Ein Leben aus Widerstand und Musik

Oberstes Gericht, Globke-Prozess, Aussage, Lin Jaldati

Schon mit sehr jungen Jahren musste die Tänzerin Rebekka Brilleslijper hart für die Verwirklichung ihres Traums kämpfen. Denn geboren im ärmsten Judenviertel Amsterdams, konnte sie nur bis zu ihrem zwölften Lebensjahr eine Schule besuchen. Danach musste sie ihrer Mutter in der kleinen Lebensmittelhandlung und im Haushalt helfen. Bereits mit vierzehn Jahren wurde sie als Näherin in eine Fabrik eingestellt, um zum Unterhalt der Familie beizutragen. Doch trotz all der schwierigen Lebenssituation nahm sie nebenbei  heimlich Tanzunterricht. Ihr Vater war strikt gegen ihren Berufswunsch und versuchte sie von ihrem Gedanken abzubringen. Doch keiner konnte sie wirklich von ihrer Leidenschaft abhalten und sie blieb fest. In den 30er Jahren begann ihr Traum langsam wahr zu werden und sie gehörte nun dem Niederländischen Ballett an und arbeite eine Zeit lang als Revuegirl. Lin Jaldati, wie sie sich mittlerweile nannte, begann auch Gesangsunterricht zu nehmen und ließ mit Soloauftritten in Begleitung von Ausdruckstänzen, bei denen sie sich von der jüdischen Literatur inspirieren ließ, bewundern. 1937 lernte sie den aus Deutschland emigrierten Musikwissenschaftler und Pianist Eberhard Rebling kennen, den sie 1942 schließlich heiratete. Mit ihm erarbeitet Lin Jaldati hervorragende Programme ein und begann auch ihr Repertoire neben dem Jiddischen zu erweitern. Hans Eisler, Paul Dessau und Louis Fürnberg waren einige wenige, dessen Dichtungen und Lieder sie sang. Im Mai 1940, nach dem Überfall Hitlerdeutschlands auf die Niederlande, schlossen sich Lin Jaldati und Eberhard Rebling dem Widerstand an und mussten in den Untergrund. Auch währenddessen gaben sie illegale Hauskonzerte mit jiddischen Liedern. Genauso aber halfen sie anderen verfolgten Juden und wurden 1944 schließlich aufgrund von Verrat gefangen genommen. Mit ihrer Schwester Jannie kam Lin zuerst ins KZ Westerbork, dann nach Auschwitz und schließlich nach Bergen-Belsen, wo sie tagtäglich hunderte von Menschen in Hunger und Elend sterben sahen – darunter auch die Geschwister Frank. Während die Eltern und der Bruder in Auschwitz umkamen, überlebten Lin und Jannie Bergen-Belsen nur knapp. Nachdem der Hitleralptraum ein Ende genommen hatte, begann Lin Jaldati, welche bereits 1937 in die Kommunistische Partei eingetreten war, mehr denn je auf künstlerischem Wege gegen Faschismus und Krieg zu kämpfen. Lange Zeit lebte sie mit ihrer Familie in der DDR, wo sie als prominente Interpretin jüdischer Lieder viel Achtung genoss. Gefeiert wurde sie lange in Paris, Amsterdam, New York, Zürich, Berlin und Jerusalem und zog mit ihrer Autobiographie „Sag nie, du gehst den letzten Weg“ (1986) eine Bilanz ihres bewegten Lebens. Am 31. August 1988 starb Lin Jaldati in Berlin, wo sie einen großen Teil ihres Lebens verbracht hatte. Vergangene Woche, am 16. Dezember Eröffnete die Berliner Akademie der Künste ein Archiv zu Lin Jaldatis und Eberhard Reblings Leben. „Beide gestalteten das kulturelle Leben der Nachkriegszeit in Berlin und träumten von einer kulturell offenen Stadt Berlin, die im kulturellen Kontext Europas heute Wirklichkeit geworden ist“, hieß es in der Eröffnungsrede. Zur Eröffnung sang auch Sängerin und Schauspielerin Jalda Rebling, Tocher Lin Jaldatis und Eberhard Reblings, in Begleitung von Franka Lampe. Das umfangreiche Archiv steht ab sofort der Öffentlichkeit zugänglich in der Berliner Akademie der Künste.