwohl es verschiedene Regelungen in den Bundesstaaten gibt, gibt es nicht mal Einschränkungen beim Kauf eines Sturmgewehres. Zum Vergleich; in Deutschland dürfen Sturmgewehre mit der Funktion „vollautomatisch“ nur an Polizei und Militär verkauft werden. In den USA sind sogar schwere Maschinengewehre, die auch leicht gepanzerte Fahrzeuge zerstören könnten, problemlos erhältlich.

 

Und trotzdem stehen rechtskonservative Politiker in „Nachrichten“ und fordern eine noch geringere Kontrolle von Waffen. Die Begründung lautet dann tatsächlich, dass, wenn die Lehrer doch Waffen in der Schule gehabt hätten, sie den Amoklauf hätten stoppen können.

Nicht nur, dass es eine schier wahnsinnige Idee ist, in Klassenräumen mit kleinen Kindern Waffen und Munitionen für solch einen Fall aufzubewahren, auch das wirkliche Zielen und Abdrücken auf einen Menschen ist für den gesunden Geist keine leichte Aufgabe.

 

Die Allgegenwärtigkeit von Waffen ist aber nicht das einzige Problem. Jedes Mal wird in den Nachrichten gesagt, dass der Schütze ein Einzelgänger war und sehr introvertiert, meistens selbst Opfer von grausamen Hänseleien und Mobbing. Da stellt sich die Frage, warum nicht noch mehr Sozialarbeiter und Psychologen an die Schulen geschickt werden, um als Vertrauenspersonen für die Schüler da zu sein? Es ist nämlich immer eine Frage der geistigen Gesundheit.

Auch die organisierte NRA (National Riffle Assosiation), die Waffenlobby, die circa vier Millionen Mitglieder hat, war bisher immer stark davon überzeugt, Waffen seien die Lösung. Dass es aber ein Teufelskreis ist, wollen sie immer noch nicht einsehen. Anstatt den Zugang zu Waffen zu verbieten, um das Problem zu reduzieren, wollen diese Waffen mit noch mehr Waffen bezwingen.