Lobbyarbeit der Bundeswehr

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Çiğdem Ronaesin

Die junge Generation wird von jedem nach Belieben bezeichnet: Generation Krise, die Empörten, Generation X und die verlorenen Generation. Je vielfältiger die Namensgebung, desto mehr Möglichkeiten bekommen die Institutionen, Firmen und Konzerne, sich eine goldene Nase zu verdienen. Die Situation der Jugend ist offensichtlich: Arbeitslosigkeit, Leiharbeitsfirmen und kostenpflichtige Bildung prägen das Leben der Jugendlichen. Neue, „attraktive“ Arbeitgeber sind somit im Vorteil. Wenn der Arbeitgeber auch noch genug Werbung macht und die Jugendlichen sogar bis in die Schule begleitet, stellt dieser für viele den Ausweg dar.

Die Bundeswehr ist einer dieser Arbeitgeber, die die Jugendlichen mit viel Geld lockt und ihnen eine Zukunft verspricht. Genau das, was man braucht, meinen die meisten in der Verzweiflung. Somit hat die Bundeswehr alleine im Jahr 2012 den Einfluss auf Schüler erhöht, denn es gibt immer mehr Besuche des Unterrichtes und immer mehr Werbung in Jugendzeitschriften. 144000 Jugendliche wurden im letzten Jahr im Rahmen des Unterrichts erreicht. Diese Zahl ist um 10000 größer als im Jahr 2011.

Die Bundeswehr hat schnell gehandelt, denn betrachtet man die Jahre davor, sieht man, dass diese immer mehr zurückgingen. Diesen Rücklauf führte die Bundeswehr auf den Geburtenrückgang zurück. Dadurch ist die Werbung der Bundeswehr, vor allem dort, wo Jugendliche mit Migrationshintergrund sind, sehr stark geworden. Die Bundeswehr ist inzwischen ein Teil des Unterrichts einiger Schulen. Die Zahlen belegen, dass nur durch den Unterricht durch die Kriegswerber 100000 Schüler angesprochen worden sind. 1100 durch Besuche in Kasernen und 27000 durch Seminare.

Die Bundeswehr versucht ihren Einfluss nicht nur auf Schüler zu verstärken, sondern vielmehr auf Multiplikatoren, die das Erlernte später weiter geben sollen. 2012 wurden von ihnen 30000 angesprochen und somit 9000 mehr als im Vorjahr. Darunter fallen Lehrer, Journalisten und Politiker, die viele Jugendliche durch ihre Arbeit erreichen. Somit verteilt die Bundeswehr geschickt ihre Aufgaben an weitere Multiplikatoren. Die Begründung für dieses Vorgehen geht aus einem Bericht der Bundeswehr hervor: „Damit sollte erreicht werden, daß es in Zukunft einfacher sein dürfte, Kontakte zu Schulen aufzubauen bzw. pflegen zu können“. Auch die bayerischen Jugendoffiziere betonen die Bedeutung, die „direkte positive Erfahrungen der Lehrkräfte oder die mittelbare Weiterempfehlung durch Lehrkräfte“. Somit bekommen Jungoffiziere mehr Einladungen seitens der Schulen.

Es ist nicht nur ein Skandal, dass Kriegsbefürworter der nächsten Generation den Krieg schön reden und sie für diesen gewinnen wollen. Genauso ist es ein Skandal, dass dieser Unterricht Anwesenheitspflicht fordert. Die Schüler sind gezwungen, diesem Unterricht beizuwohnen und beim Fehlen wird ihnen eine Fehlstunde eingetragen. Die Jungoffiziere kommen ganz oft ohne Uniform in die Schulen, um einer „unter ihnen“ zu sein. Sie vermitteln den Jugendlichen das Gefühl, auf Augenhöhe zu stehen. Somit bekommt jeder das Gefühl, ernst genommen zu werden und das Gleiche erreichen zu können.

Jugendoffiziere sind die einen Vertreter der Bundeswehr in den Schulen. Die anderen sind die Karriereberater der Bundeswehr, die das Militär vorstellen und zwar als nichts anderes als einen Arbeitgeber, der eine sichere Zukunft ermöglicht. Diese erreichen durchaus mehr Jugendliche als die Jungoffiziere. Im letzten Jahr haben sie eine Viertelmillionen Jugendliche erreicht und ihnen empfohlen bei der Bundeswehr Kariere zu machen.

In den letzten Jahren werden immer mehr Jugendliche mit Migrationshintergrund angesprochen und besonders Werbung für sie gemacht. Weil sie ganz unten in der Gesellschaft sind und die Perspektivlosigkeit aus eigener Erfahrung kennen.

Schulunterricht wird als Instrument für die Rechtfertigung der Kriegspolitik der Bundesregierung benutzt, Schulen werden zu Rekrutierungsanstalten des Militärs. Doch: die junge Generation mag alles sein, aber sie ist nicht Generation Krieg und wird auch niemals den Krieg befürworten.