Gedenken an Bücher

 „Dies war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“

Genau dieser Satz Heinrich Heines wurde 1933 in Deutschland traurige Wirklichkeit. Denn wie bekannt, verbrannten die Nazis kurz nach ihrer Machtübernahme tausende von Büchern, deren Inhalte ihrer Ideologie entgegenstanden. In das kollektive Menschheitsgedächtnis eingegangen ist die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opernplatz mit dem gespenstischen Auftritt des Propagandaministers Joseph Goebbels. Bestandteil dieser Inszenierung war auch die am selben Tag gehaltene Antrittsvorlesung von Alfred Baeumler (1887 – 1968), der Anfang 1933 als Ordinarius für Politische Pädagogik von der Technischen Hochschule Dresden an die Berliner Universität berufen worden war. Im Anschluss daran hatte sich ein Fackelzug zum Opernplatz formiert, wo, begleitet von „Feuersprüchen“, vor Mitternacht Tausende Bücher Opfer der Flammen wurden. Es fanden deutschlandweit von März bis Oktober 1933 insgesamt 93 Bücherverbrennungen in siebzig Städten statt, 22 davon waren Universitätsstädte. Organisiert wurden diese überwiegend von der Deutschen Studentenschaft und der Hitlerjugend. Die Bücherverbrennungen waren Höhepunkt der zentral gesteuerten Aktion „Wider den undeutschen Geist“.

Nach lang vorbereiteten Listen sollten 131 Autoren den Flammen und dem Vergessen übergeben werden, angeführt von den „undeutschen“ Autoren und Dichtern Heinrich Heine und Wedekind, Stefan Zweig und Alfred Kerr, Brecht und Feuchtwanger. Mit dem Zuruf: „Gegen Dekadenz und moralischen Zerfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Mann, Ernst Glaeser und Erich Kästner!“, begann auch schon der irrsinnige Kampf gegen geistiges und literarisches Gut. „Ich habe Gefährlicheres erlebt, Tödlicheres – aber Gemeineres nicht!“, mit diesen Worten beschrieb Erich Kästner seine Gefühle, die ihn bei diesem Ereignis überfallen hatten. Denn er stand 1933 mitten in der Menge vor der Humboldt Universität in Berlin während seine Bücher und viele andere den Flammen zum Opfer fielen. „Mit solchen Methoden kann man zwar ein Volk vernichten, Bücher aber nicht. Sie sterben nur eines natürlichen Todes. Sie sterben, wenn ihre Zeit erfüllt ist. Man kann von ihrem Lebensfaden nicht eine Minute abschneiden, abreißen oder absengen. Bücher das wissen wir nun, kann man nicht verbrennen.“ – (Erich Kästner, Über das Verbrennen von Büchern).

Mit zwei Veranstaltungen erinnerte am 9.-10. Juni das Jüdische Theater BIMAH Berlin an den 80. Jahrestag der Bücherverbrennung im Frühjahr 1933. Zum siebenten Mal nun standen bei dieser jährlich stattfindenden Veranstaltung Künstler, Autoren und Politiker gemeinsam auf der Bühne, um jener Autoren und Dichter zu gedenken, deren Werke von den Nationalsozialisten geächtet, die verfolgt, ermordet oder ins Exil getrieben wurden. Die Veranstaltungsreihe fand unter dem Motto „Zerstörte Vielfalt“, mit dem die Stadt dieses Jahr Hunderte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens würdigte, die Opfer des nationalsozialistischen Wahns wurden, statt. Auf dem Programm standen szenische Lesungen sowie Kabarett, ebenso wie musikalische Aufführungen. In das Bühnenprogramm eingebettet rezitierten außerdem Politiker verschiedener Parteien aus den Werken bedeutender Künstler der 20er und 30er Jahre, wie Bertolt Brecht, Carl Zuckmayer, Joachim Ringelnatz, Kurt Tucholsky, Nelly Sachs, Else Lasker-Schüler, Mascha Kaléko und viele andere mehr. Einen musikalischen Rahmen setzten dabei die Opernsängerin Simone Kermes und Pianist Florian Fries.