Hochschule Hannover zwingt Stipendiaten zu Ehrenkodex

Ali Candemir

Die Hochschule Hannover verlangt von ihren Studierenden, die mit einem Deutschlandstipendium gefördert werden, einen „Ehrenkodex“ zu unterzeichnen. „Hiermit verpflichte ich mich, selbstverständliche Mindestregeln des Wohlverhaltens gegenüber den Förderern und der Hochschule unbedingt einzuhalten“, heißt es darin. Die Stipendiaten verpflichten sich demnach eigenständig in Kontakt mit den Förderern zu treten und Einladungen dieser „unbedingt nachzukommen“. Die Abmachung beinhaltet auch die Durchführung eines Praktikums und die „Ausfertigung der Bachelor-/Masterarbeit“ bei dem fördernden Unternehmen, sowie „Stipendiatenfeiern in angemessener Kleidung“ zu besuchen.

Wirtschaftliche Interessen stecken dahinter

Das Deutschlandstipendium wurde 2011 von der CSU/CDU und FDP ins Leben gerufen. Es  wird zur Hälfte mit Bundesmitteln und zur anderen Hälfte von Unternehmen finanziert. Durch steuerliche Absetzbarkeit der privaten Förderungen trägt der Staat allerdings zwei Drittel der Kosten von je 300 Euro pro Stipendiat und Monat. Gefördert werden sollen Studierende die herausragende Leistungen und Beruf erwarten lassen. Da die Hochschulen für die Sponsorensuchen selbst zuständig sind, werden Hochschulen in strukturschwachen Regionen benachteiligt. Derzeit werden 0,6 Prozent der Studierenden gefördert, Ziel war es, die Förderquote auf 8 Prozent zu erhöhen.

Unternehmen wählen die Stipendiaten aus

Laut Gesetz darf der private Sponsor keine Gegenleistung oder Kontakt mit dem Stipendiaten fordern. Somit sind die Regeln der Hochschule Hannover hinfällig. Doch das sind nicht die einzigen Gesetzesverstöße, die im Zusammenhang mit dem Deutschlandstipendium geschehen sind. Viele Hochschulen erlauben den privaten Geldgebern an der Auswahl der Stipendiaten mitzuwirken. So erklärten die Aachener Stadtwerke an der Auswahl der Stipendiaten der RWTH Aachen direkt beteiligt zu sein. Drei Viertel der geförderten Studierenden sind aus wirtschaftsnahen Fächern.

DGB und Studentenorganisation fordern Abschaffung

Der DGB und der freie Zusammenschluss von Studentenschaften (fzs) fordern die Abschaffung des Deutschlandstipendiums. Gründe hierfür sind die Einflussnahme der Wirtschaft auf die Stipendiaten, die Manifestierung sozialer Ungerechtigkeit und die Benachteiligung von Studenten aus strukturschwachen Regionen. Der fzs spricht sich aber gleichzeitig für eine Alternative aus. „Wir lehnen das Deutschlandstipendium aus sozialpolitischen und ordnungspolitischen Gründen ab. Es bildet keinerlei Anreiz, ein Studium aufzunehmen und zementiert soziale Unterschiede. Wir fordern eine Reform des BAföGs im Sinne einer Umgestaltung zu einer bedarfsdeckenden, alters-, eltern- und herkunftsunabhängigen als Vollzuschuss gestalteten Studienfinanzierung. Die Schaffung eines nationalen Stipendienprogramms stellt das glatte Gegenteil dessen dar.“