Abi geschafft! Doch es geht weiter…

Pınar Aki

Mit dem Abschluss der Schule schließen wir ein langes Kapitel in unserem Leben ab und es beginnt für jeden ein neuer Abschnitt, neue Strapazen und Herausforderungen. Manch einer entscheidet sich für eine Ausbildung, andere wiederum möchten studieren. Es ist wohl bekannt, dass es nicht so einfach ist, einen Ausbildungsplatz zu kriegen. Die Noten müssen stimmen, die Bewerbung muss gut sein, dann ist da noch der Einstellungstest und ganz zum Schluss noch ein Vorstellungsgespräch. Erst dann und auch nur, wenn alles gut gelaufen ist, hat man eine Chance, eine Lehrstelle zu bekommen. Denn es sind zu viele Bewerber für zu wenige Stellen vorhanden. G8 macht die Sache nicht wirklich besser, denn viele Abiturienten, welche durch die hohen NC`s nicht an die Unis können, suchen einen Ausbildungsplatz. So wiederum haben schlechter qualifizierte Schulabgänger mit der Mittleren Reife keine Chancen mehr auf dem Ausbildungsmarkt und landen in der prekären Beschäftigung.

Gleiche Probleme haben Studieninteressierte

Es ist nicht nur schwer, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, denn genauso schwer ist es auch, an einer Uni angenommen zu werden. Die Abiturprüfungen zu bestehen reicht nicht aus, in der gesamten Oberstufe muss fleißig gelernt werden, damit man Ansatzweise auf einen Studienplatz, für den Studiengang, den man auch wirklich möchte, hoffen kann. An der Uni Köln zum Beispiel bewerben sich pro Semester bis zu 70 000 Studieninteressierte, allerdings gehen ca. drei Viertel der Bewerber leer aus.

NC oder Wartezeit oder gar nicht?

Es heißt „Mit der allgemeinen Hochschulreife könnte man grundsätzlich alle Studienfächer an allen Hochschulen studieren“. Das stimmt auch. Doch so einfach ist es eben nicht. In fast allen Studiengängen ist der Numerus Clausus so hoch, dass man ohne einen Einser-NC  keine guten Aussichten hat. Je höher die Nachfrage bei einem Studiengang ist, desto höher wird der NC gesetzt. Beim Lehramtsstudiengang liegt er mittlerweile für manche Fächer bei 1,8. Also muss man, entweder ein Genie sein oder genug Wartesemester haben. Wenn jemand einen NC von 3,0 hat, aber 1,8 haben müsste für ein Wunschfach, bräuchte er ungefähr 10 Wartesemester. Sprich 5 Jahre, um ein Lehramtsstudium anfangen zu können. 20 % der Studienplätze gehen an Bewerber mit den besten Abiturdurchschnittsnoten, weitere 20 % an Bewerber mit der längsten Wartezeit. Außerdem gibt es noch eine dritte Quote, diese umfasst 60 % der Studienplätze und nennt „studiengangspezifische Quote“. Die Universitäten vergeben diese Studienplätze ebenfalls nur nach der Abiturdurchschnittsnote und berücksichtigen keine weiteren Kriterien. Also ist die Situation der Abiturienten nicht wirklich besser, da sich an den Unis noch einiges ändern muss, damit auch wirklich alle die gleichen Möglichkeiten haben. Nach dem Studium ist aber vor dem Studium, denn hier geht die Suche nach einem Job wieder mit einem Wettbewerbscharakter weiter.