Das alte Problem: Atommüllendlagerung

Radioaktive Strahlung und Atomkraftwerke werden in Deutschland wieder ein aktuelles Thema. Nach dem Unfall im japanischen Atomkraftwerk in Fukushima im März 2011 hatten Bundestag und Bundesrat mit deutlicher Mehrheit alle 17 AKWs in Deutschland zunächst für Sicherheitsprüfungen für 3 Monate geschlossen und schließlich die acht ältesten deutschen Kernkraftwerke sofort stillgelegt. Die restlichen AKWs sollen schrittweise bis 2022 geschlossen werden, wobei bereits erste Schritte unternommen wurden, um vom Atomausstieg auszusteigen. Nichtsdestotrotz wurde Deutschland 2012 zum sechsten Mal in Folge Stromexportmeister.

Jetzt machen Atommüll- und die Endlagerung von radioaktivem Material Schlagzeilen. Es wurde bekannt, dass plutoniumhaltige Brennelemente durch NRW transportiert werden sollen. In Deutschland gibt es regelmäßig Proteste der Anti-Atom-Bewegung gegen den Transport von radioaktiven Abfällen, die von Wiederaufarbeitungsanlagen aus den Nachbarländern nach Deutschland zurückgebracht werden. Die Kritik der Gegner richtet sich nicht generell gegen den Rücktransport des deutschen Atommülls nach Deutschland, sondern wenden sich die Proteste vor allem gegen die fortgesetzte Produktion von weiterem Atommüll. Das Problem Atommüll wird weiterhin ein Großes bleiben, solange nicht eine konsequente Anti-Atom-Politik betrieben wird und eine Energiewende frei vom Atomstrom längerfristig erkämpft wird.

Hochbrisanter Plutonium-Transport durch NRW?

Über Pfingsten wurde bekannt, dass noch in dieser Woche ein Autobahn-Transport mit insgesamt zwölf plutoniumhaltigen Mischoxid (MOX)-Brennelementen, die zusammen mehr als 200 kg Plutonium enthalten, vom belgischen Atomkomplex Dessel zum Atomkraftwerk (AKW) Brokdorf rollen soll. Das Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen, örtliche Gruppen im Münsterland wie SOFA Münster und der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) halten einen Transport durch NRW für realistisch. Die kürzeste Route würde von Belgien durch das Rheinland, sowie durch dicht besiedelte Gebiete wie das Ruhrgebiet und auch durch das Münsterland Richtung Hamburg und Brokdorf führen. Denkbar wäre allerdings auch eine Routenführung quer durch die Niederlande bis zum Autobahn-Grenzübergang Niederlande-Niedersachsen an der A 30 / Bad-Bentheim/Gildehaus, nur wenige Kilometer nördlich von Gronau (NRW).

Die Gefährlichkeit von Plutonium ist hinlänglich bekannt: Würde bei einem LKW-Unfall ein MOX-Behälter undicht und Plutonium freigesetzt, z. B. durch einen Brand, ist  eine verheerende Atomkatastrophe mit fatalen Folgen für die Bevölkerung zu befürchten. Wer nur wenige Millionstel Gramm dieses radioaktiven Stoffes einatmet, ist akuter Krebsgefahr ausgesetzt. Außerdem ist Plutonium wie andere Schwermetalle hochgiftig. Schon eine Dosis im zweistelligen Milligrammbereich ist für Menschen tödlich. Eine rechtzeitige Evakuierung in dichtbesiedelten Großstädten wäre kaum möglich. Konkrete Katastrophenschutzpläne für einen Unfall mit einem MOX-Transport gibt es nicht. Und gerade in NRW führt die Autobahnstrecke durch dicht besiedelte Großstadtregionen.

„Nach der Beinahe-Katastrophe beim Brand eines Atomfrachters im Hamburger Hafen kann es nur eine Entscheidung geben: Der Plutonium-Transport muss sofort untersagt werden. Die Landesregierung und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft müssen unverzüglich bei der Bundesregierung und beim Bundesamt für Strahlenschutz ein Transit-Veto einlegen. Zudem muss Brokdorf-Hauptaktionär EON den Plutonium-Transport von sich aus canceln,“ so Willi Hesters vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

Die Anti-Atomkraft-Organisationen fordern zudem von Bundes- und NRW-Landesregierung, dass alle Informationen über den geplanten Transport sofort auf den Tisch müssen:

 

1.      Wie lauten die genaue Transportroute und der genaue Zeitplan?

2.      Ist tatsächlich ein Transport mitten durch das Ruhrgebiet und das Münsterland geplant?

3.      Sind die Katastrophenschutzbehörden an der Strecke informiert?

4.      Wie lange ist die NRW-Landesregierung als Atomaufsichtsbehörde bereits informiert?

 

„Wir fordern die rot-grüne Landesregierung auf, gemeinsam mit den Landesregierungen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg diesen Plutonium-Transport in letzter Minute noch zu verhindern. Rot-Grün hat die Vermeidung von gefährlichen Atomtransporten versprochen, jetzt muss die Landesregierung dementsprechend handeln“, so Udo Buchholz vom Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU).

 

Bei den bisher letzten MOX-Transporten in Deutschland, als im Herbst 2012 das AKW Grohnde beliefert wurde, gab es entlang der ganzen Strecke Protestaktionen von Atomkraftgegnern – in Grohnde selbst massive Blockadeaktionen. Die Anti-Atomkraft-Initiativen werden auch diesmal nicht tatenlos zusehen, wie hier das Leben hunderttausender Menschen aufs Spiel gesetzt wird! Die Initiativen rufen kurzfristig zu Protestaktionen entlang der Autobahn-Transportstrecken auf.

Weitere Informationen unter: www.sofa-ms.de, www.kein-castor-nach-ahaus.de, www.urantransport.de, www.bbu-online.de, www.brokdorf-akut.de, www.ausgestrahlt.de

 

Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen, SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster, BBU (Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz)