Tauschen, weil kaufen einfach nicht mehr möglich ist

Bahar Güngör

Seltene Steine, Muscheln oder aber auch Nahrung oder „Werkzeuge“ wurden damals in der Steinzeit als erste Handelswaren getauscht. Also bestand bereits die Idee davon, dass gewisse Gegenstände einen Wert haben und die einfache Vergabe dieses Gegenstandes ein Verlust wäre. Heute benutzen wir Geld. Jedoch geht es in Handelsgeschäften nun wieder in Richtung Steinzeit. Mit der Krise und der immer schlechter werdenden Situation der Arbeiter, vor allem in Spanien und Griechenland, gehen die Menschen neue alte Wege, um ihren Bedürfnissen nachkommen zu können. Mal bezahlt man die Miete mit einem Computer oder aber tauscht eine Couch gegen einen Tisch. Tauschbörsen im Internet oder aber auch Secondhand-Läden, in denen nur getauscht werden darf, sind auch in Deutschland nicht selten. Jedoch ist der Beweggrund, zu tauschen ein anderer, als in Ländern, in denen die Krise zu großer Arbeitslosigkeit und Armut geführt hat. Die Krise bringt aber noch weitere Alternativen für die Bevölkerungsteile, die am Existenzminimum leben müssen. Vor allem in Spanien probieren die Menschen immer neue Dinge aus.

Zeitbanken – da ist der Euro nichts Wert

In Spanien gibt es über 300 neue Banken, Zeitbanken. Im Internet legt man sich ein Konto an und bietet seine Fähigkeiten, also seine Arbeitskraft und Zeit an. Für jede geleistete Stunde Arbeit, erhält man einen Punkt gutgeschrieben auf sein eigenes Konto. Jeder Punkt hat den Wert einer Stunde, für jeden Dienst. Ich helfe zum Beispiel Samuel eine Stunde lang bei seiner Gartenarbeit und erhalte eine Stunde auf mein Zeitkonto. Damit kann ich Eva „bezahlen“, wenn sie mir Spanisch Unterricht gibt. Mehr als jeder dritte Spanier hat es extrem schwierig mit seinem Geld bis ans Monatsende durchzukommen. Aus dieser Not heraus entstehen neue Systeme wie Zeitbanken. Sie dienen den Menschen, aber auch als soziale Stütze in der Krise, die sonst alleine vor dem Nichts stehen würden.

Sinpas – Wir haben gar nichts mehr

Immer größere Probleme haben spanische Barbesitzer mit den „sinpas“. Das bedeutet so viel wie „ohne zahlen“. Die Preise für alkoholische Getränke sind extrem gestiegen und für viele nicht mehr zahlbar. Da den Menschen sowieso bereits alles genommen wurde, riskieren sie nun auch das „sinpas“ Dasein. Sie bestellen in einer Bar alkoholische Getränke, trinken diese und rufen zum Schluss den Kellner, um die Rechnung zu verlangen. In der Zeit, in der der Kellner die Rechnung holt, verschwinden die sinpas einfach von der Bildfläche. Eine neue spanische Studie zeigt, dass diese Methode bereits von 30% der Barbesucher genutzt wird.

Das ist kein Spielgeld, das ist unsere Regionalwährung

Grundschulkinder werden kaum noch wissen, dass es mal in Europa verschiedene Währungen gab. Für sie gibt es erst mal nur den Euro. In verschiedenen Regionen Spaniens haben die Menschen nun ihre eigene Regionalwährung. Einen Großteil ihrer Einkäufe zahlen sie mit dieser Währung, die digital verwaltet wird. Es gibt ein paar hunderte Nutzer, für die sich dieser Handel sehr lohnt. Große Geschäfte können sie damit nicht machen, jedoch reicht es für den Haushalt, Miete und manchmal fürs Hobby. Die Währung ist nur in der eigenen Region gültig, so kann man auch nur dort Handel betreiben. Die Währung Mora hat sogar kleine Keramik Münzen. Mittlerweile gibt es 45 Regionalwährungen in Spanien. Langfristig werden dies wohlmöglich keine Lösung sein, aber die Bevölkerung, die von den ganzen Rettungs- und Hilfspaketen nichts erhielten und auch keine Besserung für sie in Sicht ist, wissen sich im Moment nur so zu helfen.