NSU-Prozess: Zusammenarbeit deutscher und türkischer Medien

Die Tageszeitung »neues deutschland« wird für die Berichterstattung vom NSU-Prozess mit der linken türkischen Tageszeitung »Evrensel« und der Berliner »tageszeitung« kooperieren. Dem in Istanbul erscheinenden Blatt war ein fester Beobachterplatz im Münchner Oberlandesgericht zugelost worden. Diesen wird der Deutschland-Korrespondent des Blattes, Yücel Özdemir, den beiden deutschen Zeitungen zur Verfügung stellen, wenn er selbst nicht in München sein kann. Auch inhaltlich wird eine Zusammenarbeit angestrebt.

»Wir möchten deutschen Zeitungen, die sich klar gegen Rassismus und die Diskriminierung von Migranten positionieren, ermöglichen, aus erster Hand über den NSU-Prozess zu berichten«, sagte Yücel Özdemir.

„Wir bedanken uns vielmals für die Solidarität und freuen uns auf die Zusammenarbeit“, sagt taz-Chefredakteurin Ines Pohl.

»Wir sind sehr dankbar für die Solidarität unserer Kollegen von Evrensel«, so nd-Chefredakteur Tom Strohschneider. Die Leserinnen und Lesern von »neues deutschland« könnten so eines der wichtigsten Justizverfahren der letzten Jahrzehnte aus türkischer und deutscher Sicht gleichermaßen verfolgen.

So wichtig es gewesen sei, öffentlichen Druck zu machen, damit auch türkische Blätter über den Prozess von vor Ort berichten können, so Strohschneider weiter, so notwendig sei es nun, wieder die mörderischen Taten der Rechtsextremen, das offenkundige Versagen der Behörden und die Folgen des alltäglichen Rassismus in Deutschland in den Vordergrund zu rücken.

„Evrensel“ (auf Deutsch: universal) ist eine linke türkische Tageszeitung, die 1995 gegründet wurde und sich wegen ihrer regierungskritischen Berichterstattung immer wieder staatlichen Repressalien ausgesetzt sah.