Lebende Bomben in der Luft

 Eda Yıldırım – Berivan Koç

 

Trotz der Drohungen der Regierung und des Vorstandes der Turkish Airlines (THY) haben die Arbeiter, Mitglieder der Hava-İş Gewerkschaft, beschlossen, in den Streik zu gehen, um die Sicherheit der Fluggäste und der Mitarbeiter und die vorhandenen Rechte der Mitarbeiter zu verteidigen und die Kündigung der 305 Arbeiter rückgängig zu machen. Trotz Streik-Beschluss hat sich das Verhalten sowohl des THY-Vorstandes als auch der Regierung nicht verändert. Atilay Ayçın, Vorstandsvorsitzender der Hava-İş Gewerkschaft berichtet: „Noch bevor der Streik begonnen hatte, war der Flughafen umzingelt von Polizisten. Da fragt man sich, wen die Polizei vor wem schützt?“. Hava-İş hat am ersten Tag des Streiks Daten veröffentlicht: Von 560 geplanten Flügen fanden 342 statt, 218 Flüge wurden gestrichen. Bevor der Streik begann, erklärte der THY-Vorstand, dass die Flüge durch den Streik nicht beeinträchtigt werden würden und schickte Mitarbeiter in Ausbildung zur Begleitung der Flüge. Zusätzlich wurden Piloten und Kabinenpersonal rekrutiert, die genau für solche Situationen in Reserve warten. Diese Einsätze würden die Sicherheit der Fluggäste in Gefahr bringen, sagt Atilay Ayçın. „Im Kockpit sitzen Piloten und Kabinenarbeiter, die Angst haben, dass ihre sicheren Posten gefährdet sind, im Flugzeug selbst fliegen teilweise unerfahrene Flugbegleiter-Azubis, die noch nicht einmal wissen, wo der Eingang zum Flugzeug ist. Das sind Zustände, die in Bezug auf Flugsicherheit nicht akzeptabel sind. Wenn das nicht eine lebende Bombe ist, weiß ich auch nicht.“

Flugunfälle sind hauptsächlich auf menschliche Ursachen und Fehler zurückzuführen. Es gibt internationale Standards, die Fluglängen, Ruhezeiten und Wetterbedingungen betreffen. Wenn diese Standards nicht eingehalten werden können oder gegeben sind und das Flugpersonal aber durch die Chefetage trotzdem zum Flug gezwungen wird, kommen Flugunfälle zustande. Aus diesem Grunde werden die Black-Boxen nicht gefunden.

 

Regierung ist verantwortlich

Sobald der Streik beschlossen war, erklärte die Regierung, dass sie zum THY Vorstand steht. Am ersten Tag des Streiks beglückwünschte der Minister für Transportwesen, Binali Yıldırım, die Arbeiter, die nicht am Streik teilnahmen. Ayçın bewertete in Zusammenhang mit der Erklärung des Ministers die Haltung der Regierung „wenn ein Arbeiter für seine Rechte in den Streik geht, wird er als ´dem Volksvermögen schädlich´ verurteilt. Wenn derselbe Arbeiter, sich dem Streik nicht anschließt, wird er von der Regierung als Heimat liebender Bürger gefeiert.“ Ayçın unterstrich, dass die AKP Partei für die Arbeitgeber ergreift. „Der Staat ist für seine Bürger da. Obwohl 305 Arbeiter gekündigt wurden, sagt die Regierung nicht ´diese Menschen nutzten nur ihre demokratischen Rechte`. Anstatt zu den Arbeitern und Opfern zu stehen, anstatt ihre Rechte zu verteidigen, ergreift die Regierung Partei für die Arbeitgeber“. Ayçın sagte, in dem die Regierung nicht eingreift, während unqualifiziertes Personal die Flüge begleitet, macht sie sich bei einem möglichen Unfall mit verantwortlich.