Generation Y

Özlem Yıldız

 

Selbstbestimmt, ehrgeizig und verwöhnt – das ist die Generation Y, eine von Personalabteilungen, Soziologen und Journalisten bezeichnete Generation von 20 bis 30- Jährigen, die allmählich ins Berufsleben einsteigen. Es geht ihnen um schnelles Vorwärtskommen im Job und dabei möglichst wenig Zeit in ihrem Beruf zu verbringen. Laut einer neuen Umfrage, die von der Unternehmensberatung Ernst & Joung durchgeführt und vom Handelsblatt veröffentlicht wurde, stehen bei 72 Prozent der Befragten Entfaltungschancen für die Arbeitgeberwahl an erster Stelle, 56 Prozent sehen die Work- Life-Balance, also ein gutes Gleichgewicht zwischen Beruf und Freizeit als besonders wichtig an. Im Gegensatz zu der zehn Jahre älteren Generation Golf, die als kämpferisch, konsumorientiert, repräsentabel und busy charakterisiert wurde, verfolgt die Generation Y freie Selbstentfaltung und- Verwirklichung, statt Fremdbestimmung. Sie wollen Beruf, Familie und Freunde unter einen Hut bringen. Wenn es sein muss, verzichten sie sogar auf einen hochbezahlten Chefposten oder lehnen sogar ihren Traumjob ab. Leistung und Lebensgenuss gehören für diese Generation untrennbar zusammen. Auf Status und Prestige kommt es bei nur 35 Prozent an.

Y wird im Englischen ausgesprochen wie why, das englische Wort für warum. Die Generation Y hinterfragt tatsächlich ziemlich alles: Ist das, was der Chef sagt immer richtig? Kann man Familie und Beruf vereinbaren?

Bei dieser Generation, die von klein an mit dem Umgang des Internets aufgewachsen ist, gut ausgebildet wurde und mit internationalem Horizont ausgestattet ist, handelt es sich um eine solche, die besonders bei Unternehmen gut ankommt. Sie wollen Berufseinsteiger auf höchstem Niveau und genau solch eine stellt die Generation Y dar. Die Anforderungen an die Arbeitgeber ihrerseits sind jedoch hoch. Sie verlangen, dass der Arbeitgeber auf ihre Bedürfnisse eingeht, sie wollen Mitspracherechte, selbst denken und eigenverantwortlich arbeiten, statt Anweisungen zu bekommen. Sie verlangen Fürsorge und Aufmerksamkeit. Werden die Unternehmen diesen Anforderungen nicht gerecht, besteht die Gefahr, dass die Generation Y nicht länger in dem Unternehmen bleibt. Denn sie sucht Herausforderungen, ihr Beruf muss für die spannend und abwechslungsreich sein. Wer sie in dem Unternehmen behalten will, muss ihnen Perspektiven bieten.

Doch in der heutigen Arbeitswelt herrscht alles andere als das Mitspracherecht und die Mitbestimmung des Arbeiters. Stattdessen ist sie geprägt von einer beinahe ideologischen Arbeitsmoral. 40 Stunden Wochen sind Realität. Arbeiter sitzen von morgens bis abends an ihren Rechnern und verfolgen das Arbeitsziel. Karriere und Status statt freie Selbstentfaltung. In solch einer Arbeitswelt kommt der Arbeiter mit seinen Bedürfnissen viel zu kurz und spielt eine nur untergeordnete Rolle. Familie und Karriere kann häufig nicht vereinbart werden, wodurch es zum Scheitern von Freundschaften und Ehen kommt. Auch die Gesundheit Einzelner hat darunter zu leiden. Burnout und Depressionen vieler Angestellten sogar Akademiker werden zum Alltag. Viele junge Berufseinsteiger klagen über Stress und zu hohe Arbeitsbelastung. Arbeiter dürfen ihre Selbstentfaltung nicht aufgeben und sich nicht dem System ideologischer Arbeitsmoral unterwerfen. Die Generation Y sollte selbst entscheiden, wann und wo sie arbeiten will. Hierarchien sollten abgeschafft und mehr Freiräume sollten geschaffen werden. Genau diese Tatsachen sollte die Generation Y hinterfragen und ändern.