Der längste Streik in Hamburg: Neupack

 neupack

„Wir bleiben unberechenbar“. Das ist die Überschrift der 40. Streikzeitung der IG BCE von Neupack. Es scheint, sie sind nicht nur unberechenbar, sondern auch unbrechbar. Seit über vier Monaten befinden sie sich im Arbeitskampf. Viele, die von diesem Kampf hören und sich solidarisieren, sind immer wieder erstaunt darüber, dass es bei diesem Kampf “nur” um einen Tarifvertrag geht. Mittlerweile ist der Streik bundesweit bekannt. Der Zsammenhalt der ArbeiterInnen wächst mit jedem Tag. Die “Flexi-Streik-Tatktik” führen die Beschäftigten mit Erfolg durch. In der letzten Woche haben sich zwei Maschinenführer ebenfalls dem Streik angeschlossen. Währenddessen gehen die Provokationen des Arbeitgebers weiter. So bekam Maschinenführer Jens Wittleder in Rotenburg eine Abmahnung, weil er seinen angeblichen Arbeitspflichten nicht nachgekommen sei. Die Entschlossenheit der Arbeiter zwingt den Arbeitgeber wieder an den Verhandlungstisch zurück. Die Gewerkschaft und die Arbeiter werden nun gebeten, am 5. März die Verhandlungen fortzuführen.

Yusuf Gül

Yusuf Gül: Ich arbeite seit 17 Jahren bei Neupack. Die anfänglichen Ängste sind jetzt verflogen. Wir haben Selbstvertrauen gewonnen und sind “freier” in unserem Kampf. Wir sind entschlossen diesen Tarifvertrag zu erkämpfen. Manchmal hat man den Eindruck, daß unsere Gewerkschaft an unserer Entschlossenheit zweifelt. Doch, dem ist nicht so. Wir haben eine klare Entscheidung getroffen. Wir wollen diesen Tarifvertrag. Es geht längst nicht mehr um “etwas mehr Lohn”. Diese Tatsache muss auch die Gewerkschaft klar erkennen. Wir erfahren große Solidarität von verschiedenen Seiten. Ich möchte mich besonders bei dem Sender Hayat TV und bei euch Neues Leben bedanken, daß ihr so konsequent unsere Stimme nach draußen weitertragt.

 Emine Yesilkaya

Emine Yeşilkaya: Wir führen einen erfolgreichen Streik. Wir sind entschlossen bis zum Schluss zu gehen, auch wenn das noch länger dauern sollte. Wir haben seit Monaten hier draussen dieser eisigen Kälte getrotzt und werden es weiterhin tun. Wir sind hier zu einer großen Familie zusammengewachsen. Bei uns sind die religiösen, nationalen oder sprachlichen Schranken, die den gemeinsamen Kampf schwächen würden, aufgehoben. Wir stehen zusammen, wie eine geballte Faust. Die Solidarität von außen wächst ebenfalls. Manchmal hat die Kommunikation mit unserer Gewerkschaft nicht so gut geklappt, doch sie wisssen, wenn wir verlieren, verlieren auch sie (die Gewerkschaft). Deswegen müssen wir uns gegenseitig aufeinander vertrauen und verlassen können. Und das tuen wir auch.

 Fadime Temiz

Fadime Temiz: Wir wachsen mit jedem Tag. Mit dem Streik haben wir uns besser kennengelernt. In vielen Dingen des Alltags unterstützen wir uns gegenseitig. Auch die Solidarität von außen stärkt uns. Aus verschiedenen gewerkschaftlichen Zusammenhämgen von Frankfurt, Köln oder Duisburg bekommen wir Solidarität. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen bedanken, besonders der IG Metall, der DIDF und dem Hayat TV möchte ich meinen Dank aussprechen. Eure Solidarität gibt uns Kraft. Die vier Monate haben uns viel gegeben. Wir sind zusammengeschmolzen, haben gegenseitiges Vartrauen gewonnen und vor allem Selbsbewusstsein. Es ist beispielhaft zu sehen, wenn die KollegInnen vom Solidaritätskreis morgens um 5 Uhr in der Frühe mit uns an den Werkstoren stehen. Wir Frauen sind eine tragende Säule dieses Kampfes. Der Beitrag der KollegInnen ist unbeschreiblich. Mir hat der Arbeitgeber eine Kündigung ausgesprochen. Parallel zu unserem Streik geht auch der Rechtsstreit darüber weiter. Was auch immer passiert, ich werde bis zum Schluss mit meinen Kollegen hier weiter kämpfen. 

 

 Halil Sarıkoç

Sinan Özbolat