Heilbronnerbündnis gegen Rechts

heilbronn

Unter dem Motto „Menschenkette gegen Rechts – Hand in Hand für mehr Toleranz im Land“ sollte am 06.Juli 2013 auf der etwa 30 km langen Strecke von Bietigheim-Bissingen und Heilbronn ein Zeichen gesetzt werden. Ein breites gesellschaftliches Bündnis von Organisationen und Parteien hatten zur Menschenkette mobilisiert.

 

Begonnen hatte die Menschenkette an der Theresienwiese in Heilbronn. An jener Stelle, an der die   Polizistin Michele Kiesewetter durch die NSU ermordet wurde. Die Strecke führte am Neckar entlang nach Bietigheim-Bissingen zum Bahnhof. Dieser Ort wurde  von 1942 bis 1945 als ein Durchgangslager genutzt. Hier wurden rund 200.000 Zivilisten zur Zwangsarbeit verschleppt. Auch wurden hier 1944 KZ-Häftlinge aus Auschwitz für den Einsatz im KZ Vaihingen/Enz vorbereitet. Die traurige Geschichte des Bahnhofs reicht bis 1945, denn sogar 1945 wurden von hier noch Menschen in Konzentrationslager deportiert.

Die Menschenkette sollte einen Bogen spannen zwischen neuen Rechten Straftaten und alten Gräueltaten.

Es waren ca. 5000 Menschen auf der Straße. Gekommen war die Politprominenz aber auch Bürgerinnen und Bürger, die ein Zeichen setzen wollten. An diesem Samstag war im Einzelhandel Streik und eine Demo durch Heilbronn. Die Streikenden aus Stuttgart und Heilbronn haben sich der Menschenkette angeschlossen und haben die Aktion nochmals mit 300 Menschen unterstützt. Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass man gute soziale Aktionen miteinander verbinden, gegenseitig unterstützen und gemeinsam kämpfen kann.

 

Leider hat die Anzahl der Teilnehmer für eine geschlossene Kette nicht gereicht. Man hätte dafür ca. 15.000 Menschen benötigt. Diese Anzahl zu erreichen, ist angesichts der vielen weiteren Aktionen und keiner gefühlten aktuellen Bedrohung wirklich ein schwer zu erreichendes Ziel gewesen.

Der wunderschöne Sommertag hat auch hier eher zum Freibad eingeladen, als in der Sonne zwei Stunden zu stehen und eine Menschenkette zu bilden.

 

In Zukunft müsste man sich vielleicht überlegen, ob für dieses Thema die gewählte Aktionsform die richtige ist oder sich andere nicht besser dazu eignen würden.

Was aber unbestritten ist, dass wir die Nazivergangenheit nicht vergessen dürfen, diese uns immer wieder ganz bewusst machen und den vielen Opfer gedenken müssen. So etwas darf nie wieder passieren.

Viel wichtiger ist aber in diesem Zusammenhang, dass wir heute schauen müssen, wo dieses rechte Gedankengut und die Menschen sitzen. Sie dürfen in unsrer Gesellschaft keinen Platz haben. Es fängt beim Alltagsrassismus mit irgendwelchen „blöden“ Witzen an und hört bei der Mordserie des NSU und vielen weiteren Verbrechen von Nazis auf. Wir müssen hinschauen und den alten wie neuen Nazis entgegentreten.

 

Deshalb sind 5000 Menschen, die ein Zeichen für „Toleranz und Menschlichkeit und gegen Rechts“ setzen wollten immer auch ein Erfolg –  ganz gleich, ob man eine Menschenkette geschlossen bekommt oder nicht. Es sind 5000 Menschen die sich engagiert haben und denen das Thema so wichtig war, dass sie die Hitze und evtl. Unannehmlichkeiten in Kauf genommen haben. Und das ist ein gutes Zeichen.

Nach oben haben wir immer noch Luft und wenn das nächstes Mal jede und jeder noch jemanden mitbringt, sind wir beim nächsten Mal schon 10.000. Wir haben gesehen das wir organisationsübergreifend gemeinsam was erreichen können. Das sollten wir uns zum Vorbild nehmen, gemeinsam gegen Nazis und rechtes Gedankengut zu kämpfen.

Katharina Kaupp
Gewerkschaftssekretärin
ver.di
Bezirk Heilbronn-Neckar-Franken