Arm – Ärmer – Frau

frauenarbeiter

Alev Bahadır

Frauen in Deutschland sind im Schnitt besser ausgebildet, als Männer. Was vor 20 Jahren noch unerreichbar schien, hat am 18. Dezember eine Studie der „Organisation for Economic Co-operation and Development“ (OECD) zum Thema „Gleichstellung“ gezeigt. 27 % der Frauen zwischen 25 und 34 Jahren sind in der Lage, einen Hochschulabschluss oder Meisterbrief vorzuweisen. Bei Männern im gleichen Alter sind es ca. 25 %. Gleichzeitig offenbart die Studie auch die enorme Einkommenslücke zwischen Mann und Frau. Das weibliche Geschlecht verdient im Schnitt 22 % weniger, als ihr männliches Gegenstück und das, obwohl Frauen, wie oben bereits ersichtlich, meist besser bzw. „höher“ ausgebildet sind, als Männer. Damit liegt Deutschland bei den 34 Ländern, die die OECD-Studie untersucht hat, auf dem drittletzten Platz. Das große Gefälle zwischen den Löhnen lässt sich meist durch die verstärkte Teilzeitarbeit bei Frauen erklären. In Deutschland sind 62 % der Frauen zwischen 25 und 54 Jahren in Teilzeit beschäftigt. Im Vergleich: Im Nachbarland Frankreich sind es nur 26 % in der gleichen Altersgruppe. Auch im Alter wird es nicht besser. Vor allem Frauen sind von Altersarmut bedroht. Im Durchschnitt bekommen sie nur die Hälfte der Rente, die Männer bekommen. Damit belegt Deutschland den letzten Platz im OECD-Ranking. Genauso schlecht sieht es bei Frauen in Führungspositionen aus. Nicht einmal 6 % der Vorstands- oder Aufsichtsratsmitglieder in großen Firmen werden von Frauen gestellt. Aber woher kommt diese riesige Lücke, wenn Frauen doch oft besser ausgebildet sind, als Männer? Fakt ist, der Berufseinstieg für Frauen ist nie einfach. Allein aufgrund ihres Geschlechtes verdienen Frauen weniger, als Männer, die die gleiche Position bekleiden. In Artikel 3 des Grundgesetzes steht, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Dass es immer noch so immense Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau in einem Land, wie Deutschland, dass sich so mit seinen demokratischen Grundprinzipien in der Welt rühmt, gibt, ist zutiefst verwerflich. Die Aufstiegschancen für Frauen sind ohnehin schon gering, wenn sie dann noch Kinder bekommt, sehen die meisten keine andere Wahl, als beruflich zurückzutreten. Im Großen und Ganzen sieht es so aus, dass in diesem System eine Frau ihr wahres Potenzial erst gar nicht entwickeln kann, weil zu viele Hürden und Steine im Weg liegen. Denn was bringt es einem, wenn man so viele gut ausgebildete Frauen hat und diese ihren Beruf aufgrund ihres Geschlechts nicht ausüben können? Vielleicht sollte sich Vaterstaat einmal selbst an die so hochgelobten demokratischen Prinzipien halten und Frauen die gleichen Rechte einräumen, wie Männern. Sicher ist: Die Herdprämie ist bestimmt nicht der richtige Weg.