20 Jahre sind nach dem grauen Tag vergangen, aber…

Seval Mengi

Vor 20 Jahren, am 29. Mai 1993, geschah in Solingen das Grauen: Nach einem faschistischen Brandanschlag auf ein von türkischen Familien bewohntes Haus verbrannten fünf Frauen und Mädchen qualvoll bei lebendigem Leibe und weitere erlitten schmerzvolle Verletzungen, darunter ein Säugling, das heute 20 Jahre alt ist. Diese Menschen wurden Opfer von Gewalt und Hass von sogenannten Neo-Nazis und erlitten an Leib und Seele die Folgen rassistischer und faschistischer Gedanken und Gefühle. Nach wochenlangen Polizeiermittlungen wurden damals vier mutmaßliche Täter aus der rechten Szene gefasst und auf eine umstrittene Weise durch lange Prozesse zu 10 und 15 Jahren verurteilt. Durch Demonstrationen in Solingen und bundesweit in allen Städten, sowie im Ausland wurde mit den Opfern solidarisiert. Und weitere „Skandale“ heizten die Stimmung auf: Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl weigerte sich mit den Worten „Beileidstourismus“, die Familie und die Opfer vor Ort zu besuchen und stellte seine Haltung zu der rassistischen Tat offenkundig dar.

20 lange Jahre sind vergangen…Aber was geschah innerhalb von 20 Jahren? Hat Deutschland aus dieser schrecklichen Tat gelernt? Sind die wunden in Solingen geheilt? Nun stehen wir, 20 Jahre nach dem Anschlag hier und noch immer füllen „NSU-Morde“ oder viele weitere rassistische Attentate und Anschläge die Schlagzeilen. Die Opfer des Brandanschlages bekommen Schmerzensgeld, Mahnmale werden errichtet, Gedenkveranstaltungen finden statt, während auf der anderen Seite Akten, die die Unterlagen und Beweise zur NSU-Mordserie beinhalten, vom Verfassungsschutz versteckt und  gar vernichtet werden. Funktionäre werden beschützt und von einem Verbot der NPD, die offensichtlich und klar mit seinem rassistischen Gedankengut eine potenzielle Gefahr für die Bevölkerung mit Migrationshintergrund sowie für antirassistisch Gesinnte darstellt, ist die Mehrheit im Bundestag trotz zahlreicher Anfragen nicht überzeugt. Stattdessen können NPD-Mitglieder mit Schlagstöcken und Pfeffersprays der Polizei auf den Straßen aufmarschieren und ihr Gift in die Welt streuen.

20 Jahre nach dem schrecklichen Brandanschlag wird noch immer der Nährboden für die Existenz gefährlicher Gruppierungen der rechtsextremen Szene geschaffen und ihre legale Ausbreitung in Form von Parteien und Organisationen wird frei ermöglicht. Doch die Bekämpfung des Rassismus und Faschismus und der antifaschistische Widerstand werden dementsprechend noch stärker geführt, damit Brandanschläge wie in Solingen nicht noch einmal passieren können. Was heute nach 20 Jahren nach dem Anschlag geblieben ist? Tiefe Wunden, am Leib und Seele, unvergessliche Erinnerungen von der schrecklichen Nacht, die von keinem Schmerzensgeld ersetzt oder vermindert werden können und eine große Enttäuschung von einer Gesellschaft, worin Rassismus immer noch freien Lauf hat.

Eines muss gesagt werden, das Problem ist nicht Solingen, sondern der Rassismus selbst, denn er tötet Unschuldige, geführt vom Hassmotiv.