Kommt bald ein Versandstreik?

Erhan Nakis

Einige kaufen regelmäßig über Amazon, aber alle kennen dieses Portal. Über „Amazon.de“ können Privatpersonen sowie Geschäftsleute neue und gebrauchte Produkte online anbieten. Doch was verbirgt sich hinter so einem Online-Handel? Das ist den Wenigsten klar.

Gegründet wurde Amazon durch den Computerwissenschaftler Jeff Bezos im Jahre 1994 in den USA. Das Unternehmen erzielte bereits im Jahre 1997 schon einen Umsatz von 147,8 Millionen US-Dollar. Im April 1998 übernahm Amazon ABC-Bücherdienst GmbH, den damals führenden deutschen Internet-Versandbuchhändler und war somit in den deutschen Absatzmarkt eingedrungen. Daraufhin wurde München der Unternehmenssitz und die Versandlager befinden sich in Bad Hersfeld, Koblenz, Rheinberg, Pforzheim, Werne und Leipzig mit mehreren hundert Beschäftigten.

Amazon-Mitarbeiter wollen streiken

In einer Urabstimmung von Mitarbeitern haben sich in Leipzig 97 Prozent der Belegschaft für einen Streik ausgesprochen. Bisher war es gar nicht bekannt, dass Amazon-Mitarbeiter Arbeitskämpfe führen. Doch als bundesweit erster Standort wollen sie mit allen Mitteln einen Tarifvertrag einführen. Rund 1200 Festangestellte und 800 befristet Beschäftigte arbeiten in Leipzig. Etwa 9000 Arbeiter sind bundesweit bei Amazon beschäftigt. Bisher gibt es laut Ver.di in allen deutschen Amazon-Standorten keine Tarifbindung. „Wir werden nicht locker lassen, bis wir einen vernünftigen Tarifabschluss haben“, sagte Gewerkschaftssprecher Jörg Lauenroth- Mago.

Eine Lohnuntergrenze von 10.66 Euro pro Stunde, die nach einem Jahr auf 11.39 Euro angehoben werden soll und einen Anschluss zu besseren Konditionen des Versand- und Einzelhandels fordert Ver.di mit den Tarifverhandlungen. Außerdem verlangt die Gewerkschaft ein tarifliches Urlaubs- und Weihnachtsgeld und Nachtzuschläge ab 20.00 Uhr.

Wenn die Arbeitskämpfe stattfinden, werden die Kunden dies durchaus zu spüren bekommen. „Wir werden genau überlegen, wie wir am treffsichersten sein können. Zu streiken und keiner kriegt es mit, das wäre ein bisschen blöd.“, sagte der Gewerkschafter.

Da es keine Tarifbindung in allen deutschen Amazon-Standorten gibt, könnte Leipzig mit erhobenen Arbeitskämpfen der Vorreiter sein. In Bad Hersfeld, dem größten Logistikzentrum mit 3.700 Beschäftigten, fordert die Belegschaft einen Tarifvertrag für den Versand und Einzelhandel. Jedoch habe es in Bad Hersfeld keine Urabstimmung gegeben.

Amazon reagiert zurückhaltend

Amazon äußerte sich jedoch nur zurückhaltend. Was die Arbeitsbedingungen bei Amazon angeht, sind diese schon seit längerem fragwürdig und bekannt. Im Februar berichteten Ferienjobber in Hessen, dass sie von Mitarbeitern eines Sicherheitsdiensts schikaniert wurden, die teilweise Kontakte zur rechtsextremen Szene haben sollen.

Auch berichtete die ARD mit einer Dokumentation über die prekären Arbeitsbedingungen, bei der es speziell um die Situation von Leiharbeitern während des Hauptgeschäfts zur Weihnachtszeit ging. Im vorigen Jahr erzielte der Internet-Händler in Deutschland etwa 6,5 Milliarden Euro. Unakzeptabel ist es, dass trotz Milliarden Profite, keine Festeinstellungen folgen. Dies bedeutet für die meisten Leiharbeiter: Verzicht auf eine Perspektive. Wenn die Streikenden in Leipzig gezielt, energisch und solidarisch vorangehen, könnte es nicht nur ein Vorbild für die anderen Amazon-Standorde sein, sondern für viele Arbeiter bundesweit.