„Gitmo is killing me!“

Yankı Kaya

Der seit dem 6. Februar andauernde Hungerstreik im US-Gefangenenlager Guantánamo  weitet sich aus. Zunächst streikte nur eine kleine Gruppe von Insassen, mittlerweile beteiligen sich daran 102 Gefangene.

Nach Presseerklärungen des Pentagons wurde berichet, dass der Konflikt erst im April eskalierte, weil die Gefangenen mit Besenstielen auf die Wächter los gingen und diese dann mit Gummigeschossen antworteten. Auslöser der Proteste sollen Koran-Durchsuchungen in den Zellen gewesen sein.  Nach Angaben von Anwälten jedoch war der Auslöser eng mit der zunehmender Verzweiflung der Häftlinge verbunden. Nach elfeinhalb Jahren hinter Gittern und ohne Prozess macht sich nun mal Hoffnungslosigkeit und Wut breit. Auch in der Zahl der Hungernden sind sich die Parteien uneinig, während Menschenrechtsanwälte angeben, dass sich von den 166 Insassen insgesamt 102 Menschen inzwischen im Hungerstreik befinden, spricht das Pentagon von 43. Das Militär gibt ihre Zahl der Zwangsernährten zwar mit 24 an aber nach der Einschätzung der Anwälte führt das Militär ein Rotationsverfahren durch, so daß die Gefangenen nicht alle gleichzeitig auf der Zwangernährungsliste stehen. Das Militär möchte wohl an Zahlen und Fakten drehen, um das Ganze zu verharmlosen und zu verhindern, dass die Inhaftierten bekommen, was sie wollen, Aufmerksamkeit!

Fakt ist, dass diesen Menschen gegen ihren Willen ein Plastikschlauch durch die Nase in den Magen eingeführt wird, durch die eine Nährflüssigkeit gepumpt wird. Die Zwangsernährung ist als eine Form der Folter zu verurteilen, es verstößt gegen jegliche Menschen- und Bürgerrechte!

Das Lager hatte Präsident George W.  Bush nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 errichten lassen. Umstritten sind vor allem die Militärtribunale auf der Insel -Kritiker halten den USA vor, Aussagen zu verwenden, die Häftlinge unter Folter gemacht haben. Obama hatte bereits vor seiner Wahl 2008 versprochen, das Lager zu schließen. Dass bis heute nichts geschah, ist ein weiterer Skandal! Insgesamt gab es in Guantanamo bislang 779 Häftlinge, von denen neun durch die Folgen der Folter starben.

Seit dem Beginn des Hungerstreiks wächst weltweit die Zahl der Stimmen, die fordern, dass das Lager sofort geschlossen werden muss. Vor dem Weißen Haus in Washington, D.C. finden aus diesem Anlass immer wieder Proteste statt. Die Residenz von US-Präsident Barack Obama ist seit Monaten Schauplatz von Protesten, in denen der Regierungschef immer wieder an sein 2008 gegebenes Versprechen erinnert wird, das Gefangenenlager Guantánamo aufzulösen. „Guantánamo ist nicht notwendig, damit Amerika sicher bleibt. Es ist teuer. Es ist ineffizient. Es schade dem Ansehen der USA in der Welt.“ Alles leeres Geschwätz. Guantanamo war für Obama nur ein Wahlkampfversprechen, er hat nunmehr in der Mitte der Gesellschaft jede Hoffnung ausgelöscht, dass seine Regierung die Exzesse des Anti-Terror-Kriegs von George W. Bush zurückdrängen werde. In Wahrheit sind sich George W. Bush und Barack Hussein Obama viel ähnlicher, als sie sich zugestehen wollen.