„Die Phase des Nur-Protestes ist vorbei“ *

Das war die einhellige Meinung in einer Gruppe oppositioneller Gewerkschaftler nach der Bekanntgabe des endgültigen Aus für das Opel-Werk in Bochum. Abgezeichnet hatte sich die Schließung schon seit mehreren Jahren, doch die Hoffnung hatten viele Kolleginnen und Kollegen nie aufgegeben und auch Einiges getan, um ihre Hoffnung zu realisieren.

[…] In den „besten Geschäftsjahren“ hatten etwa 21.000 Beschäftigte hier einen Arbeitsplatz. Doch dann baute Opel bzw. General Motors im wahrsten Sinne des Wortes ab – im Laufe weniger Jahre wurden mehr als 17.000 Beschäftigte entlassen oder abgefunden und ihre Arbeitsplätze bei Opel Bochum vernichtet (einen ähnlichen Kahlschlag gab es übrigens auch an den anderen drei deutschen Opel-Standorten in Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach). Betriebsrat und IG Metall-Führung propagierten – wie anderswo auch – zur Unterstützung dieses Abbaus, ein Verzicht der Kolleginnen und Kollegin auf (Urlaubsgeld, Lohnerhöhung…) würde die restlichen Arbeitsplätze und damit das Weiterbestehen des Werkes sichern – und die Beschäftigten brachten diese Opfer und die Arbeitsplätze wurden scheibchenweise weiterhin vernichtet. […] Geht es nach den Plänen der Kapitalisten, dann sind Ende 2016 alle der ehemals etwa 21.000 Arbeitsplätze weg – dazu kommen noch tausende Arbeitsplätze in anderen Bereichen. Laut IG Metall hängen heute in NRW noch etwa 45.000 Arbeitsplätze mit Opel zusammen.

[…] Wir haben in den vergangenen Jahren schon Belegschaftsversammlungen erlebt, bei denen keine Polizei anwesend war – diesmal war sie jedoch „ungewöhnlich“ stark vertreten. Auch in die Halle war sehr viel „Security“ zum Schutz des Opel-Managers Thomas Sedran angekarrt worden; der verkündete dann in einer gerade mal 15 Minuten dauernden Mitteilung das Aus für Opel Bochum. Danach ergriff er die Flucht. Ein Kollege, der ihn zu einer öffentlichen Rechtfertigung bewegen wollte, wurde von der „Security“ zu Boden gerissen. Nach der Versammlung wurde Rainer Einenkel – für die einen Betriebsratsvorsitzender, für die anderen Co-Manager – in der Presse zitiert mit der Aussage, es sei gelungen, sich nicht zum Streik provozieren zu lassen…

[…] Die Politiker in NRW reagierten auf die am Montag verkündete Werksschließung für sie typisch. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD): „Jetzt muss es darum gehen, den Opel-Vorstand beim Wort zu nehmen. Es muss ernsthaft und belastbar an einer Perspektive für den Standort gearbeitet werden.“ […] Und der Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) meinte: „Ich wünsche mir ein klares Bekenntnis von General Motors zu Bochum.“ Na, dann wünsch mal schön, lieber Garrelt, es ist ja bald Weihnachten… Übrigens, GM hat doch ein eindeutiges Bekenntnis gegen Bochum abgegeben!

An folgenden Tagen kam es noch mehrmals zu Informationsveranstaltungen, mit teilweise bis etwa 1700 Kolleginnen und Kollegen. Das Aus für Opel Bochum scheint endgültig – Ende 2016 soll das letzte Auto vom Band laufen. Das heißt aber auch, dass es für die Beschäftigten noch vier Jahre Zeit gibt, um dafür zu sorgen, dass nicht alle Räder still stehen, wenn ihr starker Arm es will…

[…]

 

* Entnommen und gekürzt aus „Arbeit und Zukunft“ (http://www.arbeit-zukunft.de/index.php?itemid=1956)