Bürgerkriegsähnlicher Zustand in Boston

Sinan Beden

Vor fast 2 Wochen explodierten beim Boston-Marathon zwei Bomben. Die Explosionen rissen 3 Menschen in den Tod und verletzten 180 Menschen zum Teil schwer. Wenn man den US-Behörden glauben kann, waren die Täter islamistische Extreme: Ein Geschwisterpaar aus Tschetschenien.

Sofort nach dem Anschlag ging eine bis Dato nie gewesene Aktion der US-Behörden los. Boston und die Umgebungsgebiete wurden hermetisch abgeriegelt und in einen bürgerkriegsähnlichen Zustand versetzt. Die Bahngesellschaft „Amtrak“ ließ keine Fernzüge mehr in die Millionenstadt an der Ostküste fahren. Der gesamte Nahverkehr im Großraum Boston wurde eingestellt. Schulen, Universitäten und Geschäfte blieben geschlossen. Die Nationalgarde fuhr in Panzerwagen Patrouille. Automatische Anrufe bei den Bewohnern warnten diese vor dem Verlassen der Häuser, denn es würde scharf geschossen. In einer kleinen Nachbarstadt Bostons, Watertown, wo die Polizisten nach dem inzwischen erschossenen Tamerlan Zanrajew suchten, durchsuchten hunderte Polizisten nahezu jede Wohnung.

Kaum ist die Fahndungsaktion beendet, schreien reaktionäre Kräfte sämtlicher Parteien nach weiteren Beschneidungen der demokratischen Grundrechte so wie es nach dem 11. September mit dem „Patriot Act“ der Fall war. Dem gefassten schwer verletzten Bruder von Tamerlan Zanarjew, dem 19-jährige Dschochar Zarnajew, sollen ähnlich wie den Guantanamo-Häftlingen, sämtliche bürgerlich-demokratischen Rechte wie z.B. das Recht auf einen Anwalt, vorenthalten werden. Auch das Recht auf eine Gerichtsverhandlung könnte ihm verwehrt werden und er könnte sofort und für den Rest seines Lebens nach Guantanamo geschickt werden.

Doch all dies ist nicht nur mit dem Anschlag der zwei verdächtigten Brüder zu erklären. Vielmehr sind diese Aktionen der reaktionären und faschistoiden US-Machthaber damit zu erklären, dass sie Angst davor haben, dass es aufgrund der Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise zu Revolten und Massenunruhen kommen könnte. Die Verwandlung Bostons in ein „Bürgerkriegsgebiet“ ist als Probe für den Ernstfall zu werten. Auch stellt sich die Frage, warum das FBI, das seit 2011 Tamerlan Zanrajew auf Grund seiner islamistischen Gesinnung überwachte, komplett durchleuchtete und jeden seiner Schritte mitverfolgte, jedoch angeblich nicht wusste, dass er einen Bombenanschlag plant. Oder hat man einfach in Kauf genommen, dass die Bombe hochgeht und Unschuldige mit in den Tod nimmt, damit man die wachsende Antikriegsstimmung in den USA wieder zurückdrängen kann?